Enthüllungsbuch

Donald Trump soll die Gespräche mit Bob Woodward anfangs genossen haben - jetzt wohl nicht mehr

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Donald Trumps Aussagen zum Coronavirus gegenüber Bob Woodward werden dem US-Präsidenten zum Verhängnis. Trump soll sich zuvor enthusiastisch auf die Interviews gefreut haben.

  • Aussagen von Donald Trump zum Coronavirus im Februar bringen den Präsidenten der USA in Bedrängnis
  • Donald Trump soll dem Interview mit Bob Woodward damals enthusiastisch zugestimmt haben
  • Auch sein ehemaliger Anwalt Michael Cohen verurteilt Trump und seine Aussagen

Washington D.C. - Das neue Buch von Bob Woodward sorgt für Aufregung. Der Journalist, der in den 1970er-Jahren die Watergate-Affäre aufgedeckt hatte, enthüllt in seinem Werk „Rage“, dass US-Präsident Donald Trump bereits im Februar über die Gefahr des Coronavirus Bescheid gewusst hatte, sie aber im Anschluss bewusst herunterspielte.

Einem Funktionär des Weißen Hauses zufolge, soll Donald Trump über das Interesse Woodwards an Interviews enthusiastisch gewesen sein. Er soll die Gespräche mit dem Journalisten auch regelrecht „genossen“ haben, wie „The Daily Beast" berichtet. Jetzt werden sie dem Weißen Haus zum Verhängnis.

Ein Buch von Bob Woodward enthüllt brisante Aussagen von US-Präsident Donald Trump zum Coronavirus.

Donald Trump: US-Präsident spielte die Gefahr des Coronavirus herunter

Donald Trump soll geglaubt haben, dass er schlauer als Bob Woodward sei. So sieht das Michael Cohen, der ehemalige Anwalt Trumps, der in einem Interview mit dem Nachrichtensender „CNN“ Stellung zu den Enthüllungen nimmt. Trump soll stets davon überzeugt sein, aus jedem Gespräch als Gewinner hervorzugehen. Nur deshalb soll er überhaupt mit Woodward geredet haben. „Das ist tödliches Zeug“, erzählte Trump Woodward im Februar über das Coronavirus. „Das Virus ist sehr trickreich. Es ist auch tödlicher als eine hartnäckige Grippe.“

Ganze 18 Gespräche fanden zwischen Trump und Woodward statt. An einem Punkt soll der Präsident aber das Gefühl bekommen haben, dass ihn der Reporter benutzen könnte. Nach Informationen von „The Daily Beast“ sei es unklar, wann genau sich Trump gegen weitere Interviews entschied. „Das Buch von Bob Woodward wird ein FAKE sein“, schrieb Trump Mitte August bei Twitter, „so wie immer, so wie so viele andere es auch waren.“

Etwa zwei Wochen später explodierte er erneut. Bob Woodward sei ein „sozialer Heuchler“, der „nie etwas Gutes zu sagen habe“. Laut einem Eingeweihten soll der US-Präsident im Vorfeld der Gespräche gesagt haben, dass Woodward ihn in der Russland-Affäre „fair“ behandelt habe und er ihn deshalb mochte.

Donald Trump: Ex-Anwalt Michael Cohen bezeichnet Weißes Haus als eine „Sekte“

Die Aussagen Trumps zum Coronavirus im Februar brachten das Weiße Haus diese Woche in Bedrängnis. Pressesprecherin Kayleigh McEnany dementierte am Mittwoch (09.09.2020), dass Donald Trump die Gefahr des Virus jemals heruntergespielt habe. Doch nicht einmal eine Stunde im Anschluss gab er die Aussagen zu. Er wollte keine Panik in der Bevölkerung auslösen, erklärte Trump in einem Pressebriefing. „Ich liebe dieses Land und ich will nicht, dass die Leute Angst haben.“ Joe Biden nahm ebenfalls Stellung. Dem Präsidenten soll es vor allem darum gegangen sein, dass der Aktienmarkt in der Corona-Pandemie nicht zusammenbricht und „seine reichen Freunde kein Geld verlieren".

„Für die Trumps gibt es keine Regeln, sie leben nach ihren eigenen“, behauptet Michael Cohen. „Dass Trump glaubt, er könne Bob Woodward mit einem Aufnahmegerät vor seinem Mund überlisten, während er nichts als Lügen verbreitet, von denen er weiß, dass es Lügen sind - es ist sehr stalinistisch.“ Wenn man etwas nur oft genug sage, werden die Leute anfangen, es zu glauben, so Cohen. Das sei etwas, dass Donald Trump mit 38 Prozent des Landes geschafft habe. Die „Trump Organization“ und das Weiße Haus vergleicht Cohen entsprechend mit „Sekten“.

Neues Enthüllungsbuch von Bob Woodward: US-Präsident Donald Trump in Bedrängnis

Auf die Frage, wieso die Leute Michael Cohen und den Veröffentlichungen glauben sollten, antwortet er: „Habe ich irgendetwas behauptet, das nicht mit den Woodward-Bändern, den Büchern von Mary Trump und Stephanie Winston Wolkoff übereinstimmt? [...] Wir sind das ‚Quartett der Wahrheit‘. Am Ende dieser oder der nächsten Woche gibt es dann ein ‚Pentagon der Wahrheit‘. Alles, das ich erzählt habe, hat sich als wahr herausgestellt. Jedes mal, das ich gelogen hab, war es zu Gunsten von Donald Trump.“ In Gegensatz zu anderen Enthüllungsbüchern kann Woodward Trumps Aussagen nachweisen - er hat sie auf Band. (Von Lukas Rogalla)

Zum Gedenken an den 11. September 2011 reisen Donald Trump und Joe Biden beide nach Shanksville, Pennsylvania. Dort ließen Entführer ein Flugzeug abstürzen.

Rubriklistenbild: © Alex Brandon/Ap/dpa

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