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Donald Trump, hier noch Präsident, empfängt gemeinsam mit Ehefrau Melania die Netanjahus im Weißen Haus.
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Donald Trump, hier noch Präsident, empfängt gemeinsam mit Ehefrau Melania die Netanjahus im Weißen Haus.

Nahost-Politik

Donald Trump gegen Netanjahu: „Der Präsident mag euch jetzt nicht mehr“

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Donald Trump sagt, sein „ultimativer Deal“ für den Nahen Osten sei an Benjamin Netanjahu gescheitert. Israels damaliger Präsident habe nie Frieden gewollt.

Washington, D.C./Jerusalem – Ein neues Buch des israelischen Autors Barak Ravid gibt Einblicke in die Beziehung zwischen Donald Trump und Benjamin Netanjahu. Trump, ehemaliger Präsident der USA und Netanjahu, der damalige Ministerpräsident von Israel, galten über Jahre als enge Verbündete, die persönlich und politisch auf der gleichen Wellenlänge unterwegs waren.

Doch kürzlich ist bekannt geworden, dass Donald Trump derzeit gar nicht gut auf Netanjahu zu sprechen ist. Grund ist die fehlende Loyalität, die der Republikaner beim Likud-Politiker sieht. Netanjahu hatte Joe Biden zu dessen Wahlsieg gratuliert – und das sogar ziemlich früh, wie der Verlierer der US-Wahl 2020 fand. Deshalb soll Donald Trump Benjamin Netanjahu auch aufs Übelste beschimpft haben. Seitdem herrscht Funkstille. Doch bereits davor war das Verhältnis zwischen den beiden brüchig.

Donald Trump und Benjamin Netanjahu: Neues Buch enthüllt brüchiges Bündnis

Eine öffentliche Fehde mit Donald Trump hat Benjamin Netanjahu nach den freundlichen Worten für Joe Biden vermeiden können. Denn für beide Regierungschefs war es strategisch wichtig, das Image der engen Freundschaft zu wahren, erklärte Barak Ravid dem Nachrichtenportal Forward am Sonntag (12.12.2021). Trump wünschte sich eine ähnlich starke Unterstützung von Netanjahu, die er ihm mit der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt von Israel Jahre zuvor gegeben hatte. Der Anruf bei Biden nach der Wahl sei nur der letzte Tropfen gewsen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hätte, schreibt Ravid im Buch „Trump’s Peace: The Abraham Accords and the Reshaping of the Middle East“ („Trumps Frieden: Die Abraham Accords und die Umformung des Nahen Ostens“).

Donald Trumps „ultimativer Deal“, ein Abkommen mit Palästinensern, sei nämlich an Benjamin Netanjahu gescheitert. Der israelische Ministerpräsident wollte den im Januar 2020 von Trump vorgelegten Plan als Vorwand nutzen, um bereits besetzte Teile des Westjordanlands zu annektieren. Zur Vorstellung des Plans waren Netanjahu und der damalige Verteidigungsminister Benny Gantz nach Washington DCgereist – dort sorgten sie ihrerseits mit ganz eigenen Plänen für Entrüstung.

Benjamin NetanjahuIsraelischer Politiker
Geboren21. Oktober 1949 in Tel Aviv
ParteiLikud (national-konservativ)
Höchstes AmtMinisterpräsident von Israel
SpitznameBibi

„Was zur Hölle war das?“, rief Trump, nachdem der israelische Besuch das Weiße Haus an diesem Tag verlassen hatte. Netanjahu habe ihn an dem Tag „wie einen Blumentopf“ behandelt und für eigene politische Zwecke benutzt, sagte ein US-Regierungsbeamter. Trump war außer sich vor Wut. „Ich bin wütend geworden und ich habe die Pläne gestoppt, weil das wirklich zu weit ging“, sagte er rückblickend im Interview mit Ravid.

