Erneut Vorwürfe gegen US-Präsident Trump

Donald Trump: US-Präsident soll Ex-Model sexuell missbraucht haben

  • vonMirko Schmid
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Donald Trump sieht sich erneut Belästigungsvorwürfen augesetzt. Ex-Model Amy Dorris beschuldigt den US-Präsidenten, ihr gegenüber sexuell übergriffig geworden zu sein.

  • US-Präsident Donald Trump soll das damalige Model Amy Dorris 1997 sexuell belästigt haben.
  • Die Vorfälle ereigneten sich am Rande der US Open. Dorris war Gast in Trumps Loge.
  • Die Anzahl der Frauen, die Trump Belästigung vorwerfen, steigt damit auf 66.

USA - Wieder einmal steht US-Präsident Donald Trump im Fokus von herben Belästigungsvorwürfen. Das ehemalige Model Amy Dorris beschuldigt Trump, sie am Rande der US-Open 1997 sexuell belästigt zu haben. Sie habe sich im Zuge der Übergriffe des aktuellen US-Präsidenten „krank“ und von Trump verletzt gefühlt, sagte Dorris dem „Guardian“ in einem Exklusivgespräch.

US-Präsident Donald Trump soll Ex-Model Amy Dorris sexuell belästigt haben

Amy Dorris über Donald Trump: „Seine Hände waren überall. Auf meinem Hintern, an meinen Brüsten, an meinem Rücken, an allem.“

Donald Trump, so Dorris, habe sie im September 1997 in seiner VIP-Loge vor dem Badezimmer angesprochen. Er habe ihr dann die Zunge „in den Hals gedrückt“, sie am ganzen Körper begrapscht und in einem Griff festgehalten, aus dem die damals 24-jährige Dorris nicht entkommen konnte. „Er hat mir zunächst nur seine Zunge in den Hals geschoben, worauf ich ihn weggestoßen habe. Anschließend wurde sein Griff fester und seine Hände waren überall. Auf meinem Hintern, an meinen Brüsten, an meinem Rücken, an allem“, führt Dorris aus.

„Ich war in seinem Griff und konnte nicht raus. Ich weiß nicht, wie man es nennt, wenn man seine Zunge einfach in die Kehle eines anderen steckt. Aber ich schob seine Zunge mit den Zähnen heraus. Ich habe sie herausgeschoben. Und ich glaube, ich könnte seine Zunge verletzt haben", schildert Ex-Model Dorris den Verlauf der Situation im Detail.

Donald Trump bestreitet die Vorwürfe aufs Schärfste, Amy Dorris legt Beweise vor

Über seine Anwälte lässt Donald Trump aufs Schärfste bestreiten, Dorris jemals belästigt, missbraucht oder sich unangemessen verhalten zu haben. Die in Florida lebende Dorris lieferte dem Guardian hingegen Beweise, die ihren Bericht über ihre Begegnungen mit Trump untermauern sollen. Unter den Dokumenten waren unter anderem ihr Ticket für die US Open und sechs Fotos, die sie mit dem Immobilienmagnaten über mehrere Tage in New York zeigen. Donald Trump war zu diesem Zeitpunkt 51 Jahre alt und mit seiner zweiten Frau Marla Maples verheiratet.

Ihr Bericht wurde inzwischen von mehreren Personen bestätigt, denen sie den Vorfall anvertraute. Dazu gehören eine Freundin in New York und Dorris‘ Mutter, die sie beide unmittelbar nach dem mutmaßlichen Vorfall anrief, sowie eine Therapeutin und Freunde, mit denen sie in den letzten Jahren gesprochen hat. Alle sagten, Dorris habe ihnen Einzelheiten des mutmaßlichen Vorfalls erzählt, die mit dem übereinstimmten, was sie später dem Guardian erzählte.

Amy Dorris schwieg bisher aus Angst über ihre Familie öffentlich über ihre Belästigungs-Vorwürfe gegenüber Trump

Dorris, inzwischen 48 Jahre alt und Mutter von Zwillingstöchtern, sagt, sie habe überlegt, 2016 öffentlich über den Vorfall zu sprechen, als mehrere Frauen mit ähnlichen Anschuldigungen gegen Donald Trump, damaliger republikanischer Präsidentschaftskandidat, an die Öffentlichkeit gegangen waren. Sie entschied sich dagegen, auch weil sie dachte, dass dies ihrer Familie schaden könnte.

