US-Präsident mit Corona infiziert

Krankheit als „unverzeihliche Schwäche“: Familiengeschichte erklärt Verhalten des US-Präsidenten

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Wie seine Nichte Mary Trump behauptet, könnte Donald Trumps Verhalten in der Corona-Pandemie auf eine Eigenheit der Familie zurückzuführen sein. Wer als Trump krank ist, ist schwach.

Bethesda/Washington D.C. - Letzten Freitag (2.10.2020) wurde es bekannt: Donald Trump hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Nach Monaten der Verharmlosung des Virus und seinen anhaltenden Forderungen, das Land wieder zu „öffnen“, gab der US-Präsident auf Twitter bekannt, dass sein Testergebnis positiv ausfiel.

Das Herunterspielen des Coronavirus kommt allerdings nicht wirklich überraschend - wenn man der Nichte des US-Präsidenten Glauben schenken mag. Wer in der Familie Trump erkrankt, gilt als schwach, erzählt sie.

Donald Trump auf dem Weg ins Walter Reed Medical Center. Der US-Präsident ist mit dem Coronavirus infiziert.

Donald Trump: Krankheiten in der Familie als Schwäche angesehen

Donald Trump musste am Freitag aufgrund seiner Covid-19-Erkrankung mit Sauerstoff versorgt werden. Sein Arzt Sean Connelly gab dies aber zunächst nicht öffentlich bekannt. Ein Interview mit Mary Trump mit dem US-Radiosender „NPR“ könnte Aufschluss geben, wieso. Offiziell wollte Connelly nur die optimistische Einstellung des Präsidenten widerspiegeln. Doch wie die entfremdete Nichte von Donald Trump behauptet, ist Kranksein in der Familie eine „Demonstration unverzeihlicher Schwäche“.

Für Donald Trump und seinen Vater Fred Trump war es wohl „inakzeptabel“, zu erkranken. Das klinge zwar unglaublich grausam, so Mary Trump, aber es sei wahr. Für sie ist genau das auch der Grund, wieso die USA so schwer von der Corona-Pandemie getroffen wurden. „Er kann nicht zugeben, schwach zu sein und diese Krankheit zu haben“, sagt sie.

Mary Trump erzählt, wie in der Familie Trump mit Krankheit umgegangen wurde. (Archivbild)

Donald Trump: Stimmung in der Familie war erzwungen positiv

„Ich hatte keine Ahnung davon, dass mein Urgroßvater 1918 an der Spanischen Grippe gestorben ist, erzählt Mary Trump. Erst vor wenigen Jahren habe sie etwas darüber gelesen. „Donald scheint es auch vergessen zu haben. Dafür, dass es ein faszinierendes Detail der Familiengeschichte ist, ist das unglaublich.“

Bei ihrem Großvater sei nur positives Denken erlaubt gewesen, das letztlich krankhaft ausartete. Dementsprechend habe es keinen Platz für Traurigkeit, Verzweiflung oder Krankheiten gegeben, berichtet Mary Trump. Die Atmosphäre war „toxisch“. Besonders schlimm sei es ihrem Vater ergangen, Fred Trump Junior. Als Alkoholiker wurde seine Sucht als schändlich und „seine eigene Schuld“ betrachtet. 1982 starb er schließlich. Mary Trumps Großmutter litt unter Osteoporose. Doch ihre Schmerzen wurden nicht geduldet. Wann immer die Schmerzen kamen, habe man ihr gesagt, dass alles gut sei und schließlich den Raum verlassen, erzählt sie.

Donald Trump: Familiengeschichte ein Grund für schweren Verlauf der Corona-Pandemie in den USA

Jedoch habe Mary Trump von ihrer Familie nichts über die Pflege mitbekommen, die ihr Onkel erhält. Donald Trump wird derzeit im Walter Reed Medical Center behandelt. Mit einer Spazierfahrt sorgte er bei Medizinern für Entsetzen. „Es scheint, als können wir uns nicht auf die Informationen verlassen, die uns das Team vom Walter Reed mitteilt“, behauptet Mary Trump. Dabei müsse man in so einem Fall so viel Akkurates wissen, wie nur möglich ist. Mehr als 7,4 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus wurden in den USA bislang bestätigt. Mehr als 209.000 Menschen sind nach den Zahlen der Johns Hopkins University bislang an den Folgen von Covid-19 gestorben.

Rubriklistenbild: © BRENDAN SMIALOWSKI/AFP

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