Donald Trump im Garten des Weißen Hauses
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Donald Trump will mehr Patriotismus und weniger Unterricht über Sklaverei an den Schulen.

US-Wahl 2020

Trump für „patriotischen Unterricht“ - Jugend soll Amerika mit ganzem Herzen lieben

Donald Trump fordert einen patriotischen Lehrplan anstatt Antirassismus-Programmen. Sein Justizminister vergleicht derweil Corona-Lockdowns mit Sklaverei.  

  • Donald Trump will unbedingt US-Präsident bleiben.
  • Im Wahlkampf zur US-Wahl 2020 wirbt er für mehr patriotischen Unterricht.
  • Doch nach wie vor liegt Donald Trump in den Umfragen hinter Joe Biden.

Washington - Mitten in der Debatte über Rassismus und Diskriminierung in den USA setzt Präsident Donald Trump eine Kommission zur Förderung „patriotischer Bildung“ ein. Die Ausschreitungen in amerikanischen Städten in den vergangenen Monaten seien ein Ergebnis von „Jahrzehnten linker Indoktrination in unseren Schulen“, sagte Trump am Donnerstag. Dabei werde versucht, Schüler dazu zu bringen, sich für die Geschichte des Landes zu schämen. Das sei «eine Form des Kindesmissbrauchs», sagte Trump.

Die per Präsidentenerlass gebildete Kommission für patriotische Bildung solle das ändern. „Unserer Jugend wird beigebracht werden, Amerika mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele zu lieben“, sagte Trump. „Wir wollen, dass unsere Söhne und Töchter wissen, dass sie Bürger der außergewöhnlichsten Nation der Weltgeschichte sind.“
 

US-Wahlkampf 2020: Donald Trump kritisiert Anti-Rassismus-Programm

In seiner Rede am Donnerstag griff der Präsident speziell das „1619“-Projekt der „New York Times“ an. Die Zeitung nahm das Eintreffen des ersten Schiffes mit Sklaven aus Afrika in einer englischen Kolonie in Nordamerika - in Virginia - in dem Jahr zum Anlass, die Rolle der Sklaverei im Werdegang der USA zu analysieren. Donald Trump sprach von einem Kreuzzug gegen die amerikanische Geschichte - „toxische Propaganda, ideologisches Gift“, die das Land zu zerstören drohten.

Donald Trump hatte Anfang des Monats die Bundesbehörden angewiesen, ihre Anti-Rassismus-Schulungen einzustellen. Diese wurden vom Weißen Haus als „spaltende, un-amerikanische Propaganda-Trainingseinheiten“ bezeichnet. Die Entscheidung erging inmitten der seit Monaten anhaltenden Anti-Rassismus-Proteste. Diese waren durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd Ende Mai bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis entfacht worden und wurden seither durch weitere Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze angeheizt.

Trumps Justizminister Barr vergleicht Corona-Lockdown mit Sklaverei

US-Justizminister William Barr hatte bereits am Vortag der Bewegung „Black Lives Matter“, die Diskriminierung und Polizeigewalt gegen schwarze Amerikaner anprangert, vorgeworfen, sie sei nicht wirklich am Schicksal der Menschen interessiert. Sie nutzten „eine kleine Zahl von Schwarzen, die von der Polizei während Konflikten mit der Polizei getötet werden, normalerweise weniger als ein Dutzend pro Jahr, aus, um eine breitere politische Agenda zu verfolgen“, sagte Barr bei einem Auftritt im konservativen Hillsdale College. Er machte keine Angaben dazu, woraus diese Agenda aus seiner Sicht bestehe.

Kritik erntete der Justizminister auch für einen Vergleich an dem Abend. Ein landesweiter Lockdown in der Corona-Krise wäre wie Hausarrest, sagte er. „Neben der Sklaverei, die eine andere Art von Einschränkung war, ist das die größte Verletzung bürgerlicher Freiheiten in der amerikanischen Geschichte“, behauptete Barr.

Der demokratische Kongressabgeordnete James Clyburn bezeichnete das als „lächerlichste, unsensibelste, entsetzlichste“ Äußerung, die er je gehört habe. Joe Biden sagte in einer Fragestunde mit Wählern am Donnerstag: „Ehrlich gesagt, die sind einfach krank.“ Wer habe sich vorstellen können, dass ein US-Justizminister jemals die Empfehlungen von Wissenschaftlern, die Leben retten sollen, mit der Sklaverei vergleich werde, bei der Menschen in Ketten gelegt würden, kritisierte er. „Ich habe nie gedacht, dass ich jemals so eine durch und durch verantwortungslose US-Regierung erleben werde.“

US-Wahl 2020: Trump liegt noch hinter Biden zurück

Dem Präsidenten wird vorgeworfen, seit seinem Amtsantritt Anfang 2017 die starke Polarisierung des Landes vorangetrieben und das politische Klima weiter aufgeheizt zu haben. In seinen Äußerungen zu den Anti-Rassismus-Protesten fokussiert er sich auf die gewalttätigen Ausschreitungen, zu denen es manchmal im Zuge der Proteste kommt. Trump erhebt den Vorwurf, linksgerichtete Gewalttäter hätten die Proteste vereinnahmt.

In den Umfragen zur Präsidentschaftswahl am 3. November liegt Trump aktuell hinter seinem Herausforderer Joe Biden zurück. Der Präsident setzt darauf, durch eine starke Mobilisierung seiner rechtskonservativen Basis die Wahl dennoch zu gewinnen. (FR/dpa/afp)

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