„Jetzt hatte ich das Gefühl, dass meine Mädchen, die bald 13 Jahre alt werden, wissen sollen, dass Sie sich von niemandem etwas antun lassen, was Sie nicht wollen“, erklärt Doris, warum sie die Öffentlichkeit jetzt doch gesucht hat. „Ich möchte ihnen ein Vorbild sein. Ich möchte, dass sie sehen, dass ich nicht geschwiegen habe, dass ich mich gegen jemanden gestellt habe, der etwas getan hat, das nicht akzeptabel war.“

Amy Dorris: Trumps Verhalten sei typisch für jemanden, der sich berechtigt fühlt, zu tun, was er will

Dorris führt aus, sie habe im September 1997 mehrere Tage mit Donald Trump verbracht, nachdem sie von ihrem damaligen Freund Jason Binn für ein langes Wochenende nach New York eingeladen worden war. Zu dieser Zeit lebte Dorris mit Freunden in Boca Raton, Florida, und reiste regelmäßig nach Miami, um dort zu modeln und gelegentlich als Schauspielerin zu arbeiten. Binn, Gründer mehrerer Luxusmode- und Lifestyle-Magazine, war ein Freund von Trump und soll den Immobilienunternehmer 1999 als seinen „besten Freund“ bezeichnet haben.

Am Freitag, dem 5. September 1997, schildert Dorris, habe Binn sie in den Trump Tower mitgenommen, um Donald Trump in dessen Büro zu treffen. Trump sei direkt sehr offensiv gewesen. Sie charakterisiert den aktuellen Präsidenten der USA als einen Menschen, der sich rücksichtslos nimmt, was er will: „Sein Verhalten schien typisch für einen bestimmten Typ Mann zu sein. Für Leute, die sich einfach berechtigt fühlen, das zu tun, was sie wollen. Und das obwohl ich mit meinem Freund dort war.“

Dorris: „Wenn jemand nein sagt, bedeutet nein nein. Und das hat für mich einfach nicht geklappt. Es war nicht genug.“

Später gesellten sich weitere Freunde von Donald Trump in dessen privater Loge zu dem Paar. Die Loge sei eine luxuriöse Teppichsuite mit Balkon und Blick auf den Hof gewesen, erinnert sich Dorris. Fotos von diesem Tag zeigen Dorris neben Trump und dessen Freundin Marylou Whitney. Amy Dorris schildert, dass sich der mutmaßliche Angriff ereignet hatte, als sie aufstand, um auf die Toilette zu gehen, die hinter einer Trennwand verborgen war. Dies sei nur wenige Meter von Donald Trumps Gästen entfernt gewesen, welche sich ein Tennisspiel ansahen. „Ich hatte Probleme mit meinen Kontaktlinsen“, So Dorris. „Ich erinnere mich, dass ich dort hineingegangen bin, um eine meiner Linse zu befeuchten.“

Als sie herauskam, habe Trump draußen gewartet. „Anfangs dachte ich, dass er darauf wartet, auf die Toilette zu gehen. Aber das war leider nicht der Fall.“ Sie schildert weiter, Trump habe sich ihr nach einem kurzen Austausch „aufgezwungen“, woraufhin sie bereits nervös gelacht und ihm gesagt hatte: „Nein, geh weg“ und „nein, bitte hör auf“ Aber „es war ihm egal“, so Dorris. „Es ist egal, wer du bist“, bekräftigt das ehemalige Model. „Jedes Mal, wenn jemand nein sagt, bedeutet nein nein. Und das hat für mich einfach nicht geklappt. Es war nicht genug.“

„Ich war irgendwie unter Schock“

„Ich war irgendwie unter Schock“, fügt sie hinzu. „Ich fühlte mich verletzt. Aber ich hatte es zu diesem Zeitpunkt noch nicht sofort verarbeitet und habe einfach versucht, zurückzugehen, mit allen zu reden und eine gute Zeit zu haben. Vielleicht weil ich mich damals gezwungen gefühlt habe, so zu sein.“ Dorris kann sich nicht erinnern, ob sie ihrem damaligen Freund Binn die vollständigen Details des mutmaßlichen Angriffs mitgeteilt hat, aber sie sagt, sie habe ihn gebeten, Trump zu sagen, er solle sie in Ruhe lassen. Sie erinnert sich, dass sie zu Binn gesagt hatte: „Ich kann damit nicht umgehen. Du musst etwas machen.“

Binn selbst war dem Guardian gegenüber nicht bereit, Dorris' Anschludigungen gegenüber Donald Trump zu bestätigen oder zu entkräften. Trumps Anwälte erklären, Binn habe ihnen gesagt, er habe keine Erinnerung daran, dass Dorris ihm erzählt habe, dass mit Trump etwas Unangemessenes passiert sei oder dass sie sich in seiner Umgebung unwohl fühle.

Dorris traf Trump in den folgenden Tagen erneut. Zu weiteren „ernsthaften Angriffen" sei es nicht gekommen

Trump habe sie während ihres Aufenthalts in New York nicht erneut ernsthaft angegriffen, sagt Dorris. Dennoch habe er ihr trotz ihrer deutlichen Ablehnung weiter Avancen gemacht. Am Tag nach dem mutmaßlichen Angriff seien Dorris und Binn bei den US Open zu Trumps Loge zurückgekehrt. Dorris habe beschlossen, ein „konservatives“ Outfit aus Khakis, einem blauen Strickpullover und Slippern zu tragen, um weitere Annäherungsversuche Trumps zu verhindern.

