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Corona

Donald Trump wirkt: Nur die Hälfte der US-Bevölkerung will sich gegen Corona impfen lassen

  • vonMirko Schmid
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  • Lukas Rogalla
    Lukas Rogalla
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Im Anschluss an die „Impfgipfel“ getaufte Polit-Show von Donald Trump gibt nur noch die Hälfte der US-Bevölkerung an, sich impfen lassen zu wollen.

  • Donald Trump organisiert einen „Impfgipfel“ – Corona-Impfstoff-Entwickler lehnen die Einladung ab.
  • Die Impfstoffe gegen das Coronavirus stehen in den USA kurz vor der Zulassung.
  • Der „Impfgipfel“ im Weißen Haus stellt sich als politische Einlage von US-Präsident Donald Trump heraus.

Update vom Donnerstag, 10.12.2020, 14.53 Uhr: Das Umfrageinstitut Associated Press-NORC-Zentrum für öffentliche Angelegenheiten meldet besorgniserregende Zahlen aus den USA. Während die Verfügbarkeit eines Impfstoffes gegen das Coronavirus in den Vereinigten Staaten immer näher rückt, sinkt die Impfbereitschaft der US-Bevölkerung. Nur noch rund 50 Prozent der US-Amerikaner:innen gibt an, sich umgehend impfen lassen zu wollen. Jeweils ein Viertel der Befragten gibt an, sich entweder nicht sicher zu sein oder eine Impfung komplett abzulehnen.

Donald Trump und seine verharmlosende Corona-Rhetorik: Die Impfbereitschaft in den USA sinkt.

Von den Menschen, die angeben, sich nicht impfen lassen zu wollen, geben rund 30 Prozent an, dass sie nicht besorgt seien, infolge einer Corona-Erkrankung ernsthaft krank zu werden. Ein Viertel der Impfgegner hält die Ernsthaftigkeit der Lage für „nicht so schwerwiegend, wie manche Leute sagen“. In den US-Medien wird darüber spekuliert, welchen Einfluss Donald Trump auf die Impfmüdigkeit einer Hälfte der US-Bevölkerung haben könnte. Dieser war nicht nur in Rekordzeit aus der eigenen Erkrankung zurückgekehrt, sondern hatte im Rahmen seines „Impfgipfels“ erneut die Theorie der „Herdenimmunität“ mittels massenhafter Ansteckungen befeuert.

„Großartig“, dass es so viele Infizierte gibt: Trump beschwört Herdenimmunität in den USA

Update vom Mittwoch, 9.12.2020, 17.50 Uhr: Am Dienstag fand der „Impfgipfel“ im Weißen Haus statt. Die Vakzin-Entwickler von Moderna und Pfizer blieben zwar fern, das hielt Donald Trump jedoch nicht davon ab, das „Wunder“ eines Corona-Impfstoffs zu feiern, wie „Politico“ berichtet. Wie erwartet, soll das Event ein „trumpscher Mix aus politischer Theatralik, Angeberei, Beschwerden und Anerkennung“ gewesen sein. Selbst hier nutzte Trump die Gelegenheit, um sich über vermeintlichen Wahlbetrug auszulassen.

Zu Beginn des „Impfgipfels“ soll Trump ein Video gezeigt haben, das unter anderem über den Immunologen Anthony Fauci als vermeintlichen Gegner der Impfstoff-Bemühungen herzieht. Als sei das Problem der Corona-Pandemie in den USA bereits gelöst, gab sich Donald Trump in Hinsicht auf die bevorstehende Zulassung eines Impfstoffs selbstzufrieden. „Im Frühling werden wir wohl in einer Lage sein, die vor einigen Monaten niemand für möglich gehalten hätte. Sie sagen, es ist ein wenig wie ein Wunder – und ich glaube, das ist wahr.“

Stolz auf seine Leistungen: Donald Trump beim „Impfgipfel“ im Weißen Haus.

„Impfgipfel“ im Weißen Haus: Donald Trump beglückwünscht sich selbst

Donald Trump scheint beim „Impfgipfel“ erneut das Prinzip der Herdenimmunität vertreten zu haben. Der Corona-Impfstoff, so Trump, sei Ziel Nummer eins, doch man habe in den USA bereits eine Immunität aufgebaut. „Ich höre, wir sind dicht an 15 Prozent dran. Das ist großartig. Das ist ein starker Impfstoff für sich. Gewaltiger Forschritt wurde gemacht.“ Mehr als 15 Millionen US-Bürger:innen sind offiziell mit dem Coronavirus infiziert, wie den Zahlen der Johns Hopkins University zu entnehmen ist. Etwa 285.000 an Covid-19-Erkrankte sind gestorben. Damit eine Herdenimmunität erreicht ist, würden rund 2,13 Millionen Amerikaner:innen sterben müssen, wie eine Analyse der „Washington Post“ ermittelte.

