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Trump-Hotel wollte QAnon-Bewegung mit hohen Preisen auf Distanz halten

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Von: Matthis Pechtold

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Donald Trump
Donald Trump im Januar 2017. (Archivfoto) © Dominick Reuter/AFP

Noch im März glaubten Verschwörungstheoretiker:innen an eine Rückkehr von Donald Trump als US-Präsident. In Washington erhöhte das Trump-Hotel deshalb die Preise.

Washington D.C. – Anfang März 2021 erhöhte das Trump-Hotel in der US-Hauptstadt Washington D.C. plötzlich seine Zimmerpreise. Für eine Nacht ganz in der Nähe des Weißen Hauses wurden mindestens 1331 US-Dollar fällig – normal waren in diesem Zeitraum sonst 476 bis 596 Dollar.

Das berichtete das Wirtschaftsmagazin Forbes Anfang Februar, als die Preise für den 3. und 4. März bereits einsehbar waren. Bis zuletzt wurde davon ausgegangen, dass die Preiserhöhungen auf so etwas wie „Geschäftstüchtigkeit“ zurückzuführen seien. Denn der 4. März muss für einige Anhänger:innen der QAnon-Bewegung ein wichtiges Datum gewesen sein.

QAnon-Fans glaubten an Vereidigung von Donald Trump im März 2021

Am 4. März nämlich sollte Donald Trump in Washington D.C. als 19. Präsident der USA vereidigt werden, so die Erzählung. Grundlage ist die Überzeugung, die USA seien im Jahr 1871 zu einem Unternehmen geworden, womit Ulysses S. Grant der 18. und bisher letzte legitime US-Präsident gewesen sei. Deshalb sei heute noch der 4. März das Datum der Amtseinführung. Mag noch so vieles diese Geschichte und deren Details grundsätzlich widerlegen, innerhalb der QAnon-Bewegung hatte die Erzählung offenbar Wurzeln geschlagen. Und auch im Trump Hotel war man sich der Existenz dieser Fiktion bewusst und erhöhte daraufhin die Preise.

Nur: Profit wollte man mit anreisenden Trump-Fans und QAnon-Anhänger:innen offenbar nicht machen, wie zunächst spekuliert wurde. Eher das Gegenteil war der Fall.

Das Trump International Hotel in Washington, D.C.
„Sonderkonditionen“ anlässlich des für QAnon-Anhänger:innen wichtigen 4. März 2021: Das Trump International Hotel in Washington D.C. (Archivfoto) © Mark Wilson/AFP

Wie von Hackern geleakte Daten der Washingtoner Polizei zeigen, wollte das Management des Hotels QAnon-Anhänger:innen mit den Preiserhöhungen abschrecken, dort Quartier zu beziehen. Eine „Sicherheitstaktik“, die man offenbar für nötig hielt, obwohl dem Hotel selbst keine gesicherten Informationen vorlagen, die für ein QAnon-Event an diesem Tag gesprochen hätten. So berichtet es die britische Zeitung Guardian, der die geleakten Dokumente vorliegen. Auch andere Hotels in Washington hätten kein erhöhtes Buchungsaufkommen zum 3. und 4. März registriert, heißt es demnach

Washington: Hotel von Donald Trump erhöhte auch vor Erstürmung des Kapitols Preise

Dass das Trump-Hotel seine Preise vor dem Hintergrund einer plötzlichen Rückkehr erhöht, konnte man übrigens auch am und um den 6. Januar herum beobachten. An diesem Tag fand in Washington D.C. eine Massenkundgebung mit Donald Trump statt, der Tag endete in der Erstürmung des Kapitols durch hunderte Personen – viele von ihnen augenscheinlich Trump-Anhänger:innen und/oder Verschwörungsmystiker:innen. Eine Nacht im Trump International Hotel kostete damals mindestens 7500 bis 8000 US-Dollar, ob eher zur Abschreckung oder eher mit Blick auf das umsatzschwache Jahr 2020 ist allerdings nicht bekannt. (mp)

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