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Nach Ausschreitungen in Washington

Vertraute wenden sich von Donald Trump ab – Senator Lindsey Graham wird bedrängt

  • vonTobias Ketter
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  • Marcel Richters
    Marcel Richters
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Immer mehr hochrangige Mitarbeiter kehren Donald Trump in letzter Sekunde den Rücken. Einer der bisher loyalsten Anhänger des scheidenden Präsidenten wendet sich ab.

  • Mit Stephanie Grisham verlässt eine enge Vertraute von Melania Trump das Weiße Haus, weitere hochrangige Regierungsmitglieder ziehen sich ebenfalls zurück.
  • In einem Interview kritisiert Alyssa Farah, die ehemalige Chefin für Strategische Kommunikation im Weißen Haus, Donald Trump scharf für dessen Umgang mit den Ausschreitungen in Washington D.C.
  • Trump News: Alle News zum scheidenden Präsidenten der USA im Überblick.

Update von Samstag, 09.01.2021, 14:06 Uhr: Lindsey Graham, ehemaliger Golfkumpel von Donald Trump, hat mit dem scheidenden Präsidenten gebrochen. Während der Aussprache im Anschluss an den historischen Terror-Anschlag von Trump-Fans auf das Kapitol sagte der Senator: „Trump und ich, wir hatten eine verdammt große Reise. Ich hasse es, dass es so endet. Oh mein Gott, ich hasse es. Aus meiner Sicht war er ein konsequenter Präsident. Aber heute kann ich nur sagen: Ich bin raus, genug ist genug.“

Einen Tag später urteilte Graham im Rahmen einer Pressekonferenz über Donald Trump: „Wenn es um Rechenschaftspflicht geht, muss der Präsident verstehen, dass seine Handlungen das Problem und nicht die Lösung waren.“ Auch forderte er Trump auf, anzuerkennen, dass er die Präsidentschaftswahl verloren habe: „Es ist vorbei, Joe Biden hat gewonnen. Er ist der legitime Präsident der Vereinigten Staaten. Joe Biden und Kamala Harris wurden rechtmäßig gewählt und werden am 20. Januar Präsident und Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten.“

Fans von Donald Trump bedrängen Senator Lindsey Graham am Flughafen

Die Ausführungen des Senators kamen nicht gut bei der Anhängerschaft von Donald Trump an, der sie seit Monaten angestachelt und mit Falschbehauptungen über einen angeblichen Wahlbetrug indoktriniert hatte. Ein wütender Mob aus den Reihen dieser Anhängerschaft empfing Lindsey Graham am Reagan National Airport in der US-Hauptstadt Washington D.C. und beleidigte den Senator.

In einem Video des Vorfalls, das unter anderem der Nachrichtensender CNN auf seiner Homepage veröffentlicht hat, hört man mehrere Trumps-Fans rufen: „Lindsey Graham, du bist ein Verräter des Landes.“ Eine Frau brüllt: „Du Müllmensch.“ Ein Mann ruft Graham sarkastisch zu: „Willkommen im neuen Amerika, Lindsey.“ Ein anderer schreit: „So wird es für den Rest deines Lebens sein, Lindsey.“ Sicherheitsleute schirmten den Senator dabei vor den teils aggressiven Trump-Fans ab und führten ihn anschließend in ein Treppenhaus des Flughafens.

Donald Trump und Lindsey Graham im Februar 2020: Hier waren sie noch Freunde.

Donald Trump: Ex-Beraterin von Melania Trump zerlegt Trump-Politik nach Rücktritt

+++ 15.45 Uhr: Die geschichtsträchtigen Ereignisse vor und im Kapitol der Vereinigten Staaten in Washington, D.C. hallen nach. Nachdem Donald Trump seine Anhänger mit Lügen über die US-Wahl 2020 angestachelt und den Sturm auf das Kapitol laut Meinung vieler geradezu heraufbeschworen hat, legen immer mehr Regierungsmitglieder ihr Amt nieder. Neben Stephanie Grisham, Kommunikationschefin im Weißen Haus, trat während Trumps Amtszeit auch die Direktorin für Strategische Kommunikation, Alyssa Farah, von ihrem Posten zurück – allerdings schon Anfang Dezember. Jetzt kritisiert sie Trumps Verhalten in einem Interview scharf.

Stephanie Grisham galt lange als enge Vertraute von Melania Trump. Nun verlässt sie das Weiße Haus.

