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Trump nähert sich QAnon immer weiter an: „Es ist wie ein Kult“

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Von: Teresa Toth

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Anhänger der Verschwörungsgruppe QAnon geben sich bei Trump-Reden inzwischen zu erkennen.
Anhänger der Verschwörungsgruppe QAnon geben sich bei Trump-Reden inzwischen zu erkennen. © Chris Seward/dpa

Sowohl QAnon als auch Trump sehen hinter allem eine Verschwörung – das macht sie zu Verbündeten. So nah wie jetzt standen sie sich allerdings noch nie.

Washington – Der frühere Präsident Donald Trump scheint sich den Verschwörungstheoretikern der QAnon-Bewegung immer weiter anzunähern. Wenige Wochen vor den wichtigen Parlamentswahlen Anfang November teilte Trump mit den mehr als vier Millionen Followern in seinem Twitter-Ersatz Truth Social eine Zeichnung, die ein anderer Nutzer gepostet hatte. Sie zeigt Trump mit einem Q-Symbol am Jackett. Auf dem Bild steht außerdem: „WWG1WGA“ – die Abkürzung des QAnon-Mottos „Wo einer von uns hingeht, werden wir gemeinsam hingehen.“

Dass Trump der rechtsextremen Gruppe nahesteht, ist schon lange bekannt. Während seiner Amtszeit habe sein Team QAnon zumindest etwas auf Abstand gehalten – sagte die Wissenschaftlerin und Autorin Mia Bloom, die zu der Gruppe forscht, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Washington. Besonders einprägsam war eine Szene aus dem Wahlkampf im Herbst 2020. Damals fragte eine Journalistin Trump nach QAnon, woraufhin er antwortete: „Ich weiß nicht viel über die Bewegung, außer dass sie mich sehr mögen – was ich zu schätzen weiß.“

Trump und QAnon: Die Fans der Verschwörungsgruppe treten aus dem Schatten

Trump habe es immer so darstellen können, nichts mit QAnon am Hut zu haben – ob überzeugend oder nicht, so Bloom. Das habe sich mittlerweile geändert. Seine QAnon-Fans treten aus dem Schatten. Bei einer Veranstaltung am Samstagabend (1. Oktober) in Warren im US-Bundesstaat Michigan saßen Anhänger der Bewegung in den ersten Reihen direkt vor dem Rednerpult, von dem aus Trump sprach. Bei einer anderen Trump-Rede im US-Bundesstaat Ohio spielten die Veranstalter ein Lied, das einige Menschen in der Menge dazu inspirierte, mit erhobenen Zeigefingern zu reagieren – möglicherweise als Symbol für die «1» im QAnon-Motto.

Und auch Trump selbst bekräftigt offiziell seine Sympathie mit der Gruppe. So teilte der frühere Präsident der USA auf seinem eigenen Account etwa ein Video mit einem riesige „Q“ über seinem Gesicht. Der Text dazu: „Informationskriegsführung. Es ist Zeit, aufzuwachen.“ QAnon, die sich vor rund fünf Jahren im Netz gegründet haben, und Trump haben gemeinsam, dass sie hinter allem, was auf der Welt passiert, eine Clique wittern, die die Fäden in der Hand hält.

Donald Trump und QAnon: Der frühere Präsident fühlt sich womöglich isoliert

Dass Trump ausgerechnet jetzt so offensiv mit den Verschwörungstheoretikern flirtet, hat Bloom zufolge einen Grund. „Ich glaube, dass er sich im Moment ein bisschen isoliert fühlt“, sagt sie mit Blick auf die FBI-Durchsuchung seines Anwesens Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida und die diversen juristischen Probleme, mit denen er aktuell zu kämpfen habe. QAnon-Verfechter seien „die treuesten Anhänger, fanatisch, fast wie eine Sekte“. Von ihnen bekomme er Liebe, Unterstützung und Spendengelder.

„Ich denke, Trump glaubt, dass QAnon wie eine Geheimarmee ist“, so die Wissenschaftlerin. Mit der Verbreitung rechtsextremer Verschwörungen und ihrer bedingungslosen Unterstützung Trumps könnten sie eine Menge Schaden anrichten. Für den 76-Jährigen sei QAnon somit eine Karte, die er in der Hinterhand habe. „Es ist wie ein Kult“, sagt sie. „Sie glauben alles, was er sagt.“ Zentrale Verschwörungstheorie von QAnon ist, dass es eine satanische Elite gebe, die Kinder entführe und aus ihrem Blut einen Verjüngungssaft zubereite. (tt/dpa)

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