US-Präsident Donald Trump läuft an einem Traktor vorbei
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Jeder „Foodbox“ muss ein Brief von US-Präsident Donald Trump beiliegen.

US-Wahl 2020

Donald Trump nutzt Programm für bedürftige Familien aus: Ein signierter Brief in jeder Box Essen

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Ein Programm für bedürftige Familien in den USA sorgt für Ärger. Das Weiße Haus besteht darauf, dass in jeder Lieferung Essen ein Brief von Präsident Donald Trump dabei ist.

Washington D.C. - Die Tafeln in den USA arbeiten derzeit auf Hochtouren, um Millionen von bedürftigen Familien mit Essen zu versorgen. Doch das Programm wird für politische Zwecke ausgenutzt, beklagen die Organisationen. Vor allem eine Person will vom Hilfsprogramm profitieren und sich selber in Szene setzen: US-Präsident Donald Trump.

Donald Trump: Ein signierter Brief in jeder Spende Essen

Das Foodbox-Programm des Landwirtschaftsministeriums wird mit vier Milliarden Dollar unterstützt und hat bereits 100 Millionen Boxen mit Essen verteilt, das normalerweise für Restaurants und Geschäfte bestimmt war. Doch aufgrund einer Entscheidung des Weißen Hauses herrscht Unmut bei den für die Ausgabe zuständigen Tafeln. In jeder Box, die vom Ministerium kommt, muss ein Brief von Donald Trump enthalten sein. Deshalb sollen sich einige Ausgabestellen geweigert haben, die Boxen zu verteilen, berichtet die Nachrichtenseite „Politico“.

Der Brief kommt auf Englisch und Spanisch, mit dem offiziellen Briefkopf des Weißen Hauses und einer großen Signatur von Präsident Donald Trump. Es heißt darin, dass die Sicherung einer guten Ernährung für bedürftige Familien die höchste Priorität des Präsidenten sei. Man werde die hartarbeitenden amerikanischen Familien weiterhin tatkräftig unterstützen. Zudem ruft er dazu auf, Corona-Hygieneregeln einzuhalten.

Briefe von Donald Trump: Hilfsprogramm für bedürftige Familien als Mittel im Wahlkampf ausgenutzt

Donald Trump nutzt damit Steuergelder, um sich in der letzten Etappe des US-Wahlkampfs zu profilieren. Auch auf den Hilfsschecks, den viele Amerikaner in der Corona-Pandemie erhielten, war der Name des Präsidenten zu sehen. Trotz öffentlicher Kritik von Demokraten und Ethikgruppen sieht sich die Regierung keines Fehlverhaltens bewusst. Politik spiele bei dem Foodbox-Programm keine Rolle, teilte das Landwirtschaftsministerium in einer Stellungnahme mit. Es gehe nur darum, Landwirten und bedürftigen Familien in der schwierigen Zeit zu helfen.

Wie „Fox News“ berichtet, soll Ivanka Trump, die Tochter des Präsidenten, die Idee gehabt haben, den Boxen einen Brief beizufügen. Ab Juli wurden immer mehr Briefe mitverschickt. Seit Ende September wurden sie im Ministerium Pflicht, wie sechs Eingeweihte „Politico“ erzählt haben sollen. Die Demokraten haben Landwirtschaftsminister Sonny Perdue aufgefordert, das Unterfangen schnellstens einzustellen und auf den „Hatch Act“ hingewiesen, der es Beamten untersagt, sich politisch zu betätigen.

Briefe von Donald Trump: Tafeln fürchten politischen Missbrauch ihres Bemühens

Die Tafeln fürchten, dass ihr Tun für Bedürftige als politisches Mittel von Donald Trump missbraucht wird. „Es geht darum, hungrigen Leuten zu helfen. Das ist eine der schlimmsten Dinge, die ich seit langem gesehen habe“, sagte die Demokratische Kongressabgeordnete Marcia Fudge. Sie ist außerdem Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft und beaufsichtigt den Ernährungsbereich. Lisa Hamler-Fugitt, Geschäftsführerin des Tafelverbands im Bundesstaat Ohio, behauptet: „In den 30 Jahren, in denen ich diese Arbeit schon mache, habe ich noch nie so etwas ungeheuerliches gesehen“.

„Sie sollten Essen aushändigen, stattdessen müssen sie mit den Wahlkampf-Anwälten wegen dieser verdammten Briefe reden“, so Eric Kessler, ein Demokrat und Philantropie-Berater. Mehrere Tafeln mussten sich rechtliche Hilfe holen, um sicherzugehen, dass sie keine Wahlgesetze brechen oder ihren Status als gemeinnützigen Verein verlieren. Kessler bezeichnet die Briefe als einen dreisten Versuch, die Stimmen der Bedürftigsten zu kaufen. Auf Nachfrage von „Politico“ erklärte ein Rechtsexperte, dass der Brief nicht illegal sei, da er die anstehende US-Wahl nicht explizit erwähnt. Viele Tafeln sind trotzdem damit beschäftigt, die Mitteilung von Donald Trump aus den Boxen des Ministeriums zu entfernen.

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