Trump-Schwiegersohn Jared Kushner schmiss Israels Botschafter aus dem Weißen Haus

Trumps Botschafter in Israel, David Friedman, sprach sich für Netanjahus Plan aus, die Gebiete im Westjordanland zu annektieren. Doch Jared Kushner, Schwiegersohn von Trump und mit einer wichtigen Rolle in dessen Nahost-Politik, bestellte ihn in sein Büro ein. Kushner wies ihn zurecht und erklärte, dass das nicht sei, was der Präsident will. Kushner beauftragte Friedman, die Sache Netanjahu gegenüber persönlich richtigzustellen. Der israelische Ministerpräsident widersetzte sich zunächst. Doch innerhalb der nächsten 24 Stunden nahmen er und Friedman zurück, was sie über Annexion gesagt hatten. Netanjahu sprach von „Fehlkommunikation“.

Avi Berkowitz, zu dem Zeitpunkt US-Sonderbeauftragter für internationale Verhandlungen, erzählte Ravid, dass sich die Beziehungen zwischen der Trump-Regierung und Israel von da an signifikant verschlechtert hätten. Als der israelische Botschafter in Washington, Ron Dermer, direkt mit Trump sprechen wollte, ließ Berkowitz ausrichten: „Der Präsident mag euch nicht mehr.“

Einen Monat später traf sich Dermer mit Jared Kushner und sagte, dass Netanjahu nicht mehr wisse, ob er der Trump-Regierung noch vertrauen kann. Dermer wurde kurzerhand aus dem Weißen Haus geschmissen. „Glaubt nicht, dass alles, was in den letzten drei Jahren passiert ist, für euch war. Wir haben es getan, weil wir es mit dem Frieden ernst meinen“, soll Kushner regelrecht geschrien haben. „So etwas über uns zu sagen ist ekelhaft. Raus hier.“ Die Beziehung zwischen Washington unter Trump und Jerusalem unter Netanjahu erreichte ihren Tiefpunkt.

Donald Trump: Netanjahu wollte nie Frieden mit Palästinensern

Im Interview mit Ravid blickte Trump zurück: „Ich denke nicht, dass Bibi jemals Frieden schließen wollte“, sagte er im April 2021. „Er wollte uns einfach mitschleifen, wissen Sie?“ Über die ganzen 90 Minuten hinweg soll er Benjamin Netanjahu bei dessen Spitznamen „Bibi“ genannt haben.

Auch früher in seiner Amtszeit hatte Donald Trump gesagt, dass er Netanjahu für ein größeres Hindernis auf dem Weg zum Frieden halte als den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas. „Ich dachte, er ist großartig“, sagte Trump im Interview über Abbas. „Er war fast wie ein Vater. Hätte nicht netter sein können. Ich hatte den Eindruck, dass er eher einen Deal wollte als Netanjahu.“ Doch Netanjahu überzeugte Trump schließlich, abzuwarten.

„Mein ganzes Leben besteht aus Deals. Ich bin selbst wie ein großer Deal. Das ist alles, was ich tue, also verstehe ich es. Und nachdem ich Bibi für drei Minuten getroffen habe...ich habe Bibi mitten im Satz unterbrochen. Ich sagte: ‚Bibi, du willst keinen Deal schließen, oder?‘ Und er sagte: ‚Naja, äh.‘ Und die Sache ist, ich glaube nicht, dass Bibi jemals einen Deal schließen wollte.“ Trump gehe von innenpolitischen Gründen in Israel als Grund für die Zurückhaltung Netanjahus aus.

Donald Trump und Benjamin Netanjahu planen Comeback

Barak Ravid sieht dennoch Fortschritte in der Nahost-Politik des ehemaligen US-Präsidenten: „Die Abraham Accords sind eine große Errungenschaft von Trump“, sagte Barak Ravid dem Nachrichtenportal Forward. „Sie wären nicht zustande gekommen, wenn jemand anderes im Weißen Haus gewesen wäre, Republikaner oder Demokraten.“ Mit den Abraham Accords nahmen Israel und mehrere arabische Staaten erstmals diplomatische Beziehungen auf. Offiziell soll so der Frieden im Nahen Osten gesichert werden.

Ravid geht davon aus, dass sich Netanjahu noch einmal an Trump wenden wird, um der Sache ein Ende zu setzen. Möglicherweise arbeiten sie in einigen Jahren wieder miteinander. Sowohl Benjamin Netanjahu als auch Donald Trump arbeiten an Comeback-Plänen, um wieder an die Macht zu kommen. (lrg)

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