„Impfgipfel“ von Donald Trump: Probleme mit Lieferung von Corona-Impfstoff

+++ 19.28 Uhr: Donald Trump und seine Regierung haben der amerikanischen Bevölkerung viel versprochen. Mit den bereits 100 Millionen beim Pharmaunternehmen Pfizer georderten Dosen Impfstoff gegen Corona wollte die Trump-Regierung einen ambitionierten Plan ins Rollen bringen, demzufolge bereits im Sommer die meisten Amerikaner:innen geimpft sein sollten. Zu beachten ist, dass je Impfung zwei Dosen notwendig sind, 100 Dosen Impfstoff also 50 Millionen geimpfte Menschen bedeuten.

Donald Trump lädt zum „Impfgipfel“ ein - Pfizer und Moderna lehnen ab. (Archivfoto)

Donald Trump kann bisher nur 15 Prozent der US-Bevölkerung eine Impfung gegen Corona garantieren

Mit den bisher georderten 100 Millionen Impfdosen wäre es der Regierung um Donald Trump also lediglich möglich, rund 15 Prozent der 328,2 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner zu impfen. Das heißt: Mehr Impfstoff gegen Corona muss her. Aber der Nachschub stockt. Pfizer gibt dem Drängen der US-Regierung nicht nach, die bisherige Bestellung aufzustocken und verweist auf Vereinbarungen mit der EU und anderen Nationen. Das Pharmaunternehmen ist laut einem Bericht der „Washington Post“ lediglich bereit, 50 Millionen weitere Dosen im zweiten Quartal und weitere 50 Millionen im dritten zu liefern. Das hieße, dass im Herbst weiterhin nur 100 der über 300 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner in den Genuss einer Pfizer-Impfung kommen würden.

Also setzt Donald Trump seine Hoffnungen jetzt in Moderna. Der US-amerikanische Pharmakonzern steht ähnlich wie Pfizer davor, eine Zulassung für einen Corona-Impfstoff zu erhalten. Um seinen ambitionierten Plan einzuhalten, einen Großteil der Amerikanerinnen und Amerikaner bis zum Sommer geimpft zu haben, müsste Moderna seinen Impfstoff allerdings fast exklusiv an die US-Bevölkerung abgeben. Dies könnte möglich sein, da Moderna - im Gegensatz zu Pfizer - auf staatliche Zuschüsse zurückgegriffen hatte.

„Impfgipfel“ im Weißen Haus: Impfstoff-Entwickler Pfizer und Moderna lehnen Einladung von Donald Trump ab

+++ 15.45 Uhr: Die Pharma-Unternehmen von Moderna und Pfizer werden nicht zum „Impfgipfel“ im Weißen Haus erscheinen. Zu groß sind die Bedenken der Impfstoff-Entwickler, dass Donald Trump die großen Durchbrüche in der Forschung als Erfolg seiner Politik beansprucht.

„Impfgipfel“ im Weißen Haus: Gast bei Fox News schlägt vor, Impfstoff nach Donald Trump zu benennen

Ein Gast bei „Fox News“ verfolgt diesen Gedanken sogar noch weiter und kommt auf eine wahnsinnige Idee. Der politische Kommentator und Republikaner Geraldo Riviera schlägt vor, Donald Trump zu ehren, indem man den Corona-Impfstoff nach ihm benennt. „Es wäre eine nette Geste für ihn und in einigen Jahren würde es einfach ein generischer Name werden. ‚Hast du deinen Trump schon bekommen?‘ ‚Ja, ich habe meinen Trump schon, alles gut‘“, schauspielert Riviera. „Ich wünschte, wir könnten ihn auf diese Weise ehren, weil er definitiv der Hauptarchitekt der „Operation Warp Speed“ ist.“ Ohne ihn müsste man den harten Winter ohne diesen „wundersamen“ medizinischen Durchbruch überstehen.

