1. Startseite
  2. Politik

„Er ist völlig verrückt geworden“: Donald Trump wegen QAnon-Auftritt unter Feuer

Erstellt:

Von: Tim Vincent Dicke

Kommentare

Donald Trump spricht bei einem Auftritt in Ohio.
Auftritt in Ohio: Donald Trump buhlt um QAnon-Fans, diese erwidern seine Rede mit einem bekannten Gruß. © Jeff Swensen/AFP

Donald Trump umwirbt offensiv die Fans des rechten Verschwörungskults QAnon. Nach einer bizarren Rede steht der frühere US-Präsident unter Beschuss.

Washington D.C. – Der frühere US-Präsident Donald Trump ist für seine ideologische Nähe zu Verschwörungsmythen bekannt. In der Vergangenheit fiel er wiederkehrend mit Aussagen und Symbolen auf, die im rechten politischen Lager beliebte Narrative sind. Nach einer Kundgebung im US-Bundesstaat Ohio steht der Republikaner nun besonders in der Kritik.

Trump war am Samstag (17.09.2022) in der Stadt Youngstown aufgetreten, um den republikanischen Senatskandidaten J. D. Vance zu unterstützen. Ursprünglich war der 38-Jährige ein scharfer Kritiker von Donald Trump, wandelte sich jedoch zu einem treuen Gefährten in den USA.

Donald Trump mit erneutem QAnon-Flirt

Der frühere Präsident hielt eine dunkle Rede über den angeblichen Niedergang der USA, während im Hintergrund ein pikantes Lied spielte. Sofort fiel Journalist:innen eine Ähnlichkeit zum „Wwg1wga“-Lied auf, eine Abkürzung für „Where we go one, we go all“ (Zu Deutsch: „Dort, wohin einer geht, dorthin gehen alle“) – der Spruch des rechtsextremen Verschwörungskults QAnon.

Zuvor war Donald Trump bereits mit QAnon-Flirts aufgefallen. So verbreitete er auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social ein bearbeitetes Bild, das ihn mit einem Q-Anstecker auf dem Sakko zeigt. Darüber der Slogan: „The storm is coming“ („Ein Sturm zieht auf“). In der Weltsicht der QAnon-Anhänger:innen ist der „Sturm“ der Moment, in dem Trump die Macht zurückerobern wird – ob demokratisch oder nicht, ist nebensächlich. Die radikalsten Vorstellungen gehen so weit, dass er seine politischen Feinde verhaftet oder gar öffentlichkeitswirksam hinrichtet.

„Die Woche, in der Trump zu QAnon wurde“

In Bezug auf die Ohio-Rede schrieb die CNN-Analystin Juliette Kayyem auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Dies ist die Woche, in der Trump zu QAnon wurde. Das ist keine politische Aussage – es ist einfach so, wie verstörend auch immer. Die Woche begann mit Bildern von Trump auf Truth Social, wo er einen Q-Anstecker trug und für ihre Slogans warb; sie endet mit Q-Musik und dem Q-„One“-Zeichen der Menge bei seiner Kundgebung.“ Hintergrund: Bei der Veranstaltung hatten zahlreiche Trump-Fans ihren Arm gehoben und den Zeigefinger nach oben gestreckt.

„Trump ist eine Gefahr für die nationale Sicherheit. Er radikalisiert QAnon-Personen weiter und stellt andere bei diesen Kundgebungen bloß“, twitterte die Historikerin und MSNBC-Kolumnistin Ruth Ben-Ghiat. Der Republikaner würde Schlägertrupps vorbereiten, „die bereit sind, seinen Willen zu erfüllen, wenn er sie braucht“, schrieb Ben-Ghiat. Autor Kurt Eichenwald merkte an: „Er ist völlig verrückt geworden.“

Warum benutzt der US-Präsident die Codes?

Anthropologie-Professorin Janet McIntosh geht davon aus, dass Donald Trump die Codes verwendet, um QAnon-Unterstützer:innen direkt anzusprechen und mitzuteilen, dass er ihre Mission teilt. „‚The storm is coming‘ ist eine Abkürzung für etwas wirklich Düsteres, das er nicht laut ausspricht“, sagte die Expertin der US-Nachrichtenagentur AP. „Es ist für ihn eine Möglichkeit, auf Gewalt hinzuweisen, ohne ausdrücklich dazu aufzurufen. Er ist der Fürst der glaubhaften Bestreitbarkeit“, fügte McIntosh hinzu. (tvd)

Auch interessant

Kommentare