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Aufregung in Georgia

Donald Trump: Rebellion gegen Republikaner - Fans rufen zum Boykott der Stichwahl in Georgia auf

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Aufgebrachte Fans von Donald Trump in Georgia wollen der Republikanischen Partei eins auswischen - und drohen an, der wichtigen Stichwahl für den Senat fernzubleiben.

  • Die Staatsregierung von Georgia erklärt Joe Biden in der US-Wahl zum Sieger.
  • Fans von Donald Trump sind sauer und demonstrieren gegen die Republikanische Partei.
  • Sie drohen damit, die wichtige Stichwahl für den Senat im Januar zu boykottieren.

Atlanta - Drei Wochen nach der US-Wahl beginnt in Georgia die Neuauszählung der Stimmen. Etwas mehr als sieben Tage hat der Bundesstaat Zeit, bis das Ergebnis bekannt sein muss. Der Sieg von Joe Biden gilt allerdings nicht als gefährdet. Erst letzte Woche hatte die republikanische Regierung von Georgia den Sieg Bidens mit einem Vorsprung von 12.670 Stimmen bestätigt. Das erzürnte die Anhänger:innen von Donald Trump, die Wahlbetrug vermuten und in Atlanta deshalb auf die Straße gingen. Ihre Wut richtet sich gegen Gouverneur Brian Kemp, Staatssekretär Brad Raffensperger und die Republikanische Partei an sich. Ihr Zorn bedroht auch die republikanische Mehrheit im Senat.

Fans von Donald Trump protestieren vor dem Regierungssitz des Bundesstaats Georgia.

US-Wahl in Georgia: Fans von Donald Trump drohen mit Boykott der Stichwahl im Januar

Bei dieser US-Wahl nimmt Georgia eine besonders wichtige Rolle ein. Eigentlich als Hochburg der Republikaner bekannt, konnten Joe Biden und die Demokraten den Staat im Südosten der USA „flippen“ und 16 Wahlleute sichern. Zudem kommt in es im Januar zu zwei Stichwahlen für den US-Senat. Dort hofft der republikanische Mehrheitsführer Mitch McConnell, Joe Bidens Regierung und ihre Gesetzesvorschläge künftig in Schach zu halten. Sollten die Demokraten jedoch beide Sitze gewinnen, hätten sie die Mehrheit - und somit die vollständige Kontrolle in Washington.

McConnells Plan könnte allerdings ausgerechnet durch Anhänger:innen von Donald Trump zum Scheitern gebracht werden. Weil die Republikaner in Georgia Joe Biden zum Sieger der US-Wahl erklärten, ist die Partei für sie ein Teil der korrupten Elite geworden, die sich offenbar gegen den Amtsinhaber verschworen hat. Vor dem Regierungssitz Georgias in Atlanta trafen sich Fans von Trump zum Protest: „Wenn das republikanische Establishment tatenlos zusieht und erlaubt, dass die Wahl gestohlen wird, werden wir alles dafür tun, um die Republikanische Partei vollständig zu zerstören“, teilte ein Demonstrant der Menge mit.

US-Wahl in Georgia: Fans von Donald Trump demonstrieren gegen die Republikaner

„Jeder Republikaner, der das zulässt, trägt die Mitschuld, und wir werden euch erledigen. [...] An alle Republikaner, die Trump nicht explizit dabei helfen, den Diebstahl zu beenden (‚stop the steal‘): Wir werden sichergehen, dass ihr nie wieder gewählt werdet“, las er von seinem Handy ab. „Wir werden nicht weniger als weitere vier Jahre von Donald Trump akzeptieren.“ Gouverneur Brian Kemp, sowie Mitt Romney, republikanischer Senator für Utah, der sich wiederholt negativ zu Trump geäußert hat, wurden derweil als „Verräter“ bezeichnet.

US-Wahl in Georgia: Fans von Donald Trump über Verhalten der Republikaner verärgert

Auch in den sozialen Medien riefen sich Trump-Fans gegenseitig dazu auf, die kommende Stichwahl im Januar zu boykottieren: „Man kann der Stichwahl nicht vertrauen“, heißt es von einem Nutzer der Plattform „Parler“. „Der einzige Weg, eine Botschaft an diese Verräter zu senden, ist die Wahl zu BOYKOTTIEREN. Lasst es SCHMERZHAFT für sie sein“, schrieb ein Weiterer.

Auch an der Legitimität der US-Wahl werden Zweifel geäußert: „Freunde in Georgia: Wenn die Wahlmaschinen alle manipuliert sind, wie kann man dann der Stichwahl vertrauen?“, fragte Journalist Marcus Baram, der die Gruppe infiltrierte. Der Nutzer „CommieKiller“ ist der Meinung, dass die elektronischen Wahlmaschinen mindestens drei Prozent jeder „roten Stimme“ den Demokraten gutschreiben. „Wenn weniger von uns wählen, werden weniger Stimmen zwischen den Kandidaten liegen. Wählt nicht in der Stichwahl.“ Eine weitere Antwort lautete: „In einer unrechtmäßigen Wahl zu wählen, bedeutet, die Kontrolle des Deep State zu akzeptieren. Eure Stimme = die Illusion von Freiheit.“ Ein Sieg der demokratischen Kandidaten Jon Ossoff und Raphael Warnock sei ein „kleiner Preis“, den man zahlen müsse, schrieb ein Nutzer. „Bleibt zu Hause.“

Georgia: Fans von Donald Trump zweifeln an Legitimität der US-Wahl

Auch die „Los Angeles Times“ berichtet über Unterstützer:innen des Noch-Präsidenten, die allmählich die Hoffnung in die amerikanische Demokratie verlieren. „Trump hat Georgia gewonnen“, wird eine ältere Frau zitiert. „Wie ernst soll ich die Wahl im Januar nehmen, wenn uns unsere Stimmen einfach weggenommen wurden? [...] Jede Person, mit der ich rede, sagt: ‚Wieso sollten wir wählen gehen?‘ Sie haben uns die größte Wahl in diesem Jahr gestohlen. Warum die Mühe?“ Der ehemalige Abgeordnete im Repräsentantenhaus von Georgia, Buzz Brockway, befürchtet, dass sich die Drohungen bewahrheiten könnten. „Vielleicht sind sie momentan einfach emotional“, sagte er der „LA Times“ und soll dabei nervös gelacht haben. Wenn dieses Denken jedoch haften bleibt, „haben die Republikaner ein echtes Problem“.

In Georgia tritt am 5. Januar Senator David Perdue (Republikaner) gegen den jungen Jon Ossoff (Demokrat) an. Senatorin Kelly Loeffler (R) wird von Raphael Warnock (D) herausgefordert. Mindestens einen Sitz müssen die Republikaner halten, damit sie auch die nächsten zwei Jahre im Senat in der Mehrheit sind. (Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © Megan Varner/AFP

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