Republikanerin Elizabeth Neumann

Ehemalige enge Trump-Beraterin nennt Donald Trump „rassistisch“ und wirbt für Biden

  • vonMirko Schmid
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  • Christian Stör
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Donald Trump bekommt immer mehr Gegenwind, teilweise auch aus den Reihen der Republikaner. Der Präsident kontert scharf: „Wir haben einige dumme Leute.“

Update von Dienstag, 27.10.2020, 20:45 Uhr: Die Stimmen aus Reihen der Republikaner gegen Donald Trump werden lauter. Die ehemalige stellvertretende Stabschefin des Ministeriums für innere Sicherheit, Elizabeth Neumann, bricht ihre Lanze über Donald Trump. Sie habe Donald Trump 2016 gewählt, weil dieser in der „Pro Life“-Frage, also dem Verbot von Abtreibungen, ihre Ansichten vertreten habe. Jetzt spricht sie sich vehement dafür aus, Donald Trump nicht wiederzuwählen und stattdessen für Joe Biden zu votieren.

Ex-Beraterin Neumann: Die Rhetorik von Donald Trump ist rassistisch, er legitimiert Rassisten

Zwischen den Jahren 2017 und 2018 sei die Bewegung von „White Supremacists“, also den Vertretern der Übermacht der „weißen Rasse“, immer stärker geworden. Im Beratungsstab des Heimatsschutzministeriums sei die Bedrohung durch die Rassisten als ernsthafte Gefahr erkannt worden. Immer wieder sei die Frage aufgekommen, ob Präsident Donald Trump die Lage durch seine Rhetorik noch verschärfe. Die klare Antwort: „Ja.“ Die Aktionen und die Sprache Trumps seien rassistisch, so Neumann.

So sei die Aussage von Donald Trump im Rahmen der Geschehnisse in Charlottesville, als Rechtsextreme tagelang Hassparolen riefen und einer der „White Supremacists“ sein Auto mit voller Absicht in die Menge der Gegendemonstranten fuhr und eine Demonstrantin tötete sowie 19 weitere Menschen verletzte, es seien „auf beiden Seiten gute Leute“ gewesen unsäglich gewesen. Worte wie die gäben den „White Supremacists“ die „Erlaubnis“ zu denken, dass ihre Taten „zulässig“ seien. Neumann glaubt außerdem, dass Trumps „spaltende Rhetorik“ indirekt für rassistische Gewalttaten der letzten Jahre in den USA verantwortlich sei.

Elizabeth Neumann: Die ehemalige Beraterin des Präsidenten macht Donald Trump für Rassismus verantwortlich

Elizabeth Neumann an Donald Trump: „Sorry, Herr Präsident, Sie haben absolut versagt.“

Den Umgang mit der Corona-Pandemie durch Donald Trump kritisiert Elizabeth Neumann scharf. Es seien seit 15 Jahren Pläne zur Bekämpfung von Pandemien vorhanden gewesen. Als das Heimatsschutzministerium gesehen habe, dass die Pandemie auf die USA zurollt, seien Experten wie Dr. Anthony Fauci vorstellig geworden und hatten darauf gedrängt, diese Pläne umzusetzen. Doch vom Januar bis zum 11. März habe Donald Trump zahlreiche „gute Beamte“ aufgefordert, ihre Arbeit einzustellen, um die Wirtschaft in den USA nicht zu beschädigen, weil er in seinem Wahlkampf keine Störung wollte.

Direkt an Donald Trump gerichtet sagt die Republikanerin Neumann: „Sorry, Herr Präsident, Sie sind angestellt, um die USA durch ihre dunkelste Stunde zu führen - und Sie haben absolut versagt.“ Die USA könnten sich keine weiteren vier Jahre Trump leisten, schließt Neumann: „Wir sind heute weniger sicher als vor seiner Regentschaft. Und wir werden noch unsicherer sein, solange er die Kontrolle hat.“ Sie werde bei der anstehenden Präsidentschaftswahl Joe Biden wählen.

Donald Trump muss sich vermehrt Kritik aus den eigenen Reihen anhören.

Angst vor einem „Blutbad“: Donald Trump kämpft nun auch gegen die Republikaner

Carson City - Bei den Republikanern geht es derzeit drunter und drüber. Knapp zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl in den USA muss sich Donald Trump nämlich plötzlich mit immer mehr kritischen Stimmen aus der eigene Partei auseinandersetzen. Das kommt beim US-Präsidenten natürlich gar nicht gut an, weshalb der 74-Jährige jetzt sogar zur Attacke gegen einige seiner eigenen Vertrauten geblasen hat.

