Schwarze Wählerschaft wendet sich ab

Donald Trump verliert in Florida wegen „Proud Boys“ an Boden

  • vonMirko Schmid
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Donald Trumps Aufforderung, die rechtsextremen „Proud Boys“ sollen sich „bereithalten“, kostet ihm in Florida Zustimmung aus der schwarzen Bevölkerung.

USA - Für Donald Trump gilt in Florida „do or die“ - verliert er den Ostküstenstaat bei der Wahl an Joe Biden, sehen viele Analysten kaum noch eine Chance für ihn. Denn Florida ist mit seinen 29 Wahlmännern ein echtes Schwergewicht im Kampf um die Präsidentschaft.

Das weiß Donald Trump und setzt deshalb alles darauf, den Staat wie 2016 zu gewinnen. Zuletzt hatte er vor allem die hispanische Bevölkerung Floridas umworben, die dort als wahlentscheidend gilt. Allerdings könnte er den Einfluss der schwarzen Bevölkerung Floridas unterschätzt haben.

Die „Proud Boys“: Paramilitärisch und bereit zum Kampf für Donald Trump

Donald Trumps Aufforderung, die „Proud Boys“ sollen sich bereithalten, schockiert viele schwarze Wähler in Florida

Aus Florida mehren sich jetzt nämlich Trump-kritische Stimmen, vor allem aus Reihen der afroamerikanischen Bevölkerungsgruppe, die gut 16 Prozent der Gesamtbevölkerung in Florida ausmacht. Auch wenn Donald Trump im Anschluss an das chaotische erste TV-Duell mit Joe Biden nicht wissen will, wer die „Proud Boys“ sind, hat er mit seiner Ansage ebenjene sollten sich „bereithalten“ gehörig Staub aufgewirbelt. Die „Proud Boys“ selbst haben Trumps Aufruf dankend angenommen und unter anderem direkt ein „stand back and stand by“-Logo entworfen. Auch entsprechendes Merchandise wird bereits produziert.

Donald Trumps Aufruf an die White Supremacists der ‚Proud Boys‘, bereit zu stehen und seinen Anhängern zu sagen, dass sie zu den Wahlen gehen und sie beobachten sollen, ist eine direkte Unterdrückung der Wähler“, bekräftigt Bobby DuBose, demokratischer Abgeordneter in Florida aus dem Broward County. Er befürchtet, dass rechtsextreme „Wahlbeobachter“ gerade schwarze Wählerinnen und Wähler einschüchtern wollen.

Alan Williams, strategischer Berater von Bidens Kampagne und ehemaliger Leiter des Florida Legislative Black Caucus, zeigte sich entsetzt über die Ansage von Präsident Trump an die „Proud Boys“: „Ich habe mit meinem Sohn zugesehen und meine Tochter war per Facetime bei uns. Das war hart.“

Die vergangene Gouverneurswahl in Florida hat gezeigt, wie stark der Einfluss schwarzer Wähler ist

Donald Trumps Aufforderung sei nicht stumm wie eine „Hundepfeife“ verhallt, sagt Maya Brown, eine in Tampa ansässige demokratische Wahlkampforganisatorin, die vor allem schwarze und hispanische Wähler anspricht. „Eine Gruppe wie die ‚Proud Boys‘ nicht nur nicht zu verurteilen, sondern tatsächlich direkt anzustacheln, war für mich schockierend. Es war für mich schwer, das anzusehen.“

Floridas schwarze Wählerschaft übte bei vergangenen Wahlen einen bedeutenden Einfluss auf die Ergebnisse im „Battleground State“ Florida aus, wo jede Stimme zählt. 2018 beispielsweise konnte sich Andrew Gillum in der Vorwahl zur Gouverneurswahl in Florida auf die Stimmen der schwarzen Wählerschaft verlassen, die ihn zum Überraschungssieg verhalf. Gillum setzte sich unerwartet und mit deutlich kleineren finanziellen Möglichkeiten gegen die favorisierte ehemalige Kongressabgeordnete Gwen Graham, den vormaligen Bürgermeister von Miami Beach, Philip Levine, und Immobilien-Unternehmer Jeff Greene durch.

Auch wenn Gillum die Wahl gegen den von Donald Trump unterstützten Republikaner Ron DeSantis hauchdünn verlor, gilt das starke Ergebnis des ehemaligen Bürgermeisters von Tallahassee Gillum als Blaupause für den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden. Schafft er es, ähnlich wie Gillum, die schwarze Wählerschaft hinter sich zu vereinen und zu mobilisieren, ist ein Sieg in Florida für Biden zum Greifen nahe.

Joe Biden führt knapp in Florida. Donald Trumps „Proud Boys“-Ansage könnte entscheidend sein

Donald Trump-Fans „Proud Boys“: Bewaffnet mit Schildern, Baseballschlägern und rechtsextremer Ideologie

Bereits vor der TV-Debatte führte er in Umfragen in Florida. Besonders groß war Bidens Vorsprung Ende Juli, als er mit 50,5 zu 42,7 Prozent führte. Die letzte Erhebung vom 28. September bescheinigt Joe Biden einen knappen Vorsprung von 47,8 zu 46,7 Prozent vor Donald Trump. Es wird also wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Florida, jede Stimme zählt.

Beide Kandidaten umwerben von daher die schwarze Wählerschaft in Florida mit Wahlversprechen. Demokrat Biden will unter anderem 70 Milliarden US-Dollar in Colleges und Universitäten mit historisch hohem Anteil schwarzer Schülerinnen und Schülern beziehungsweise Studierenden investieren, Studierendendarlehen erlassen und das Gesetz zur erschwingliche Pflege vor seiner Abschaffung durch Donald Trump schützen.

Trumps als „Platin-Plan“ bezeichnete Sammlung von Versprechen an Gemeinden mit einem hohen Anteil schwarzer Bevölkerung umfasst erweiterte Steuergutschriften für Unternehmen in Minderheitenbesitz, eine verstärkte Kreditvergabe an kleine Unternehmen und mehr vertragliche Flexibilität für Unternehmen in Minderheitenbesitz.

Verliert Donald Trump in Florida, hat er kaum realistische Chancen auf eine Wiederwahl

Nun könnte Donald Trumps Bemerkung die traditionell eher den Demokraten zugewandte schwarze Wählerschaft in Florida zusätzlich für Joe Biden mobilisieren. Verliert Donald Trump - auch deswegen - die Präsidentschaftswahl am 3. November 2020 gegen Biden, hätte er sich mit seiner Hofierung der „Proud Boys“-Neonazis einen vielleicht historischen Bärendienst erwiesen. (Von Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © MARANIE R. STAAB/afp

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