Zwei Sitze in Georgia zur Wahl

US-Wahl im Senat: Republikaner drohen Mehrheit an Demokraten zu verlieren

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Bei der US-Wahl 2020 steht die Mehrheit der Republikaner im Senat auf der Kippe. In Georgia kommt es gleich zu zwei engen Rennen.

  • US-Wahl 2020: Außer dem Präsidenten wird am 3. November 2020 auch ein neuer Kongress gewählt. Im Senat könnte es zum Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Republikanern und Demokraten kommen.
  • Alexandria Ocasio-Cortez bezeichnet einen Trump-Unterstützer und Kandidaten für South Carolina als Klimaleugner.
  • News zur US-Wahl 2020: Alle Informationen zu den Wahlen in den Vereinigten Staaten.

+++ 17.48 Uhr: Am 3. November stehen 35 von 100 Sitzen im US-Senat zur Wahl. Die Republikaner könnten ihre derzeitige Mehrheit von 53 zu 47 Sitzen zum ersten Mal seit 2014 an die demokratische Partei verlieren. Dafür müssen die Demokraten drei Sitze und das Weiße Haus gewinnen. Sollte Donald Trump wiedergewählt werden, werden mindestens vier Sitze benötigt. In Georgia stehen gleich zwei Sitze zur Wahl, die über die Mehrheit im Senat entscheiden könnten.

Der republikanische Senator David Perdue befindet sich in Georgia in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Herausforderer Jon Ossoff. Ebenfalls zur Wahl steht der libertäre Shane Hazel. Sollten weder Perdue noch Ossoff die benötigten 50 Prozent erreichen, kommt es zwischen ihnen am 5. Januar zur Stichwahl.

Währenddessen kämpfen in Georgia in einer Sonderwahl die Republikanerin Kelly Loeffler, vorübergehend als Junior-Senatorin im Amt, der republikanische Kongressabgeordnete Doug Collins und der Demokrat Raphael Warnock um den Platz im Senat. Dass einer von ihnen mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält, ist unwahrscheinlich. Dazu spalten Loeffler und Collins die republikanischen Stimmen. Auch hier wird es aller Voraussicht nach zur Stichwahl am 5. Januar kommen. Der neue Senat wird allerdings schon am 3. Januar zusammentreffen. Ein oder zwei Sitze werden zu Beginn also offen und schließlich für die Mehrheit einer Partei entscheidend sein. Mehrheitsführer der Republikaner Mitch McConnell spricht von einer 50/50-Chance, dass die Demokraten die Mehrheit im Senat erringen.

Der Bundesstaat Georgia könnte für die Mehrheit einer Partei im US-Senat entscheidend sein.

US-Wahl im Senat: Lindsey Graham bangt um seinen Sitz - Demokratischer Schwung in South Carolina

Update vom Sonntag, den 01.11.2020, 13.30 Uhr: Beobachter:innen zufolge ist der Senatssitz des Republikaners Lindsey Graham für den Bundesstaat South Carolina wackelig. Umfragen zeigen, dass Graham zwar noch vor seinem demokratischen Herausforderer Jaime Harrison liegt, aber dieser soll in den letzten Wochen vor den US-Wahlen Aufwind bekommen haben.

Die junge Demokratin Alexdria Ocasio-Cortez übte scharfe Kritik an dem republikanischen Kandidaten für den Senat aus South Carolina Lindsey Graham.

Donald Trump muss bei US-Wahl 2020 um South Carolina bangen

Es wird vermutet, dass dies der Grund dafür ist, dass Vize-Präsident Mike Pence nach South Carolina gereist ist, um dem Trump-Unterstützer Graham im Wahlkampf unter die Arme zu greifen.

Nun hat die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez den Republikaner Lindsey Graham auf Twitter stark kritisiert. Grund für die empörten Tweets von Alexandria Ocasio-Cortez waren die Äußerungen Grahams über seinen demokratischen Herausforderer Jaime Harrison: Graham hatte behauptet, dass Harrison die Wirtschaft South Carolinas zugunsten seiner Klimapolitik zerstören werde.

US-Wahl 2020: Alexandria Ocasio-Cortez teilt gegen Trump-Unterstützer auf Twitter aus

Alexandria Ocasio-Cortez sprach Lindsey Graham in ihrem Tweet direkt an und verglich das Verhalten des Republikaners mit „einem nassen Handtuch“. Sie sei nicht sicher, ob Graham an irgendetwas glaube, als daran, sich selbst zu erhalten. Trump-Unterstützer Graham würde die Klimakrise leugnen, schrieb Ocasio-Cortez außerdem in ihrem Tweet. Sie habe viel Rückhaltlosigkeit in Washington gesehen, aber Graham wäre ganz oben dabei, wenn es darum ginge, eigene Werte wie ein „nasses Handtuch“ zu verwerfen. Graham gilt auch als Vertrauter von Donald Trump.

US-Wahl im Senat: Republikanern droht herbe Niederlage - Donald Trump wendet sich bereits ab

Erstmeldung vom Freitag, den 30.10.2020, 12.00 Uhr: Washington - Donald Trump ist von seinem Sieg bei der US-Wahl 2020 fest überzeugt. Zuletzt hat er eine „große rote Welle“ angekündigt, eine triumphalen Erfolg der Republikaner also. Das scheint aber nur für die Präsidentschaftswahl zu gelten. Auffallend ist jedenfalls, dass Trump den mindestens ebenso wichtigen Kampf um die beiden Kammern des Kongresses weitgehend ignoriert.

