US-Wahl

Großes Datenleak deckt auf: Donald Trump hatte versucht, Schwarze von der Wahlurne fernzuhalten

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Eine Daten-Analyse der Kampagne von Donald Trump 2016 legt die Vermutung nahe, dass man vor allem Afroamerikaner davon abhalten wollte, wählen zu gehen.

  • Das Wahlkampfteam von Donald Trump wollte Afroamerikaner bei der US-Wahl 2016 möglichst vom Wählen „abschrecken“.
  • Die Kampagne von Trump hatte einen Einfluss auf die Wahlbeteiligung von Schwarzen.
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Seit Januar 2017 ist Donald Trump amtierender Präsident der USA. Im Rennen um das Weiße Haus triumphierte er überraschend über die demokratische Kandidatin Hillary Clinton. Dabei soll Trump allerdings versucht haben, Millionen Schwarze vom Wählen abzuhalten. Das zeigt eine Recherche des britischen Nachrichtensenders „Channel 4“. Die Trump-Kampagne wollte, dass sie am entscheidenden Tag zu Hause bleiben.

US-Wahl: Donald Trump wollte vor allem Schwarze vom Wählen abhalten

Offenbar durch ein Leck konnte Channel 4 eine enorme Sammlung an Daten erhalten, die der Kampagne von Donald Trump für die US-Wahl 2016 Informationen über 200 Millionen Wähler lieferte. Aus mehr als 5.000 Dateien mit einer Größe von fast fünf Terabyte soll es sich um einen der größten Datenleaks aller Zeiten handeln.

Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Middletown, Pennsylvania.

In 16 Bundesstaaten, die man als sogenannte „Schlachtfeldstaaten“ identifizierte, wurden die Wähler in eine von acht Kategorien - „Zielgruppen“ genannt - eingeteilt. Je nach Zielgruppe schaltete man optimierte Werbeanzeigen auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken. Die Daten sollen zeigen, dass 3,5 Millionen Afroamerikaner unter die Kategorie „Abschreckung“ („deterrence“) fielen - sie sollten am 8. November 2016 nicht wählen.

US-Wahl: Donald Trump besiegte 2016 Hillary Clinton - niedrige Wahlbeteiligung bei Afroamerikanern

Die Analyse von Channel 4 habe ergeben, dass diese Kategorisierung von Afroamerikanern „unverhältnismäßig“ gewesen sei. Im Bundesstaat Georgia, beispielsweise, sind 32 Prozent der Bevölkerung schwarz, sie machen jedoch 61 Prozent der Zielgruppe „Abschreckung“ aus. In North Carolina sind 22 Prozent Afroamerikaner, 46 Prozent Teil der Kategorie. Insgesamt machten Afroamerikaner, Latinos, Asiaten und „Andere“ 54 Prozent der Kategorie „Abschreckung“ aus. Im Gegensatz dazu: Wähler, die die Kampagne von Donald Trump unbedingt erreichen wollte, waren mit einer überwältigenden Mehrheit weiß.

Bei der US-Wahl 2016 ist die Wahlbeteiligung der schwarzen Bevölkerung erstmals seit 20 Jahren gesunken. In den „Schlachtfeldstaaten“ wie Michigan und Wisconsin gewann Donald Trump jeweils mit einer hauchdünnen Mehrheit, was ihm letztendlich zum Einzug ins Weiße Haus verhalf, obwohl er bundesweit insgesamt weniger Stimmen als Hillary Clinton errang.

US-Wahl: Kampapgne von Donald Trump hatte Informationen über 200 Millionen Wähler

Mehr als 44 Millionen Dollar sollen allein die Werbungen für die US-Wahl 2016 über Facebook gekostet haben. Dabei wurden sechs Millionen verschiedene Versionen von besonders gezielten Nachrichten auf den Feeds der Zielgruppen veröffentlicht. Ein Mitarbeiter des sozialen Netzwerks soll geholfen haben, damit die Botschaften der Trump-Kampagne auch ankommen. Mit dem Ende der Finanzierung dieser Werbungen verschwanden sie allerdings wieder von der Plattform. Deshalb gibt es heute kein öffentliches Verzeichnis der Anzeigen. Facebook bot diese Funktion damals nicht an.

Am digitalen Wahlkampfteam von Donald Trump war auch „Cambridge Analytica“ beteiligt, das 2018 aufgrund von unrechtmäßiger Datenbeschaffung für Negativ-Schlagzeilen sorgte. Nach Bekanntwerden löste sich das britische Datenanalyse-Unternehmen schließlich auf. Zwei damalige Mitarbeiter sind auch bei der diesjährigen Kampagne von „Team Trump“ mit dabei.

US-Wahl: Kampagne von Donald Trump soll Wähler „unterdrückt“ haben

Das Wahlkampf-Team von Donald Trump behauptet, dass man Afroamerikaner bei der US-Wahl 2016 überhaupt nicht mit Werbungen adressiert hatte. Doch die Analyse der Daten durch Channel 4 ergab, dass Anzeigen geschaltet wurden, die Hillary Clinton attackierten und Wahlbeteiligung für die Demokratische Kandidatin „zerschlagen“ sollten. Darunter ein Video, in dem Clinton junge Schwarze abfällig bezeichnet.

Jamal Watkins von der „Nationalen Organisation für die Förderung farbiger Menschen“ (NAACP) bezeichnete das Vorgehen als moderne Unterdrückungs-Kampagne. „Das schockierende ist, dass es die Kategorie der Unterdrückung gibt, diesen ‚Abschreckungs‘-Teil.“ Man solle Daten nicht dazu benutzen, um Leute abzuhalten, sondern um teilzunehmen, so Watkins. Er glaube zudem, dass Facebook seine genaue Rolle in der Affäre verschweigt. Die Plattform selber behauptet, dass man die Integrität bei einer Wahl heute sicherstelle und Wählerunterdrückung so nicht mehr passieren könne. Weder das Weiße Haus, noch das Nationalkomitee der Republikanischen Partei wollten sich zu den Ergebnissen der Analyse äußern.

Rubriklistenbild: © BRENDAN SMIALOWSKI

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