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Nach Amoklauf an US-Schule: Trump und Cruz trotzen den Protesten

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Von: Karolin Schäfer

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Nach dem Amoklauf in Texas werden schärfere Waffengesetze in den USA gefordert. Der ehemalige Präsident Donald Trump macht deutlich, wie unverhandelbar das sei.

Houston – Ein Amoklauf erschütterte erneut die USA. Ein 18-Jähriger erschoss am 24. Mai im Bundesstaat Texas 21 Menschen an einer Grundschule, 19 Kinder befanden sich unter den Opfern. Viele fordern deshalb nun schärfere Waffengesetze.

Trotz des Amoklaufs an der US-Schule hielt die Waffenlobby National Rifle Association (NRA) an ihrer jährlichen Jahresversammlung am Freitag (27. Mai) fest. Und das, obwohl Forderungen laut wurden, die Tagung aus Respekt vor den Opfern in Uvalde zu verschieben.

Amoklauf an US-Schule: Proteste für strengere Waffengesetze

Im Vorfeld verurteilte die Organisation die Tat des Schützen als „schreckliches und böses Verbrechen“. Verschärfte Waffengesetze lehnte sie jedoch ab. Stattdessen schüttelte der ehemalige Präsident und NRA-Mitglied Donald Trump eine scheinbar einfache Lösung aus dem Ärmel: „Die Existenz des Bösen“ sei einer der „allerbesten“ Gründe, um „gesetzestreue Bürger zu bewaffnen“, erklärte er nach Angaben der Washington Post auf der Tagung in Houston (Texas).

Donald Trump, ehemaliger Präsident der USA, spricht auf der Jahrestagung der National Rifle Association im George R. Brown Convention Center in Houston, Texas.
Donald Trump, ehemaliger Präsident der USA, spricht auf der Jahrestagung der National Rifle Association im George R. Brown Convention Center in Houston, Texas. © Michael Wyke/dpa

Vor dem Kongress der NRA versammelten sich am Freitag zahlreiche Demonstrant:innen, die eine stärkere Waffenkontrolle und Aufklärung des Amoklaufs forderten. Dem trotzten die Republikaner, die in ihren Reden neue Waffenbeschränkungen weitgehend ablehnten, allen voran Donald Trump, Senator Ted Cruz und der texanische Gouverneur Greg Abbott.

Sie und andere Redner schlugen mehr Sicherheit an Schulen in Form von bewaffneten Sicherheits- und Lehrkräften sowie psychologische Untersuchungen vor. Gleichzeitig warnten die Republikaner vor den angeblichen Plänen der Demokraten, die „die totale Konfiszierung von Waffen wollen“, sagte Trump in seiner Rede. „Sobald sie den ersten Schritt gemacht haben, werden sie den zweiten Schritt machen, den dritten, den vierten, und dann werden Sie einen ganz anderen Blick auf den zweiten Verfassungszusatz haben“, mahnte der ehemalige US-Präsident.

National Rifle Association (NRA)
VorsitzCarolyn D. Meadows (Präsident), Wayne LaPierre (CEO)
Gründung17. November 1871
Mitglieder5 Millionen Personen, 10.700 Vereinigungen

Nach Amoklauf in Texas: Die Schuldzuweisung der Republikaner

Schuld an der Tragödie in Uvalde sei nicht die Verfügbarkeit von Waffen, sondern etwa abnehmende Kirchenbesuche, Mobbing, schwache Familien, gewalttätige Videospiele, Opioid-Missbrauch, fehlende psychiatrische Versorgung sowie unverschlossene Türen in Schulen.

Neben der Verurteilung des Amokläufers schoben die GOP-Redner die Schuld auch auf die „Eliten“. Diese würden Cruz zufolge „unsere Kultur beherrschen“ und Schusswaffen als „Wurzel des Problems“ identifizieren. Der US-Senator bekräftige, dass es einfacher sei, „seine politischen Gegner zu verleumden und zu verlangen, dass verantwortungsbewusste Bürger ihre verfassungsmäßigen Rechte einbüßen, als die kulturelle Krankheit zu untersuchen, die unsagbare Akte des Bösen hervorbringt.“

Nach Amoklauf in Texas: Trump und Cruz für strengere Vorschriften an Schulen

Um künftig Amokläufe an Schulen zu verhindern, sprachen sich Trump und Cruz für strengere Vorschriften an Schulen aus. Cruz schlug kugelsichere Türen und verschließbare Klassenzimmer vor. Im Idealfall sollten Schulen nur einen einzigen Eingang haben, der von bewaffneten Sicherheitskräften bewacht wird. Trump forderte die Aufhebung von schussfreien Zonen.

„Wie ein altes Sprichwort besagt, ist der einzige Weg, einen bösen Mann mit einer Waffe zu stoppen, ein guter Mann mit einer Waffe“, sagte Trump und berief sich damit auf eine Bemerkung des NRA-Chefs Wayne LaPierre nach dem Amoklauf 2012 in einer Schule in Newtown.

Amoklauf an Schule: Joe Biden fordert strenge Waffengesetze in den USA

US-Präsident Joe Biden hingegen wandte sich nach dem Amoklauf in Texas an die Nation und sprach sich für strengere Waffengesetze aus. „Solche Massenerschießungen passieren anderswo in der Welt selten“, erklärte Biden. „Warum wohl?“ Seit 1988 gab es insgesamt 13 Amokläufe an Schulen in den USA. Dabei starben seitdem 126 Menschen. 

Währenddessen positionierte sich LaPierre zu Bidens Forderungen. „Die Einschränkung des grundlegenden Menschenrechts gesetzestreuer Amerikaner, sich selbst zu verteidigen“ sei keine Lösung, betonte der NRA-Chef. In den vergangenen Jahren hatte sich die Waffenorganisation zunehmend mit der republikanischen Partei verbündet. Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 hatte die NRA stark auf Trump gesetzt. (kas)

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