Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nach US-Wahl 2020

Donald Trump zettelt Kleinkrieg gegen Gouverneur von Georgia an

  • vonSebastian Richter
    schließen
  • Lukas Rogalla
    Lukas Rogalla
    schließen

Der US-Präsident hat einen innerparteilichen Kleinkrieg gegen Brian Kemp begonnen. Seit Wochen beschimpft er diesen – das hat Konsequenzen.

  • Nach der Wahlniederlage in Georgia macht Donald Trump vor allem Gouverneur Brian Kemp verantwortlich.
  • Die Fehde zeigt auch eine Spaltung in der Republikanischen Partei. Nun erhält Kemps Familie Todesdrohungen von Anhänger:innen Donald Trumps.
  • Trump News: Hier finden Sie alle Neuigkeiten zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten im Überblick.

Update vom Sonntag, 20.12.2020, 18:15 Uhr: Er kann einfach nicht aufhören. Nach dem Streit zwischen Noch-Präsident Donald Trump und Georgias Gouverneur Brian Kemp legt Trump erneut über Twitter nach. Inzwischen spricht er dem Gouverneur und dem Staatsekretär Brad Raffensperger indirekt die Mitgliedschaft bei der Republikanischen Partei ab. Und das völlig ohne Grund.

Donald Trump verlor in Georgia. Er und seine Fans suchen die Schuld dafür bei Gouverneur Brian Kemp.

Eigentlich kündigte Trump in seinem neuesten Tweet eine Wahlkampfveranstaltung für die beiden Senatoren Loeffler und Perdue an, die bei der kommenden Senatswahl in Georgia kandidieren. Einen kleinen Seitenhieb auf Gouverneur Kemp und Staatssekretär Raffensperger kann er sich aber nicht verkneifen, laut Trump werden die Republikaner in Georgia von den beiden „schlecht behandelt“. Ihre Parteimitgliedschaft setzt er dabei ironisch in Anführungszeichen. Erst vor wenigen Tagen retweetete Trump, dass die beiden Republikaner bald „ins Gefängnis gehen“ würden.

Donald Trump greift Brian Kemp an – Der Gouverneur von Georgia zeigt sich unbeeindruckt

Wie geht Gouverneur Kemp mit der Situation um? Unbeeindruckt von Trumps wiederholter Tiraden und Angriffen auf Twitter unterstützt er selbst die beiden republikanischen Kandidaten. Er ruft Republikaner zur Wahl auf, versucht die konservative Wählerschaft zu einen, auch wenn sein Präsident sich darum bemüht, die Partei zu spalten. Einige Republikaner haben angekündigt, nicht wählen gehen zu wollen, da sie dem Wahlsystem nach der „gestohlenen Präsidentschaftswahl“ nicht mehr vertrauten. Trump macht für seine Verschwörungstheorie des „election fraud“ unter anderem den höchsten Mann im Staate Georgia verantwortlich – Nur, weil dieser nach der Neuauszählung der Stimmen das Ergebnis und Joe Bidens Wahl zum US-Präsidenten bestätigte.

Update vom Samstag, 19.12.2020, 8.00 Uhr: Der Druck auf den Gouverneur von Georgia, Brian Kemp, steigt wenige Wochen vor den Stichwahlen in Georgia merklich an. Anhänger:innen des Noch-Präsidenten und Donald Trump selbst attackieren den Republikaner seit Wochen verbal auf Twitter, weil er den Sieg von Joe Biden in Georgia anerkannt hat. Nun nehmen die Attacken auf Brian Kemp noch eine andere Dimension an: Nach einem Bericht der Tageszeitung The Atlantic Journal Constitution ist nun auch Kemps 19-jährige Tochter Lucy Kemp Zielscheibe des Hasses und bekommt Todesdrohungen von Anhänger:innen Donald Trumps.

Donald Trump beschimpft Gouverneur aus Georgia - Tochter erhält Todesdrohungen von Anhänger:innen

Laut den Aussagen von Kemp erhielt die 19-Jährige schockierende Textnachrichten mit absurden Verschwörungstheorien. „Die Social-Media-Nachrichten, die meine Kinder bekommen, sind irrsinnig - von Todesdrohungen, bis zu Anschuldigungen der Annahme von Bestechungsgeldern aus China“, erklärte der Republikaner aus Georgia.

