US-Wahl 2020

Die Trump-Partei: Wie der US-Präsident die Republikaner unterworfen hat

  • Anna-Katharina Ahnefeld
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Für US-Präsident Donald Trump hat die Republikanische Partei wenig Bedeutung. Alleine er und sein Wahlsieg zählen. Wann auch immer er abtritt – ohne ihn muss sich die Partei neu erfinden. 

Washington - Donald Trumps Wahlkampf ist eine One-Man-Show. Die Republikanische Partei selbst tritt hinter den grellen Auftritten des US-Präsidenten zurück. Dieser lässt sich für seine „Wiederauferstehung“ nach einer Corona-Infektion von seinen Fans feiern. Solche Bilder verschleiern, dass bekannte Gesichter der „Grand Old Party“ (GOP) seinen Inszenierungen und seiner Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten fern blieben. Kein George W. Bush, keine Romneys, kein altes Establishment, das die Partei bis 2016 getragen hatte. Umgeben ist Donald Trump von seiner Familie, seinen Begünstigten und loyalen Anhängern.

Donald Trump hat die Republikaner voll im Griff.

Würde die Republikanische Partei in den Spiegel schauen, sähe sie das Gesicht Donald Trumps. Der US-Präsident hat die Republikaner vereinnahmt und in ein wild kreiselndes Karussell gesetzt. Und die Frage aufgeworfen, wofür die Republikaner überhaupt noch stehen. Doch nach jahrelangem Wegducken regt sich Widerstand.

Trump und die Republikanische Partei: Vor der Präsidentschaftswahl 2016

Auch wenn es heute kaum vorstellbar ist: Die Republikanische Partei war 2016 vom schillernden Unternehmer Donald Trump als Präsidentschaftskandidat nicht begeistert. Der Nachrichtenagentur Associated Press zufolge hatten viele Republikaner ihre Zweifel – doch sie sahen auch den starken Willen des Politik-Neulings, Washington und damit das politische Establishment aufzurütteln. Und sie sahen die Möglichkeit, Hillary Clinton zu stoppen. Als sie lernten ihn ernst zu nehmen, war er schon nicht mehr aufzuhalten. Donald Trump, das war 2016 ein Außenseiter. Ein Kandidat, der es schaffte, sich die Entfremdung zwischen Parteispitze und Basis zunutze zu machen.

Beinahe mit einem Seufzer der Erleichterung hätten manche Parteimitglieder Donald Trumps Präsidentschaft empfangen, schreibt Stuart Steven in der „New York Times“. Nun habe man nicht mehr vorgaukeln müssen, sich für soziale Belange zu interessieren.

US-Präsident Donald Trump lässt sich in Florida von seinen Anhängern feiern

US-Präsidentschaft: „Es gibt keine Republikanische Partei. Es gibt eine Trump-Partei.“

Nach der Präsidentschaftswahl verstummten die Kritiker von Donald Trump innerhalb der Partei, duckten sich weg – oder wendeten sich von den Republikanern ab. Ein Großteil der Mitglieder würde jedoch den Machterhalt über alles andere stellen, schreibt der ehemalige PR-Berater der Republikanischen Partei, Stuart Steven. In seinem kürzlich erschienen Buch „It was all a lie“ („Es war alles eine Lüge“) diagnostiziert Steven den US-Präsidenten als Symptom und nicht als Ursache für den Niedergang der Republikaner.

NameStuart Steven
Geburtstag und Geburtsort1953/1954, Jackson, Mississippi
BerufReiseschriftsteller, Politik-Berater
ParteiRepublikanische Partei
EngagementLincoln-Project

Besonders das Impeachment-Verfahren um Amtsmissbrauch und Behinderung des Kongresses zeigte, wie sehr sich die Republikaner Donald Trump während seiner Präsidentschaft unterworfen haben. Der Senator aus Utah, Mitt Romney, war der Einzige, der für eine Verurteilung Donald Trumps stimmte. Die Mehrheit sprach ihn in allen Punkten frei. John Boehner, der ehemalige republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus äußerte sich 2019 folgendermaßen: „Es gibt keine Republikanische Partei. Es gibt eine Trump-Partei.“

US-Wahl 2020: „Lincoln-Projekt“, Corona-Pandemie und „Proud Boys“

Doch nicht alle wollen Donald Trump weiterhin hofieren. Erst kürzlich sorgte seine Weigerung beim TV-Duell mit dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden, die rechtsextreme Gruppierung „Proud Boys“ zu verurteilen, für Unmut in den eigenen Reihen. Ganz zu schweigen von seiner verheerenden Corona-Politik. Und das „Lincoln Project“, ein Anti-Trump-Zusammenschluss von Mitgliedern der Republikanischen Partei, will die Wiederwahl Donald Trumps verhindern.

USA, Johnstown: Unterstützer von US-Präsident Trump jubeln bei seiner Ankunft auf einer Wahlkampfveranstaltung

Dennoch: Donald Trump hat eine starke Parteibasis und die Führungsriege steht loyal zu ihrem Präsidenten – wer es nicht war, wurde in der Regierung ausgetauscht. Norm Ormstein, Republikaner der alten Parteigarde und Intellektueller, schreibt in „The Atlantic“, er würde seine Partei nicht mehr erkennen. Er habe die Entwicklung von einer moderaten konservativen Partei über eine sehr konservative Partei bis hin zu etwas völlig anderem beobachtet. Ihm zufolge hat sich die Partei weg von ihren Grundwerten bewegt, hin zu ihren „dunkelsten Instinkten“.

Selbst wenn Donald Trump am Dienstag, den 3. November Biden unterliegen sollte: Die Jahre seiner Präsidentschaft haben tiefe Spuren hinterlassen. Die Republikaner stehen vor der Aufgabe, sich nach der Ära Donald Trump neu zu erfinden. (Von Katharina Ahnefeld)

Rubriklistenbild: © afp/ALEX EDELMAN

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