US-Wahl 2020: Republikaner könnten viele Sitze im Senat an die Demokraten verlieren

Gewiss, die Chance, dass die Republikaner das Repräsentantenhaus zurückerobern, geht gegen null. Doch was ist mit dem Senat? Für jeden US-Präsidenten ist es ja von elementarer Bedeutung, dass seine Partei außer dem Weißen Haus auch den Senat kontrolliert. Sonst kann ein Präsident innenpolitisch nur wenig nachhaltig verändern.

Donald Trump und Lindsey Graham sind eigentlich dicke Kumpel - auch wenn‘s nicht immer so aussieht.

Noch aber verfügen die Republikaner über eine Mehrheit von 53 zu 47 Sitzen im Senat. Das könnte sich nun ändern, denn am 3. November stehen immerhin 35 von 100 Sitzen zur Wahl. Und in 14 Fällen ist ein enges Rennen zwischen den Kandidaten zu erwarten. Hier ein kurzer Überblick über die umkämpften Sitze im Senat, die die republikanische Partei verlieren könnte.

BundesstaatRepublikaner:inDemokrat:in
AlaskaDan SullivanAl Gross
ArizonaMarthy McSallyMark Kelly
ColoradoCory GardnerJohn Hickenlooper
GeorgiaDavid PerdueJon Osoff
Georgia (special)Kelly Loeffler, Doug Collins Raphael Warnock
IowaJoni ErnstTheresa Greenfield
MaineSusan CollinsSara Gideon
MontanaSteve DainesSteve Bullock
North CarolinaThom TillisCal Cunnigham
South CarolinaLindsey GrahamJaime Harrison

Wahlkampf in Arizona: Donald Trump demütigt Martha McSally

Gerade auch Martha McSally muss in Arizona gegen den ehemaligen Astronauten Mark Kelly mit einer schweren Niederlage rechnen. Und was macht Donald Trump? Statt McSally bei einer Wahlkampfveranstaltung in Goodyear noch einmal Mut zuzusprechen, fiel er ihr mit einem fast schon demütigenden Verhalten in den Rücken.

Es begann ganz harmlos, als Donald Trump behauptete, McSally werde „von allen respektiert“, nur um dann deutlich zu machen, dass dem ganz und gar nicht so ist. „Martha, komm einfach schnell hoch! Schnell! Schnell! Komm schon. Schnell! Du hast eine Minute!“, schrie Trump in die Menge. „Eine Minute, Martha! Das wollen sie nicht hören, Martha. Komm schon. Los geht‘s. Schnell, schnell, schnell, schnell. Komm schon. Los geht‘s.“

Dass Donald Trump Frauen gegenüber nicht immer respektvoll auftritt, ist ja bekannt. Die Zahl der Frauen, die den US-Präsidenten mit Vorwürfen der sexuellen Übergriffe belasten, ist entsprechend groß. Aber McSally scheint für Donald Trump auch zu den „Losern“ zu gehören – und mit einer Verliererin hat er nun mal nichts am Hut.

US-Wahl 2020: Donald Trump lässt auch Golfpartner Lindsey Graham links liegen

Könnte das auch für seinen Intimus Lindsey Graham gelten, ist auch er ein „Loser“ in den Augen von Donald Trump? Zumindest wird es Trump sicher nicht gefallen, dass Graham ausgerechnet im republikanisch geprägten South Carolina um seinen Senatssitz zittern muss. Zwar liegt Graham in vielen Umfragen noch vor seinem demokratischen Herausforderer Jaime Harrison, doch der hat in den vergangenen Wochen deutlich Aufwind bekommen. Eine Niederlage Grahams liegt also durchaus im Bereich des Möglichen.

Doch Graham sollte für Donald Trump eigentlich mehr sein als nur ein Senator und Parteifreund. Es gibt wohl keinen Republikaner, der Trump inbrünstiger verteidigt als Lindsey Graham. Und dann spielen sie auch noch gerne gemeinsam eine Runde Golf. Die Zeiten, als Graham seinem Golfpartner die Eignung fürs Präsidentenamt absprach, sind ja schon lange vorbei. Das war vor der US-Wahl 2016.

South Carolina: Lindsey Graham muss um Wiederwahl zittern

Warum also hat Donald Trump den 65-Jährigen im Wahlkampf bisher vollständig ignoriert? Auch bei einem Aufritt am 27. Oktober in Greenville musste Graham ohne die Unterstützung von Donald Trump auskommen. Immerhin war die zweite Kraft im Staate vor Ort, aber Vizepräsident Mike Pence ist nun mal nicht Trump.

Vielleicht ja deshalb, weil es ein schlechtes Zeichen für die Republikaner wäre. Dass schon Mike Pence zur Unterstützung anreisen musste, sorgte für Verwunderung in South Carolina. Wie viel erstaunlicher wäre es aber, wenn im Endspurt des Wahlkampfs Donald Trump persönlich in eine „rote“ Hochburg reisen müsste, um einem republikanischen Kandidaten unter die Arme zu greifen? Das wäre auf jeden Fall ein Zeichen, dass die Wiederwahl von Lindsey Graham tatsächlich auf der Kippe steht. (Christian Stör)

Rubriklistenbild: © JUSTIN SULLIVAN/AFP

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