Georgia: Trump-Fans bedrohen Familie von republikanischen Gouverneur Brian Kemp

„Wenn jemand ein Problem mit etwas hat, was ich getan habe, sollten sie zu mir kommen und mit mir darüber reden. Sie müssen aber nicht meine Frau, meine Kinder oder irgendjemand anderen belästigen“, sagte Kemp außerdem über die Attacken von den Fans Donald Trumps. Die Tochter von Brian Kemp macht sehr wahrscheinlich ohnehin gerade eine schwere Zeit durch: Ihr langjähriger Freund Harrison Deal ist im letzten Monat bei einem Autounfall verstorben. Deshalb hatte der Gouverneur aus Georgia auch einen Tweet mit einem Statement der Familie auf Twitter veröffentlicht.

Erstmeldung vom Dienstag, 15.12.2020, 10.00 Uhr: Atlanta – Eigentlich als Hochburg der Republikaner bekannt, wandelte sich Georgia bei der US-Wahl 2020 zum Swing State – und als einer von mehreren, die Donald Trump zum Verhängnis wurden. Seit 1992 (Bill Clinton) hatte dort kein Demokrat mehr gewinnen können. Für die Niederlage, die durch einen Rückstand von 11.779 Stimmen entschieden wurde, sieht Trump vor allem einen Schuldigen: Gouverneur Brian Kemp. Zwischen den beiden Republikanern entwickelte sich eine wahre Feindschaft.

US-Präsident Donald Trump verliert in Georgia: Schuld soll Gouverneur Brian Kemp sein

Seit Januar 2019 ist Brian Kemp Gouverneur von Georgia. Als Mitglied der „Grand Old Party“ ist er in einer Partei, die Donald Trump überwiegend unterstützt. Wochen nach der US-Wahl wird Kemp von den Fans des Noch-Präsidenten zum „Feind des Volkes“ erklärt, weil er den Sieg von Joe Biden in seinem Bundesstaat anerkannt und validiert hatte.

Allerdings soll die Beziehung zwischen beiden schon länger angeschlagen sein, wie die „Washington Post“ berichtet. Im Jahr 2018 gab Donald Trump seine Unterstützung für Brian Kemp in der Gouverneurswahl bekannt, fühlte sich dafür jedoch nicht genug wertgeschätzt. Ende 2019 flog Brian Kemp nach Washington, um Trump Kelly Loeffler vorzustellen, mit der er den damals vakanten Senatsposten besetzen wollte. „Wenn du deine Entscheidung getroffen hast, dann bin ich mir nicht sicher, wieso du hier bist“, soll der US-Präsident gemurrt und Kemp später als „grob“ und „unhöflich“ bezeichnet haben. Was als leichte Kränkung begann, hat mittlerweile gefährliche Ausmaße angenommen.

Donald Trump unterliegt in Georgia: Gouverneur Brian Kemp als Feind erklärt

Donald Trump hetzt seine Fans auf Twitter weiter gegen Brian Kemp auf, bezeichnet ihn als „Trottel“ oder „Clown“. Denn der Gouverneur von Georgia wollte sich den Forderungen des Präsidenten nicht beugen, den Ausgang der US-Wahl gerichtlich anzufechten und Staatssekretär Brad Raffensperger dazu zu bewegen, den Sieg von Joe Biden zu kippen. Anders als viele andere Republikaner sieht Kemp keine rechtliche Grundlage für das Vorgehen. Dass der Staat überhaupt verloren ging, sei vor allem die Schuld des Gouverneurs gewesen.

US-Präsident Donald Trump hat den Gouverneur zu seinem Feind erklärt. (Archivfoto)

„Die Republikaner sind in eine Falle getappt, weil sie erwartet hatten, dass Brad Raffensperger und Brian Kemp für sie betrügen würden“, so Jordan Fuchs, eine langjährige Strategin der Partei in Georgia und Vize-Staatssekretärin. Die Beziehung zwischen Kemp und Donald Trump ist symptomatisch für eine zunehmend gespaltene Republikanische Partei geworden. Wie Eingeweihte beider Personen der „Washington Post“ berichteten, soll Trump den Gouverneur seit der US-Wahl in mehreren Anrufen beschimpft haben, dass er an Popularität verliere und ohne den Präsidenten ein Niemand sei.