Schon am Mittwoch (06.01.2020) appellierte sie im Angesicht der Unruhen im Kapitol via Twitter an ihren ehemaligen Chef, seine fanatischen Anhänger vom Kapitol zurückzupfeifen. Donald Trump hatte ihren letzten Regierungsposten noch vor Amtsantritt Ende 2016 neu etabliert, vorher gab es das Amt des „Direktors“ bzw. der „Direktorin der Strategischen Kommunikation des Weißen Hauses“ nicht.

Donald Trump soll bereits im November klar gewesen sein: Er hat verloren

Dass Klagen gegen den Ablauf der US-Wahl 2020 in 60 Fällen gerichtlich, oft sogar durch konservative Richter, abgewiesen worden sind, habe sie darin bestätigt, am 4. Dezember ihren Rücktritt einzureichen. Die Anschuldigung, dass die Wahl zuungunsten Trump manipuliert worden sei, sei sich bis heute nicht von Fakten gedeckt, so Farah in einem Interview mit dem US-Medium „Politico“.

Alyssa Farah Anfang Oktober 2020 auf dem Gelände des Weißen Hauses, zwei Monate vor ihrem Rücktritt als Chefin der Strategischen Kommunikation. (Archivfoto)

Auch Donald Trump selbst soll bereits „Ende November“ klar geworden sein, dass er die Wahl endgültig verloren hat. Warum er sich dennoch bis heute überzeugt gibt, er sei der eigentliche Sieger, könne sich Farah selbst nicht erklären. Den Kongressabgeordneten beider Kammern sei von der Ratifizierung der Ergebnisse in jedem Bundesstaat am 14. Dezember 2020 an immer klar gewesen, dass Joe Biden der nächste US-Präsident werde.

Ehemalige ranghohe Mitarbeiterin mit scharfer Kritik an Donald Trump

Wie Trump am 6. Januar agiert habe, verurteilt Farah gegenüber „Politico“ scharf: „Er ließ zu, dass Leben in Gefahr gebracht wurden, und prangerte die Aktionen nie angemessen an.“ Ein starkes, eindringliches Statement von Donald Trump hätte Farah zufolge die Gewalt stoppen können – und Leben retten können. Sie hofft jetzt, dass die Republikanische Partei von Trump ablässt. Für die nächste Wahl im Jahr 2024 brauche es einen Kandidaten mit mehr Mitgefühl, so Farah.

Rücktrittswelle im Weißen Haus: Plötzlich distanzieren sich alle von Donald Trump

Update vom Freitag, 08.01.2021, 7.30 Uhr: Nach den Ausschreitungen vor und im Kapitol in Washington hat sich die Serie von Rücktritten aus der Regierung des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump fortgesetzt. Am Donnerstag (07.01.2021) erklärte Bildungsministerin Betsy DeVos ihren Rücktritt. Im einem von mehreren US-Medien veröffentlichten Brief an den Präsidenten warf sie diesem eine Mitverantwortung für den Gewaltausbruch vor. Es lasse sich nicht verkennen, dass dessen „Rhetorik“ die Lage in der US-Hauptstadt beeinflusst habe, schrieb sie. Allerdings trauerten ihr nicht viele nach. Die Lehrervereinigung brachte es auf den Punkt und schrieb: „Die wären wir los.“

Zuvor hatte bereits Verkehrsministerin Elaine Chao ihren Rücktritt erklärt. Die Erstürmung des Kapitols in Washington nach einer Trump-Rede sei „ein traumatisches und absolut vermeidbares Ereignis“ gewesen, betonte die Ehefrau von Mitch McConnell. „Es hat mich zutiefst und in einer Weise aufgewühlt, die ich einfach nicht verdrängen kann.“

Als Reaktion auf die Ausschreitungen in Washington waren auch bereits der US-Sondergesandte für Nordirland und ehemalige Stabschef im Weißen Haus, Mick Mulvaney, der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Matt Pottinger und die Sprecherin von First Lady Melania Trump, Stephanie Grisham, zurückgetreten.

US-Verkehrsministerin Elaine Chao ist nach den Randalen in Washington zurückgetreten.

Nach Randale in den USA: Rücktritt vom ehemaligen Stabschef Mick Mulvaney

+++ 14.49 Uhr: Immer neue Rücktritte aus dem Team rund um Donald Trump werden bekannt. Nach seinem Sicherheitsberater und Teile des Kommunikationsteams hat auch Mick Mulvaney, Stabschef im Weißen Haus, seinen Posten geräumt. Während der Ausschreitungen in Washington hatte Mulvaney Trump wiederholt auf Twitter kritisiert. So schrieb er: „Der Tweet des Präsidenten ist nicht genug. Er kann das jetzt stoppen und muss das auch tun. Sagen Sie diesen Leuten, dass sie nach Hause gehen sollen.“

Dem „Exodus“ aus dem Weißen Haus haben sich seit den Krawallen bis zum Donnerstagnachmittag (07.01.2021) fünf hochrangige Personen angeschlossen. Diese sind die folgenden.

