Enge Vertraute: Donald Trump und Kim Jong Un präsentieren ihr gutes Verhältnis.
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Enge Vertraute: Donald Trump und Kim Jong Un präsentieren ihr gutes Verhältnis.

„Wir haben uns verliebt“

Bizarre Briefe: Donald Trump verbindet „besondere Freundschaft“ mit Kim Jong Un

  • Tim Vincent Dicke
    vonTim Vincent Dicke
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  • Daniel Dillmann
    Daniel Dillmann
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Donald Trumps Beziehung zu Kim Jong Un ist wohl bizarrer als bisher angenommen. Der nordkoreanische Diktator schmeichelt dem US-Präsidenten in zahlreichen Briefen.

  • Tonbandaufnahmen beweisen, wie Trump den Coronavirus herunterspielt.
  • Donald Trump betont zugleich sein enges Verhältnis zu Kim Jong Un.
  • Der nordkoreanische Diktator soll Trump in zahlreichen Briefen geschmeichelt haben.

Update vom Freitag, 11.09.2020, 12.46 Uhr: 27 Briefe zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zeugen von der bizarren diplomatischen Beziehung der beiden Politiker. „Selbst jetzt noch kann ich den historischen Moment nicht vergessen, als ich die Hand Ihrer Exzellenz gehalten habe“, hieß es in einem von CNN veröffentlichten Auszug aus einem Brief von Kim von Weihnachten 2018. Die Briefe hat der Enthüllungsjournalist Bob Woodward in seinem Buch „Rage“ (Wut) zusammengestellt, dessen Verkauf am 15. September startet.

Donald Trump und Kim Jong Un: Eine bizarre Brieffreundschaft

Wenige Monate nach seinem ersten Treffen mit Kim am 12. Juni 2018 in Singapur sagte Donald Trump vor Anhängern: „Er hat mir wunderschöne Briefe geschickt, es sind großartige Briefe. Wir haben uns verliebt.“ In einem von Kims Briefen heißt es: „Die tiefe und besondere Freundschaft zwischen uns wird wie eine magische Kraft wirken.“

Donald Trump antwortete dem Machthaber, der in dritter Generation Nordkorea beherrscht, sie verbinde „eine besondere Freundschaft geteilt“. Gemeinsam könnten sie „fast 70 Jahre Feindschaft beenden“, schrieb Trump. „Es wird historisch!“

Woodward schreibt in seinem Buch, dass die CIA nicht sicher ausmachen konnte, wer die Briefe von Kim an Trump formuliert habe, dass der US-Geheimdienst sie aber als „Meisterstücke“ einschätze. Die Analysten hätten über das Geschick gestaunt, „genau die richtige Mischung an Schmeichelei“ zu finden und zugleich Trumps Wunsch zu entsprechen, im „Mittelpunkt der Geschichte zu stehen“, schreibt Woodward.

Donald Trump denkt weiterhin an den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un

Auch weiterhin scheint Präsident Trump an seinen Brieffreund Kim Jong Un zu denken. Am Donnerstag (10.09.2020) schrieb er auf Twitter, dass es dem nordkoreanischen Diktator gut gehe. „Unterschätzt ihn nicht!“, fügte er hinzu.

Erstmeldung vom Donnerstag, 10.09.2020, 12.42 Uhr: Washington – Immer mehr pikante Details aus Bob Woodwards neuem Buch über Donald Trump kommen ans Tageslicht. Der US-Präsident hat die amerikanische Bevölkerung nachweislich belogen, er hat seine eigenen Generäle als Weicheier beschimpft, und die Gefahr, die das Coronavirus für die Menschheit bedeutet, heruntergespielt.

Donald Trump auf Tonband: Der US-Präsident schwärmt von Kim Jong Un

Im Unterschied zu bisherigen Enthüllungen sind es diesmal nicht anonyme Mitarbeiter oder verstrittene Verwandte, die dergleichen über Donald Trump behaupten. Diesmal ist es der Präsident der USA selbst, der sich bloßstellt, und sich dabei von Bob Woodward auch noch auf Tonband aufnehmen lässt.

