US-Präsident Donald Trump macht regelmäßig mit abfälligen Äußerungen über Veteranen auf sich aufmerksam.
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US-Präsident Donald Trump macht regelmäßig mit abfälligen Äußerungen über Veteranen auf sich aufmerksam.

US-Wahl 2020

Donald Trump und das Militär: Freunde waren sie nie

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Veteranen genießen in den USA normalerweise ein hohes Ansehen, jedoch nicht bei Donald Trump. Der US-Präsident hat eine jahrzehntelange Abneigung gegen das Militär.

  • US-Präsident Donald Trump macht wiederholt mit abfälligen Bemerkungen gegen Veteranen auf sich aufmerksam
  • John McCain und George Bush sind für Donald Trump „Verlierer“
  • Selbst diente Donald Trump nie beim Militär

Washington D.C. - Kürzlich wurden abfällige Äußerungen von Donald Trump über das Militär wieder aktuell. Der US-Präsident bezeichnete einem Bericht des Magazins „The Atlantic“ zufolge gefallene Soldaten als „Verlierer“ und „Trottel“ („Loser“ und „Sucker“). Auch George Bush und John McCain, die dem US-Militär im Krieg dienten, sind für Trump Niemande.

Den Besuch eines amerikanischen Militärfriedhofs in Frankreich 2018 sagte er kurzfristig ab, offiziell aufgrund schlechten Wetters. „Warum soll ich zu einem Friedhof fahren? Er ist voller Verlierer“, soll Trump gesagt haben. Doch Donald Trumps bekannt gewordene Kommentare seien nur ein Teil einer lange bestehenden Abneigung gegen das Militär, wie die „Washington Post“ berichtet.

Donald Trump und das Militär: Die Abneigung des US-Präsidenten gegen Veteranen

Bereits bei der US-Präsidentschaftswahl 2000 versuchte er, für die Republikanische Partei zu kandidieren. Auf die Frage eines Fernsehmoderators, wieso Trump sich eher als Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte qualifiziert sieht als sein Konkurrent John McCain, ein Veteran und jahrelang Kriegsgefangener in Vietnam, antwortete er: „Macht es jemanden zum Helden, wenn man gefangen wird?“ Auch im Vorfeld der US-Wahl 2016 betonte Trump, dass McCain kein Kriegsheld sei, nur weil er gefangen wurde. „Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen werden“, sagte er außerdem.

Auch für George Bush senior, Kampfpilot im Zweiten Weltkrieg und von 1989 bis 1993 Präsident der Vereinigten Staaten, findet Trump keine netten Worte. 2016 bezeichnete er Bush als „Verlierer“, weil sein Bomber von der Japanischen Armee abgeschossen wurde. Gefangen genommen wurde Bush allerdings nicht, weshalb Trump ihn im Vergleich zu McCain wohl insgesamt eher verschonte. Auf die Frage eines Journalisten einen Tag nach Bushs Tod, ob Trump seine Bemerkungen über die Familie Bush bereut, brach er die Fragerunde ab und schickte die Journalisten weg, ohne zu antworten. Zudem griff Trump die Eltern eines im Irak gefallenen US-Soldaten an, die ihm unterstellten, nichts für das Land geopfert zu haben. „Ich habe sehr viele Opfer gebracht“, antwortete Trump. Er arbeite „sehr, sehr hart“ und habe Tausende Jobs geschaffen.

Donald Trump und das Militär: Wiederholt abfällige Äußerungen über Veteranen

Donald Trumps Ablehnung des Militärs reicht jedoch noch weiter zurück. Im Alter von 13 Jahren schickte sein Vater ihn aufgrund mangelnder Disziplin auf eine Militärakademie. Fünf Jahre verbrachte Trump hier, weg vom Luxus seines Zuhauses. Er hätte „mehr militärisches Training gehabt als Viele, die zum Militär gehen“, wird er in einer Biografie zitiert.

Donald Trump selbst entkam dem Militärdienst im Vietnamkrieg. Kurz nach seinem Collegeabschluss 1968 wurde er ausgemustert. Ein ärztliches Attest soll bestätigt haben, dass der damals 22-Jährige einen Fersensporn habe. An der Echtheit dieses Attests gibt es allerdings Zweifel. Trump war in seiner Collegezeit ein begabter und aktiver Sportler. In einem Interview im Juli 2016 gab Trump zu, dass der Sporn nur ein kleineres Leiden gewesen sei, das ihn kaum beeinflusst habe. Michael Cohen, Trumps ehemaliger Anwalt, wollte den medizinischen Befund sehen. Trump gab ihm jedoch keinen und soll geantwortet haben: „Denkst du, ich bin blöd? Ich wäre nie nach Vietnam gegangen.“ 1995 erzählte er in einer Talkshow stolz, dass er aufgrund einer bestimmten Losnummer bei der Einberufung der Soldaten Glück hatte.

Donald Trump äußert sich negativ über Veteranen: Selbst diente er nie beim Militär

Trumps Widerwillen gegen den Militärdienst gab er in seiner Familie weiter. Als sein Sohn Donald Trump Jr. bekanntgab, dem Militär beitreten zu wollen, drohten seine Eltern, ihn zu enterben. Das US-Militär selbst ist über den Präsidenten geteilter Meinung. Nach seinen abfälligen Bemerkungen sehen die Demokraten allerdings eine Chance, die Stimmen des Militärs für die Präsidentschaftswahl am 3. November erringen zu können.

Jeffrey Goldberg, Journalist bei „The Atlantic“ rechnet damit, dass weitere Details zu Donald Trumps Bemerkungen über das Militär und Veteranen bekannt werden. „Ich erwarte absolut, dass in den nächsten Tagen weitere Geschichten herauskommen werden und auch weitere Bestätigungen unserer Geschichten“, so Goldberg in einem Interview mit Nachrichtensender „CNN“. Darüber hinaus verteidigte Goldberg die Anonymität seiner Quellen, auf die sich der enthüllende Bericht in „The Atlantic“ bezieht. (Von Lukas Rogalla)

Kleinere und größere Skandale wie dieser können in den umkämpften „Swing States“ das Zünglein an der Waage sein. Um die Gunst im US-Wahlkampf wieder zu seinen Gunsten zu drehen, nutzt Donald Trump den „Charlottesville-Hoax“, um die Realität in seinem Sinne zu verdrehen.

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