Republikanischer Senator Ben Sasse attackiert Donald Trump auf breiter Front

„Wir haben einige dumme Leute“, sagte Donald Trump am Sonntag (18.10.2020) auf einer Wahlkampfveranstaltung in Carson City im US-Bundesstaat Nevada. Da er die Mehrzahl verwendete, ist nicht ganz klar, wen er damit im Einzelnen genau meinte, doch ein prominenter Republikaner war auf jeden Fall darunter. Denn den Senator Ben Sasse hatte Trump ja schon am Tag zuvor auf Twitter scharf angegriffen. Ben Sasse sei „ziemlich dumm und unausstehlich“, der unwirksamste der 53 republikanischen Senatoren und überhaupt ein „peinlicher Vertreter des großen Staates Nebraska“.

Diese Reaktion kam nicht überraschend, hatte Ben Sasse doch zuvor in einer Telefonkonferenz den Amtsinhaber auf breiter Front attackiert. Donald Trump nutze das Weiße Haus für seine Geschäfte, gebe Geld aus „wie ein betrunkener Matrose“, flirte mit weißen Rassisten, misshandle Frauen, verspotte Evangelikale hinter verschlossenen Türen, küsse „Diktatoren den Hintern“, schimpfte Sasse in einem Mitschnitt, den die konservative Website „Washington Examiner“ veröffentlichte. Zudem sei Trumps Führung in der Corona-Krise weder vernünftig, noch verantwortungsvoll gewesen. Sasse warnte auch, dass die Republikaner wegen Trump dauerhaft an Einfluss bei den Menschen verlieren könnten. „Es könnte zu einem Blutbad bei der Wahl kommen – auch im Senat“, so Ben Sasse.

Auch enge Verbündete wenden sich von Donald Trump ab

Sasses Äußerungen spiegeln tatsächlich die Sorgen vieler Republikaner wider, bei den Wahlen nicht nur das Weiße Haus zu verlieren - sondern wegen Trumps Unbeliebtheit gleich auch noch den Senat. So sprach auch Senator Ted Cruz von einem möglichen „Blutbad“ am 3. November. Selbst Senator Lindsey Graham, der zu Trumps engsten Vertrauten gehört, bescheinigte seinen Kollegen aus der demokratischen Partei starke Aussichten bei der US-Wahl am 3. November. „Ihr habt gute Chancen, das Weiße Haus zu gewinnen“, sagte Graham in einer Ausschusssitzung. Lindsey Graham selbst muss um seine Wiederwahl im Bundesstaat South Carolina bangen.

Kritik an Donald Trump kam auch von Chris Christie. Der Trump-Intimus bemängelte unter anderem die Schutzvorkehrungen im Weißen Haus. Er habe angenommen, sich dort in einer „sicheren Zone“ zu befinden. „Ich lag falsch.“ Der Ex-Gouverneur von New Jersey warnte davor, das Coronavirus auf die leichte Schulter zu nehmen. „Es ist etwas, das man sehr ernst nehmen muss“, erklärte er und rief dazu auf, Masken zu tragen und Abstand zu halten. „Niemand sollte glücklich sein, das Virus zu bekommen, und niemand sollte hochmütig darüber sein, sich angesteckt zu haben oder andere anzustecken.“

Christie hatte Trump unter anderem geholfen, sich auf die TV-Debatte mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden vorzubereiten. Er wurde danach rund eine Woche im Krankenhaus wegen einer Covid-19-Erkrankung behandelt.

Donald Trump liegt in Umfragen deutlich hinter Joe Biden zurück

Donald Trump liegt zwei Wochen vor der US-Wahl 2020 in Umfragen deutlich hinter seinem Herausforderer Joe Biden zurück. Der Republikaner hat nicht nur im landesweiten Umfrageschnitt einen Rückstand von rund zehn Prozentpunkten. Auch in besonders wichtigen Schlüsselstaaten wie Michigan, Pennsylvania und Wisconsin hat Joe Biden die besseren Karten als Donald Trump.

Zudem gehen die Vorhersagen zurzeit davon aus, dass die Demokraten eine gute Chance haben, auch im Senat die Mehrheit zu übernehmen. Insgesamt stehen 35 der 100 Senatssitze zur Wahl, die Demokraten brauchen einen Nettogewinn von vier Sitzen, um die Mehrheit zu gewinnen. (Von Christian Stör)

Rubriklistenbild: © ALEX WONG/afp

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