Auf die Frage des Guardian warum sie in den Tagen nach dem mutmaßlichen Angriff weiterhin Zeit mit Binn und Trump verbrachte, antwortet Dorris: „Ich kam aus Florida nach New York und ich war mit Jason zusammen. Ich hatte kein Geld, konnte nirgends hin. Wir gingen von Event zu Event und es war überwältigend.“ Sie habe erst später vollständig verarbeitet, was passiert sei, fügt sie hinzu. „Menschen verbringen Jahre mit Menschen, die sie missbraucht haben. Das passiert, wenn etwas Traumatisches passiert, du frierst ein.“

Nicht zum ersten Mal wird Trump beschuldigt, sexuell übergriffig geworden zu sein

Karen JohnsonTrump soll ihr 2000 am Rande einer Silvesterparty zwischen die Beine gegriffen haben.
E. Jean CarrollLangjährige Kolumnistin der Elle-Zeitschrift. Trump soll sie Mitte der neunziger Jahre in einer Umkleidekabine eines Kaufhauses vergewaltigt haben.
Alva JohnsonWahlkampfhelferin. Trump soll sie 2016 ohne Zustimmung geküsst haben.
Ninni LaaksonenEhemalige Miss Finnland. Trump soll sie 2006 in New York am Rande des Miss Universe-Wettbewerbs befummelt haben.
Jessica DrakePorno-Schauspielerin und Regisseurin. Trump soll sie ohne Zustimmung geküsst und ihr 10.000 $ für Sex angeboten haben.
Karena VirginiaJoga-Lehrerin. Trump soll sie 1998 am Rande der US Open befummelt haben.
Cathy HellerTrump soll sie gepackt und geküsst haben. Als sie sich weggedreht habe, sei er sauer gewesen.
Summer ZervosTV-Show-Teilnehmerin. Trump soll sie ohne Zustimmung geküsst und begrapscht haben.
Kristin AndersonModel. Trump soll ihr in einem Nachtclub unter den Rock und zwischen die Beine gegriffen haben.
Samantha HolveyTeilnehmerin an Miss-USA-Wahl. Trump soll sie und andere Teilnehmerinnen lüstern von oben bis unten inspiziert haben.
Lisa BoyneThink Tank-Mitarbeiterin. Trump soll sie gefragt haben, mit welche der Frauen am Tisch er Sex haben sollte.
Jessica LeedsTrump soll sie während eines Fluges begrapscht haben und ihr unter den Rock gegriffen haben.
Rachel CrooksEmpfangsdame. Trump soll sie in einem Aufzug angegangen sein und sie gegen ihren Willen geküsst haben.
Mindy McGillivrayFoto-Assistentin. Trump soll sie begrapscht haben.
Natasha StoynoffJournalistin. Trump soll sie an die Wand gedrückt und gegen ihren Willen geküsst haben.
Jennifer MurphyTV-Show-Teilnehmerin. Trump soll sie ohne ihre Zustimmung geküsst haben.
Mariah Billado Misswahl-Teilnehmerin. Trump soll in die Umkleide gekommen sein, als Teilnehmerinnen nackt waren.
Tasha Dixon Misswahl-Teilnehmerin. Trump soll in die Umkleide gekommen sein, als Teilnehmerinnen nackt waren.
Cassandra Searles Misswahl-Teilnehmerin. Trump soll sie begrapscht und ins Hotel eingeladen haben.
„Jane Doe“ Trump soll sie auf einer Party vergewaltigt haben, als sie 13 Jahre alt war.
Bridget SullivanMisswahl-Teilnehmerin. Trump soll in die Umkleide gekommen sein, als Teilnehmerinnen nackt waren.
Temple Taggart McDowellMisswahl-Teilnehmerin. Trump soll sie ohne ihre Zustimmung geküsst haben.
Jill HarthModelagentin. Trump soll sie wiederholt sexuell belästigt und ihr einmal unter den Tisch gegriffen haben.
Ivana TrumpTrumps Ex-Frau. Trump soll sie zum Sex gezwungen haben.
Juliet HuddyTrump soll sie in einem Aufzug ohne ihre Zustimmung geküsst haben.
Amy DorrisModel. Trump soll sie begrapscht und gegen ihren Willen geküsst haben.

Vorwürfe wegen angeblich ungebührlichen Verhaltens Donald Trumps wurden in letzter Zeit immer wieder laut. In dem Buch „All the President‘s Women: Donald Trump and the Making of a Predator“, das 2019 erschienen war, werfen insgesamt 43 Frauen Donald Trump unangemessenes Verhalten vor. Davon belasten 26 den US-Präsidenten mit Vorwürfen der sexuellen Übergriffe. Inklusive Amy Dorris sind es somit 66 Frauen, die Trump diesbezüglich beschuldigen. (Von Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © MANDEL NGAN/afp

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