Ganz nebenbei und bislang etwas untergegangen sind die erneuten Lobpreisungen, mit denen Donald Trump Kim Jong Un überschüttet. Dass der US-Präsident den nordkoreanischen Diktator, der auf eine Hungersnot in seinem Land mit dem Befehl, Haustiere zu essen, reagiert, zu seinen engeren Freuden auf der internationalen Bühne zählt, ist längst bekannt. Vor seiner eigenen Anhängerschaft witzelte Trump einst, er und Kim hätten sich ineinander verliebt und würden sich bereits Liebesbriefe hin- und herschreiben.

Kim Jong Un und Donald Trump tauschen sich über brutale Hinrichtungen aus

Im Gespräch mit Bob Woodward legt Donald Trump nun nach. Woodward berichtetet von einer Unterhaltung mit Trump über Kim, in der Donald über den Diktator in höchsten Tönen spricht: „Er ist weit mehr als nur klug.“ Gleichzeitig prahlte Trump mit dem guten Verhältnis, das er und Kim Jong Un pflegen würden. „Er erzählt mir alles“, sagte Trump über Kim. So soll der nordkoreanische Diktator dem US-Präsidenten nach dessen eigener Aussage einen detaillierten Bericht darüber abgegeben haben, wie er seinen eigenen Onkel hatte hinrichten lassen.

Die Rede ist wohl von Jang Song Thaek, einst die graue Eminenz in der nordkoreanischen Diktatur. Im Dezember 2013 setzte Kim Jong Un seinen eigenen Onkel ab und ließ ihn kurz darauf von einem Militärtribunal verurteilen und anschließend hinrichten. Alle Erwähnungen Jang Song Thaeks in offiziellen Dokumenten wurden daraufhin gelöscht, seine Frau verschwand aus der Öffentlichkeit. Seine einzige Tochter hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits das Leben genommen. Unbestätigten Medienberichten zufolge soll Kim seinen Onkel bei lebendigem Leibe hunderten von ausgehungerten Hunden zum Fraß vorgeworfen haben.

Kim Jong Un (r.) und sein Onkel Jang Song Thaek, den er im Dezember 2014 hinrichten ließ.

Donald Trump prahlt mit guten Verhältnis zu Kim Jong Un

Ob es diese Schauergeschichten waren, die Kim seinem Busenfreund Donald Trump erzählt hat, ist bislang nicht bekannt. Wohl aber, dass die Basis für die tiefe Freundschaft der zwei Staatenlenker wohl die gemeinsame Abneigung eines anderen Präsidenten war. Gegenüber Woodward berichtet Trump, dass er unter anderem deshalb so gut mit Kim ausgekommen wäre, weil auch dieser Barack Obama verabscheuen würde. „Er hält ihn für ein Arschloch“, soll Trump zu Woodward gesagt haben.

Unklar bleibt aber weiterhin, warum Donald Trump all das überhaupt Bob Woodward brühwarm auf Band spricht. Woodward hatte bereits bei seinem ersten Buch über Trump („Fear“) um Interviews mit dem US-Präsidenten gebeten. Damals wurden diese aber noch abgelehnt. Nun erklärte sich Trump für mehrere dieser Gespräche bereit.

Die Vermutung liegt nahe, dass Trump in einem unvergleichbaren Anfall von Hybris ernsthaft der Meinung war, er sei in der Lage, eine Reporter-Legende wie Woodward um den Finger zu wickeln. Zum Beispiel mit Nähkästchen-Geschichten über Gespräche mit Diktatoren, in denen man sich über die brutale Hinrichtung naher Verwandter austauscht. (Von Daniel Dillmann)

Doch nicht nur diese besondere Freundschaft schlägt hohe Wellen. Die Reaktionen auf Woodwards Enthüllungsbuch fallen für Donald Trump vernichtend aus.. Trump reagiert auf die Veröffentlichungen, indem er sich mit Winston Churchill vergleicht.

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