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Verschwörungstheoretikerin

Donald Trump: Ex-Anwältin Sidney Powell als Sonderermittlerin gegen Wahlbetrug?

  • Tim Vincent Dicke
    vonTim Vincent Dicke
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Im Team von Donald Trump herrscht nach dessen Wahlniederlage Chaos. Welche Rolle Sidney Powell spielt, scheint unklar.

  • Donald Trump versucht mit allen Mitteln an der Macht zu bleiben. Verschwörungstheoretikerin und Anwältin Sidney Powell will gegen angeblichen Wahlbetrug vorgehen. Sie will Sonderermittlerin werden.
  • Eine anonyme Zeugin Powells vor dem Supreme Court stellt sich als Pro-Trump-Podcasterin und verurteilte Betrügerin heraus.
  • Trump-News: Alle Hintergrundinformationen und Nachrichten rund um den 45. Präsidenten der USA gibt es auf der Themenseite.

Update vom Sonntag, 27.12.2020, 14.15 Uhr: Zwar soll es um den scheidenden US-Präsidenten Donald Trump immer einsamer werden und auch immer mehr Republikaner:innen wenden sich von Trump ab, dennoch gibt der Wahlverlierer nicht auf und klammert sich weiter verzweifelt an die Macht.

Sydney Powell will offenbar Sonderberaterin von Donald Trump werden. (Archivfoto)

Sidney Powell, eine Anwältin, der auch eine Nähe zu Verschwörungstheorien und der QAnon-Bewegung nachgesagt wird, scheint eine neue Vertraute Donald Trumps zu sein. Trumps enge Berater:innen sollen damit allerdings nicht einverstanden sein. Schon zuvor sollen die Theorien Powells selbst Rudy Giuliani, Trumps persönlichem Anwalt, zu viel geworden sein. Er kündigte an, dass sie nicht mehr Teil des Anwalts-Teams sei. Nun gibt es offenbar Uneinigkeit und Chaos bezüglich der Zuständigkeit von Sidney Powell.

Donald Trump scheint eine neue Vertraute zu haben: Sidney Powell. (Archivfoto)

Will Donald Trump die Verschwörungstheoretikerin Sidney Powell als Sonderermittlerin?

Die „Washington Post“ deckte kürzlich auf, dass Powells Zeugin vor dem Supreme Court, die Wahlbetrug bezeugen und die jedoch anonym bleiben sollte, eine verurteilte Betrügerin und Pro-Trump-Podcasterin ist. Sidney Powell selbst beschwerte sich in einem Interview mit „Zenger New“, dass weitere Treffen oder Kontakt zu Donald Trump von dessen engsten Mitarbeitern, vor allem von Mark R. Meadows, Robert C. O‘Brien und Pat A. Cipollone, unterbunden werden.

Donald Trump: Wollen seine Vertraute Powell von Trump fernhalten?

Bei einem vergangenen, dem offenbar vorerst letzten Treffen am 18. Dezember im Weißen Haus sollen neben Powell auch die engsten Mitarbeiter:innen Meadows, O‘ Brien und Cipollone anwesend sowie Rudy Giuliani zugeschaltet gewesen sein, berichtet „Newsweek“. Offenbar kam es zum Streit, wer es am besten mit Donald Trump meine. Seitdem habe Powell Trump nicht mehr gesehen und keinen Zugang mehr zu ihm erhalten. Donald Trump selbst habe ihr nach eigener Aussage angeboten, sie als Sonderermittlerin, („Special Council“), einzusetzen. Sie habe allerdings keine schriftliche Bestätigung von ihm erhalten. Ein weiteres Treffen, das zwei Tage später mit Trump stattgefunden haben soll, stritt Powell ab.

Powell soll von engen Vertrauten Donald Trumps keinen Zugang mehr zum Weißen Haus erhalten

In den USA kann der Attorney General einen Sonderermittler einsetzen. Der US-Präsident kann jedoch einen Sonderermittler:in des Weißen Hauses ernennen, wie Newsweek anmerkt. In dieser Position hätte Powell mehr Rechte und Zugänge zum Weißen Haus. Sie kündigte in dem Interview mit Zanger News bereits an, dass sie keine Sonderermittlerin wie Robert Mueller sein werde. Bei der Einsetzung Muellers, der die Russland-Affäre untersuchte, twitterte Trump damals, dass dies „total verfassungswidrig“ sei.

Zeugin für angeblichen Wahlbetrug ist eine verurteilte Betrügerin

Erstmeldung vom Samstag, 26.12.2020, 13.00 Uhr: Washington – Donald Trump klammert sich an seine Macht, der scheidende US-Präsident will unter keinen Umständen das Weiße Haus verlassen. Verbündete und Kabinettsmitglieder verlassen die Regierung, der Rückhalt in der Republikanischen Partei schwindet immer weiter.

Trump sucht sich derweil neue Vertraute, darunter Personen wie Sidney Powell. Die verschwörungstheoretische Anwältin legt sich für den Noch-Amtsinhaber ins Zeug und geht juristisch gegen angeblichen Wahlbetrug vor – mit merkwürdigen Methoden.