Bislang sind in den USA mehr als 283.000 Menschen gestorben, die an Covid-19 erkrankt waren. Wie der Journalist Carl Bernstein enthüllte, habe Donald Trump bereits seit Februar von der Gefahr des Coronavirus gewusst, sie in der Öffentlichkeit jedoch bewusst heruntergespielt.

„Impfgipfel“ mit Donald Trump im Weißen Haus: Impfstoff-Entwickler weigern sich

Erstmeldung vom Dienstag, 8.12.2020, 12.23 Uhr: Washington D.C. - Ein „Impfgipfel“, organisiert von Donald Trump, ist für Dienstag (8.12.2020) im Weißen Haus geplant. Allerdings werden die Hersteller der zwei fortgeschrittensten Impfstoffe gegen das Coronavirus allem Anschein nach fernbleiben. Nach wiederholten verbalen Auseinandersetzungen mit Trump verzichten die Pharma-Unternehmen auf eine weitere politische Show des US-Präsidenten.

„Impfgipfel“ im Weißen Haus: Pfizer und Moderna lehnen Einladung von Donald Trump ab

Wie zuerst die Gesundheits- und Wissenschaftsseite „Stat News“ berichtet, haben die Geschäftsführer von Pfizer und Moderna die Einladung zum „Impfgipfel“ im Weißen Haus abgelehnt. Konkrete Gründe für die Abwesenheit wurden nicht genannt. Vertreter:innen der Pharma-Industrie glauben aber, dass es sich bei dem Event vor allem um einen „PR-Stunt“ von Donald Trump handeln soll. Die Arzneimittelbehörde FDA soll zudem zu einer schnellen Notfallzulassung der Impfstoffe gedrängt werden. Am Donnerstag (10.12.2020) werden nämlich die Daten der Vakzine von Pfizer und Biontech ausgewertet und überprüft. Nächste Woche tagt die FDA für den Impfstoff von Moderna.

Neben ausgewählten Politiker:innen hat Donald Trump auch Vertreter:innen der US-Lieferunternehmen, die in der Verteilung der Corona-Impfstoffe involviert sind, eingeladen – allerdings keine Namen, die hoch in der Hierarchie auftauchen. Mit dem „Impfgipfel“ solle sichergestellt werden, dass die Bevölkerung den Zulassungs- und Verteilungsprozess der Impfstoffe nachvollziehen kann, wie das Weiße Haus mitteilte. „Axios“ berichtet, dass Donald Trump zudem eine „Executive Order“ unterzeichnen wird, die jeder Person in den USA Zugang zu einer Corona-Impfung garantiert.

„Impfgipfel“ mit Donald Trump im Weißen Haus - jedoch ohne Impfstoff-Entwickler Moderna und Pfizer

Zur Spannung trägt auch bei, dass die Regierung um Donald Trump vor der Verkündung der Wirksamkeit auf einen weiteren Deal mit Pfizer verzichtet hatte, mehr als die ursprünglich vereinbarten 100 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs zu bestellen. Das berichtet die „New York Times“. 100 Millionen Dosen werden für 50 Millionen US-Amerikaner:innen ausreichen, da das Vakzin zweimal verabreicht werden muss. Pfizer wird nun voraussichtlich bis Juni oder Juli keine weiteren Dosen liefern können. Die Trump-Administration gab Entwarnung und verwies auf andere Hersteller, die jedoch auch Probleme hinsichtlich der Verfügbarkeit befürchten.

Sechs Tage nach der US-Wahl (9.11.2020) gaben Pfizer und Biontech bekannt, dass ihr entwickelter Corona-Impfstoff zu mehr als 90 Prozent wirksam sei. Auf Twitter warf Donald Trump Pfizer politisch motiviertes Handeln vor beschuldigte sie, den Corona-Impfstoff hinausgezögert zu haben, um seine erhoffte Wiederwahl zu verhindern. Sie hätten „nicht den Mut“ dazu gehabt, die Wirksamkeit des Vakzins noch vor der Wahl zu verkünden. Auch das Unternehmen Moderna attackierte der US-Präsident: „Big Pharma hat während der Wahl Werbeanzeigen für Millionen von Dollar gegen mich geschaltet, die ich im Übrigen gewonnen habe“, teilte der US-Präsident bei einer Pressekonferenz am 20. November mit. „Ohne mich hättet ihr diesen Impfstoff gar nicht.“ (Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © TASOS KATOPODIS/afp

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