US-Präsident Donald Trump tut sich momentan schwer mit Baseball. Der Grund: Die Black-lives-matter-Bewegung.
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US-Präsident Donald Trump tut sich momentan schwer mit Baseball. Der Grund: Die Black-lives-matter-Bewegung.

Proteste gegen Rassismus

Donald Trump will Baseball boykottieren, wenn Spieler auf die Knie gehen

  • Tobias Möllers
    vonTobias Möllers
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Der US-Sport positioniert sich gegen Rassismus. Wie in der Profi-Fußballliga MLS gingen auch die Baseballer zum Start in die Saison auf ein Knie. Einem prominenten Fan gefällt das gar nicht: US-Präsident Donald Trump.

  • Die US-Baseball-Liga startet mit zahlreichen Kniefällen gegen Rassismus
  • Einem prominenten Fan gefällt diese Geste gar nicht: US-Präsident Donald Trump
  • Den symbolischen ersten Ball darf ausgerechnet Virologe Anthony Fauci werfen

Washington - In den beiden ersten Partien der um Monate verzögerten und wegen Corona auch noch verkürzten US-Profiliga MLB haben auch die Baseball-Teams in den USA mit Gesten gegen Rassismus protestiert. Am Donnerstag (Ortszeit) gingen die Spieler vor dem Beginn jeweils nahezu geschlossen auf ein Knie und hielten dabei ein langes schwarzes Stoffband.

US-Präsident Donald Trump ist ein großer Kritiker des Knieens während der Hymne und hatte zuletzt angekündigt, Spiele, bei denen dies der Fall ist, nicht mehr anschauen zu wollen. Vor dem ersten Spiel zwischen den Nationals und den Yankees kündigte Trump allerdings an, er werde am 15. August bei einem Heimspiel der Yankees den symbolischen ersten Ball werfen.

Donald Trump über Kniefall: „Viele Menschen wollen das nicht sehen“

Nur Stunden nach der Saisoneröffnung äußerte sich Donald Trump dazu: „Es ist großartig, dass Baseball und andere Sportarten wieder zurück sind. Ich hoffe, dass alle stehen; ich hoffe, dass sie nicht knien werden, wenn die Fahne gehisst wird. Das sehe ich nicht gerne“, sagte Trump bei einem Auftritt in der Sean-Hannity-Show auf Fox News am Donnerstagabend.

„Das würde viele Menschen in unserem Land verletzen. Sie wollen das nicht sehen, weder bei der NFL, noch beim Baseball, noch beim Basketball, noch bei irgendetwas anderem“, fuhr Donald Trump fort. „Es gibt viele Orte, an denen Sie protestieren können. Sie müssen nicht gegen das Hissen unserer Flagge protestieren.“

Donald Trump gegen Knien beim Baseball: Fauci darf den ersten Ball werfen

Diese Ehre war zum Saisonstart dem Corona-Experten Anthony Fauci zuteil geworden: „Dr. Fauci war ein echter Champion für unser Land während der Covid-19-Pandemie und während seiner ganzen ausgezeichneten Karriere, also passt es gut, wenn wir ihn ehren, während wir in die Saison 2020 starten, um unseren Titel in der World Series zu verteidigen“, teilte das Baseballteam auf Twitter mit.

Der 79 Jahre alte Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten machte bei seinem Wurf allerdings keine gute Figur und verfehlte den Fänger um mehrere Meter.

Vor der Niederlage von Titelverteidiger Washington Nationals gegen die New York Yankees standen die Baseball-Profis nach dem Kniefall für die Nationalhymne wieder auf. In Los Angeles beim Duell der Dodgers gegen die San Francisco Giants knieten einige Spieler aus beiden Teams auch während der Hymne in den wegen der Corona-Krise leeren Stadien.

Spieler zeigen Flagge gegen Rassismus mit „Black lives matter“-Aufnähern

Zahlreiche Spieler hatten zudem einen oder zwei Aufnäher auf dem Ärmel. Auf einem stand „Black lives Matter“ (Schwarze Leben zählen), auf dem anderen „United for Change“ (Vereint für den Wandel). Auf dem Rücken der Wurfhügel war in den Stadien ein abgewandeltes und in schwarz gehaltenes Logo der Liga zu sehen mit der Abkürzung BLM anstelle des üblichen MLB.

Football-Profi Colin Kaepernick hatte 2016 mit dem Kniefall während der Hymne gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Afroamerikaner protestiert. Seit dem Tod von George Floyd durch einen weißen Polizisten gibt es landesweit Proteste gegen Rassismus. Zahlreiche Sportler und ihre Ligen haben sich klar positioniert.

US-Sport gegen Rassismus: Teams erwägen Umbenennung – Trump dagegen

Neben dem Kniefall gibt es im US-Sport aber auch weitergehende Überlegungen, sich gegen Rassismus zu positionieren: Nachdem das Football-Team aus Washington sich vergangene Woche von ihrem Namen Redskins getrennt hat, denken nun auch die Cleveland Indians aus der Major League Baseball (MLB) über eine Namensänderung nach. Die Spieler haben sich am Dienstag (Ortszeit) mit Eigentümer Paul Dolan zu einer Diskussion über den Namen getroffen, wie das Team mitteilte.

Der US-Präsident kritisierte auch diese Gedankenspiele: Bei Twitter schrieb Donald Trump dazu, man benenne Teams aus einer Stärke heraus und nicht einer Schwäche. Nun sehe es so aus, als würden die Washington Redskins und die Cleveland Indians ihre Namen ändern, um sich politisch korrekt zu verhalten.

So lange ihm die Profis den Spaß am Sport verleiden, bleibt Donald Trump wahrscheinlich nichts anderes, als sich mit dem Nachwuchs ein paar Bälle zuzuwerfen.

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