Donald Trumps Kampf um die Wahl: Angebliche Geheimdienst-Zeugin ist verurtelite Betrügerin

Vor dem Supreme Court legte Sidney Powell eine eidestattliche Erklärung einer angeblichen Geheimdienstlerin vor, die von einer ausländischen Verschwörung zu Ungunsten Donald Trumps bei der US-Wahl 2020 wisse. Die Identität der Zeugin wollte Powell jedoch nicht offenlegen. Der Grund: „Ruf, berufliche Karriere und persönliche Sicherheit“ der anonymen Person müssten geschützt werden, um ihr Leben nicht in Gefahr zu bringen.

Sidney Powell kämpft als Anwältin für Donald Trump. (Archivfoto)

Doch diese Darstellung ist wohl eine blanke Lüge. Nach Recherchen der US-amerikanischen Tageszeitung „Washington Post“ handelt es sich bei der Zeugin um Terpsichore Maras-Lindeman. Die 42-Jährige ist Podcasterin und eine glühende Anhängerin Donald Trumps. In der Vergangenheit wurde sie wegen Betrugs verurteilt. Teile ihrer eidesstattlichen Erklärung vor Gericht stimmen dem Bericht nach mit einem Blogeintrag überein, den Maras-Lindeman im November 2019 veröffentlichte – einige Parts sogar wortwörtlich.

Zeugin über Niederlage Donald Trumps: „Es ist einfach nicht fair“

In einem Interview bestätigte die Trump-Unterstützerin, dass sie die eidesstattliche Erklärung geschrieben habe. Sie sehe das als Beitrag im Kampf gegen Betrug bei der Präsidentschaftswahl im November an. „Das ist die Pflicht eines jeden“, sagte sie in dem Gespräch. „Es ist einfach nicht fair.“

Der scheidende US-Präsident spricht seit Wochen von massivem Wahlbetrug. In einer am Dienstagabend (22.12.2020) veröffentlichten Videobotschaft erklärte Donald Trump, er habe die US-Wahl 2020 mit einem „wundervollen Erdrutschsieg“ gewonnen. Joe Biden „hat nicht gewonnen“, betonte er. Die Demokraten hätten einen „monströsen“ Wahlbetrug organisiert, der die Demokratie untergraben habe.

Donald Trump hat für seine Behauptungen bis dato keine stichhaltigen Beweise vorgelegt. Er und seine Verbündeten bemühten sich auf dem Rechtsweg erfolglos, die Ergebnisse anzufechten. Viele in den Bundesstaaten für die Durchführung der Wahlen Verantwortlichen – Demokraten und Republikaner – wiesen Trumps Behauptungen zurück. Selbst der zurückgetretene Justizminister William Barr erklärte zuletzt, dass es keine Hinweise auf systematischen Wahlbetrug gebe.

Kampf für Donald Trump: Maras-Lindeman sammelt Geld für Obdachlose und gibt es für McDonald‘s aus

Donald Trump bleiben nur noch unseriöse Verbündete und Verschwörungsmythen wie die von Maras-Lindeman. Die Podcasterin hatte in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit der Justiz. In North Dakota wurde sie von einem Richter zu einer Geldstrafe von 25.000 US-Dollar verdonnert, nachdem sie vermeintlich um Spenden für Obdachlosenheime und Kränze für Veteranengräber gebeten hatte. Laut „Washington Post“ gab sie das Geld jedoch viel lieber für Fastfood bei McDonald’s sowie Produkte beim Teleshopping-Sender QVC aus.

Powells Vertrauen in die Aussagen Maras-Lindemans dürfte im Umfeld Donald Trumps weitere Fragen über die Kompetenz der Anwältin aufwerfen. Erst kürzlich kam es im Oval Office zu einem extrem hitzigen Treffen mit Powell und Beratern des US-Präsidenten. Der scheidende Amtsinhaber soll unter anderem diskutiert haben, Powell zur Sonderermittlerin für angeblichen Wahlbetrug einzusetzen. Selbst Rudy Giuliani ging das Treffen zu weit, im Weißen Haus wurde es laut.

Bei dem Meeting im Oval Office ist laut US-Medien zudem die Option diskutiert worden, dass die Regierung Wahlmaschinen beschlagnahme, um den Betrugsvorwürfen nachzugehen. Powell glaubt und verbreitet den bizarren Mythos, dass Venezuelas Führung Software zur Stimmauszählung manipuliert habe, um den Ausgang der Präsidentschaftswahl in den USA zu beeinflussen.

Donald Trump tobt auf Twitter: US-Wahl 2020 unsicherer als Wahlen in Afghanistan

In der eidestattlichen Erklärung wurde diese Darstellung unterstützt. Maras-Lindemans behauptete darin, dass Wahlmaschinen des Herstellers Dominion gehackt und Stimmen manipuliert wurden. „Die Abstimmung ist nicht sicher, wenn man diese Maschinen benutzt“, schrieb sie. Aus- und innländische Kriminelle könnten in die Software eindringe^fdn.

In einem Statement wies der Hersteller die Vorwürfe, die auch Donald Trump verbreitet hatte, zurück. Sie seien „unbegründet, sinnlos, physikalisch unmöglich und durch keinerlei Beweise gestützt.“ Trump dagegen tobt weiterhin auf Twitter. „Unsere Wahl mit Millionen und Abermillionen korrupter Briefwahlzetteln war die Wahl eines Landes der Dritten Welt. Falscher Präsident!“, schrieb er am Samstag (26.12.2020). Ein junger, in Afghanistan dienender Soldat, habe ihm gesagt, dass die Wahlen dort sicherer seien. (Tim Vincent Dicke)

Rubriklistenbild: © BRENDAN SMIALOWSKI / afp

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