Verlässt ebenfalls das Weiße Haus: Donald Trumps Stabschef Mick Mulvaney.

Donald Trumps nationaler Sicherheitsberater zurückgetreten

Update, 14.04 Uhr: Nach den Rücktritten der Kommunikationsdirektorinnen Stephanie Grisham und Sarah Matthews hat auch Matt Pottinger, Donald Trumps nationaler Sicherheitsberater, seinen Abschied verkündet. Der Trump-Administration droht auf den letzten Tagen der personelle Exodus.

NameVormalige Position
Stephanie GrishamStabschefin von Melania Trump
Anna Cristina NicetaEventmanagerin des Weißen Hauses
Sarah MatthewsPressesprecherin des Weißen Hauses
Matt PottingerNationaler Sicherheitsberater von Donald Trump
Mick Mulvaney Stabschef des Weißen Hauses

Laut Informationen des US-Nachrichtenportals Daily Beast haben zahlreiche weitere hochrangige Mitarbeiter:innen unter Donald Trump erwägt, infolge der Ausschreitungen in Washington D.C. ihren Rücktritt einzureichen. Darunter auch Chris Liddell, stellvertretender Stabschef des Präsidenten im Weißen Haus.

Verhindert werden konnte dies offenbar nur durch den Einsatz einflussreicher Republikaner wie Mitch McConnell. Der Senator und seine Mannschaft sollen die ganze Nacht am Telefon verbracht haben, um Mitarbeiter:innen des Weißen Hauses, Vertreter:innen des Pentagon und Direktoren der Regierung davon abzuhalten, mit Donald Trump zu brechen.

Melania Trump verliert Stabschefin - Stephanie Grisham tritt zurück

Washington D.C. – Stephanie Grisham, Stabschefin von Melania Trump und frühere Sprecherin des Weißen Hauses, ist am Mittwoch (06.01.2021) zurückgetreten. Das teilte das Weiße Haus in Washington mit.

Grisham war seit 2017 im Team von Melania Trump

Grisham gehörte bereits seit 2015 zum Team rund um Melania und Donald Trump, damals noch im Presseteam der Präsidentschafts-Kampagne. Unter Sean Spicer, ebenfalls ehemaliger Pressesprecher des Weißen Hauses, stieg sie zur stellvertretenden Pressesprecherin auf. Im März 2017 wurde Grisham von Melania Trump für ihr Team angeheuert. In dieser Rolle entwickelte sich Grisham schnell zu einer der wichtigsten Mitarbeiter:innen von Melania und nahm diese häufig in der Öffentlichkeit in Schutz.

Auf Twitter sagte Grisham: „Es war mir eine Ehre, dem Land im Weißen Haus zu dienen. Ich bin sehr stolz darauf, ein Teil von Frau Trumps Mission gewesen zu sein, Kindern überall zu helfen, und stolz auf die vielen Errungenschaften dieser Regierung.“

Gründe für Rücktritt der Vertrauten von Melania Trump unklar

Der Grund für den Rückzug von Stephanie Grisham als Pressesprecherin von Melania Trump blieb vorerst im Dunkeln. Mit ihr reichten jedoch auch Anna Cristina „Rickie“ Niceta, Social-Media-Managerin des Weißen Hauses, und Sarah Matthews, Mitglied der Presseabteilung des Weißen Hauses, ihren Rücktritt ein. Matthews sprach davon, dass sie die Ereignisse rund um die Stürmung des Kapitols „tief verstört“ hätten.

Über den Rückzug von Grisham sagte ein Mitarbeiter des Weißen Hauses gegenüber CNN, dass diese womöglich mit dem neuen Stabschef von Donald Trump, Mark Meadows, in Streit geraten sei. Grisham sei lange Zeit eine „sehr enge“ Vertraute von Melania Trump gewesen, hieß es demnach weiter. Sie habe dennoch nicht zum ersten Mal überlegt, ihren Posten im Weißen Haus zu räumen. Bereits zuvor seien ihr aus dem Team von Donald Trump Steine in den Weg gelegt worden, außerdem habe sie näher bei ihrer Familie im Mittleren Westen sein wollen. (Marcel Richters)

Rubriklistenbild: © SAUL LOEB/afp

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