Das Verhältnis zwischen Donald Trump und Brian Kemp wird sich auch deutlich auf die Stichwahlen für den Senat am 5. Januar 2021 auswirken. Die beiden republikanischen Kandidat:innen, Kelly Loeffler und David Perdue, soll Trump dazu aufgerufen haben, öffentlich über den Gouverneur herzuziehen und Druck auf ihn auszuüben.

Donald Trump hetzt auf Twitter gegen Gouverneur Brian Kemp

Gesandte von Donald Trump sollen Brian Kemp zudem gewarnt haben, dass die verbalen Attacken des US-Präsidenten weitergehen werden. „Wir haben Georgia deutlich gewonnen“, sagte Trump fälschlicherweise im Dezember bei „Fox and Friends“. „Wir haben hier einen Gouverneur, einen republikanischen Gouverneur, der schlimmer als ein Demokrat ist. Er ist schrecklich. Und er schädigt Kelly und David sehr, die Senatoren, die großartige Leute sind.“

Brian Kemp soll seinen Vertrauten hingegen erzählt haben, dass er nicht auf die Attacken von Donald Trump eingehen wird. Zwar wünsche er, dass der US-Präsident damit aufhört, allerdings hält er die meisten Forderungen an ihn für illegal und beschäftigt sich nicht weiter mit ihnen. Kemps Sprecher Cody Hall verteidigte ihn: „Keiner hat härter für eine Wiederwahl von Donald Trump in Georgia gearbeitet als Brian Kemp. [...] Es gibt keine Rechtsgrundlage im Staatsgesetz, dass der Gouverneur das Ergebnis kippen, sich in die Wahl einmischen oder sich über die Autorität unseres gewählten Staatssekretärs hinwegsetzen kann.“

Donald Trump fordert Brian Kemp auf, das Wahlergebnis zu kippen – Gouverneur von Georgia weigert sich

Vor dem Auftritt von Donald Trump in Valdosta (Georgia), am 5. Dezember, rief der Präsident Brian Kemp erneut an. Der Gouverneur hatte mit einem Todesfall im engen Kreis zu kämpfen, als ein Familienfreund und Gehilfe der Senatorin Kelly Loeffler bei einem Autounfall starb. „Es waren schwere 24 Stunden“, soll Kemp gesagt haben. Trump nahm zunächst an, dass seine schlechte Stimmung am sinkenden Umfragewert des Gouverneurs gelegen habe. Der US-Präsident sprach sein Beileid aus, forderte Kemp dennoch dazu auf, Druck auf Abgeordnete in Georgia auszuüben und das Gesetz so zu ändern, dass es möglich wäre, das Ergebnis noch zu kippen.

Brian Kemp, Gouverneur des US-Bundesstaates Georgia. (Archivfoto)

Das Gespräch sei, wie die Quellen berichten, sehr angespannt gewesen. Drohungen von Donald Trump hätten die Feindseligkeit zwischen ihnen untermauert. Kemp weigerte sich allerdings, und sagte entschieden „nein“, was für den Gouverneur sehr unüblich sein soll. Die Forderungen von Trump seien „widerlich genug“ gewesen, dass Kemp sie deutlich ablehnte, so ein Stratege der Republikaner. Beim Auftritt in Valdosta war auch ein Kongressabgeordneter aus Georgia, Doug Collins, vor Ort, den er offen im Rennen für die Gouverneurswahl 2022 unterstützte: „Wo ist Doug?“, fragte der US-Präsident das Publikum. „Danke, Doug. Was für einen Job er leistet. Du willst in zwei Jahren Gouverneur werden? Ja, gutaussehender Gouverneur.“

Donald Trump: Feindselige Beziehung zu Georgias Gouverneur Brian Kemp

Die Hetze von Donald Trump ging so weit, dass eine Website mit persönlichen Informationen der „Feinde des Volkes“ online ging, auf der auch Bilder von Trump-kritischen Politiker:innen unter einem Fadenkreuz abgebildet werden. Ein Pastor und bekannter Unterstützer des US-Präsidenten forderte auf Twitter, dass Trump „Kemps Tür eintreten“ und „ihn ein bisschen herumklatschen“ solle. „Ich werde ihn begleiten, damit die Botschaft bei Brian Kemp ankommt.“ (Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © Patrick Semansky/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare