Corona-Pandemie in den USA

Corona in den USA: Experten kritisieren Test-Strategie in den Staaten

  • Delia Friess
    vonDelia Friess
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Experten kritisieren die Coronavirus-Teststrategie in den USA. Derweil tritt ein erster bekannter Fall einer wiederholten Infektion auf.

  • Die USA schränken ihre Richtlinien für Tests auf das Coronavirus ein.
  • US-Präsident Donald Trump soll die Anweisung gegeben haben.
  • Beim Parteitag der Republikaner infizieren sich vier Leute mit dem Coronavirus.

Update vom Sonntag, 30.08.2020, 16.20 Uhr: Einige der führenden Gesundheitsexperten beobachten in den USA ein neues Problem bei den Coronavirus-Tests. Die Standardtests, die bei vielen Menschen eingesetzt werden, zeigen oftmals eine Infektion mit dem Virus, obwohl die Getesteten nur eine sehr geringe Viruslast im Körper haben. Dies berichtet die „New York Times“.

Die meisten dieser Menschen sind wahrscheinlich gar nicht ansteckend, die Identifizierung der Personen mit nur wenig Viruslast im Körper führt jedoch zu Test-Engpässen. Menschen, die ansteckend sind, werden dagegen nicht rechtzeitig gefunden. Die Lösung ist jedoch nicht das Einschränken der Testkapazitäten. Stattdessen zeigen neue Daten, dass eine höhere Anzahl Schnelltests eingesetzt werden soll, auch wenn diese weniger empfindlich sind.

„Die Entscheidung, asymptomatische Menschen nicht zu testen, ist ein Schritt zurück“, betonte Dr. Michael Mina, Epidemiologe an der Harvard-Universität, gegenüber der „New York Times“.

Erster bekannter Fall von wiederholter Corona-Infektion in den USA 

Update vom Samstag, 29.08.2020, 9.10 Uhr: Wissenschaftler haben einer Studie zufolge eine erneute Corona-Infektion eines bereits seit längerem genesenen Patienten in den USA nachgewiesen. Dies zeige, dass die Immunität nach einer Infektion nicht absolut sei und Mehrfachansteckungen möglich seien, hieß es in der Studie. Zudem sei die zweite Erkrankung des Patienten schwerer ausgefallen als die erste. Es sei aber unklar, inwieweit daraus generelle Schlussfolgerungen gezogen werden könnten.

Die Studie von Forschern um Richard Tillett von der Universität Nevada wurde beim Magazin „The Lancet“ eingereicht, bislang aber noch nicht unabhängig geprüft und veröffentlicht. Der Fall schien die erste nachgewiesene Zweifach-Infektion in den USA darzustellen.

Bei dem Fall im US-Bundesstaat Nevada handelt es sich um einen 25-jährigen Patienten, der erstmals Mitte April positiv auf den Erreger Sars-Cov-2 getestet worden war. Die Person hatte demnach Erkältungssymptome und Durchfall. Nach der Genesung fielen bei dem Patienten im Mai zwei Coronavirus-Tests negativ aus. Am 31. Mai suchte der Patient allerdings wegen Symptomen wie Fieber, Kopfweh und Husten ärztliche Hilfe. Nach einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs wurde die Person wieder entlassen. Fünf Tage später wurde der Patient in eine Notaufnahme gebracht und musste beatmet werden. Dort fiel ein Corona-Tests Anfang Juni erneut positiv aus.

Erbgutuntersuchungen hätten gezeigt, dass es sich bei der ersten und der zweiten Infektion um verschiedene Varianten von Sars-CoV-2 gehandelt habe, erklärten die Forscher. Das spreche gegen ein Wiederaufflammen der ersten Infektion. Die Forscher machten deutlich, dass von dem Einzelfall nicht zwangsläufig allgemeine Schlussfolgerungen gewonnen werden könnten. „Dies könnte ein seltener Fall sein“, schrieben sie in dem Artikel.

Corona in den USA: Donald Trump lobt seine Arbeit

+++ 18.34 Uhr: Vier Leute sind beim Parteitag der Republikaner positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte das Mecklenburg County im Bundesstaat North Carolina mit. Zwei von ihnen seien Teilnehmer, die zwei weiteren sollen die Veranstaltung unterstützt haben. Jeder sei sofort isoliert worden. Trotz der Corona-Pandemie und der überwiegend virtuellen Austragung reisten 336 Delegierte der Republikaner zum Konferenzzentrum nach Charlotte an, um Donald Trump offiziell als Kandidat für die Präsidentschaftswahl zu nominieren. Etwa 792 Corona-Tests wurden im Zuge des Parteitags durchgeführt.

Update vom Freitag, 28.08.2020, 17.13 Uhr: Donald Trump hat sein Krisenmanagement in der Corona-Pandemie gelobt. Eine Mehrheit der US-Amerikanerinnen und Amerikaner bewertet genau das in Umfragen eher negativ. „Wir werden das Virus besiegen, die Pandemie beenden und stärker als je zuvor aus der Krise hervorgehen“, sagte dessen ungeachtet der US-Präsident am Donnerstagabend (27.08.2020, Ortszeit) auf dem Parteitag der Republikaner.

Mehr als 180.000 Corona-Tote in den USA – und Donald Trump lobt sein Krisenmanagement

Corona in den USA: Joe Biden greift US-Präsident Donald Trump an

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden wirft Trump vor, die Bedrohung durch das Coronavirus heruntergespielt, Experten ignoriert und keine ausreichenden Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen zu haben. Auf Twitter schrieb Biden: „Jetzt zahlen wir den Preis dafür.“

Nach Daten der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität sind knapp 181.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Alleine in den ersten drei Tagen des viertägigen Republikaner-Parteitags kostete die Covid-19-Pandemie demnach rund 3000 Menschen das Leben.

US-Präsident Donald Trump lässt Corona-Tests einschränken - Fauci entsetzt

Washington - Die USA unter der Regierung von Donald Trump ändern ihre Richtlinien zu Tests auf das Coronavirus. Virolog*innen und Gesundheitsexpert*innen kritisieren diesen Schritt. Das Zentrum für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC) hat seine Richtlinien bezüglich der Corona-Tests diese Woche geändert, wie es auf der Website der Behörde heißt. Demnach sollen Personen, die Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person gehabt, aber keine Symptome haben, nicht mehr auf das Coronavirus getestet werden.

Die Anweisung soll von Trump gekommen sein: Fauci kritisiert die neuen Richtlinien zu Corona-Tests in den USA.

Corona in den USA: Donald Trump soll Tests auf das Coronavirus eingeschränkt haben

Zuvor wurden alle Kontaktpersonen mit oder ohne Symptomen getestet. Ein Sprecher des Gesundheitsministerium rechtfertigte den Schritt mit neuen Kenntnisständen zu Covid-19, die aber nicht konkretisiert wurden. CDC-Direktor Robert Redfield sagte am Mittwoch (26.08.2020), dass die Richtlinien nach aktualisierten Empfehlungen des Weißen Hauses geändert wurden, wie CNN berichtet. Die Anweisung soll von ganz oben, wohl von Donald Trump direkt, gekommen sein, berichtet die New York Times. Der US-Präsident hatte immer wieder darauf gedrängt, Corona-Tests zu reduzieren. Denn durch Test würden mehr Corona-Fälle gezählt werden.

Anthony Fauci und Deborah Birx von der Corona-Taskforce der USA.

Donald Trumps Corona-Politik: Expert*innen entsetzt über Einschränkungen von Corona-Tests

Gesundheitsexpert*innen kritisieren die neuen Richtlinien der USA zu Corona-Tests. Insbesondere Anthony Fauci, einer der wichtigsten Berater von US-Präsident Donald Trump, übt starke Kritik an der Entscheidung. Er sei nicht bei den Beratungen über die Entscheidung dabei gewesen, sagte er CNN. Auch Leana Wen von der Universität in Washington sagte, dass die Änderung der Richtlinien keinen Sinn mache, da genau diese Personen getestet werden müssten. 40 bis 50 Personen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, seien asymptomatisch, untermauerte die Wissenschaftlerin ihre Kritik in einem Tweet auf Twitter.

Die Wissenschaftlerin kritisierte außerdem die Intransparenz der Entscheidung der „Corona-Task-Force“, die mitten in der Nacht tagte. Wen appellierte zudem an die Verantwortung der Politik im Umgang mit dem Coronavirus. Der US-Virologe Fauci kritisierte außerdem, dass das ein falsches Signal an die Menschen senden könnte und den Eindruck erwecke, als ob von dem Coronavirus keine Gefahr mehr ausginge. Zuletzt soll es zwischen dem US-Immunologen Fauci und Donald Trump, einem der wichtigsten Berater des US-Präsidenten, immer wieder Spannungen gegeben haben, wie auch Der Spiegel berichtet. (Von Delia Friess)

Der neue Pandemie-Berater von US-Präsident Donald Trump ist von der Herdenimmunitäts-Strategie überzeugt. Scott Atlas Plan soll vorsehen, etwa 70 Prozent der Bevölkerung mit Corona zu infizieren.

Donald Trump hofft auf einen Corona-Impfstoff noch vor der Präsidentschaftswahl - und setzt Behörden unter Druck.

Rubriklistenbild: © Niaid-Rml/dpa

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