Jenna Ellis

Früher nannte sie Donald Trump einen „Idioten“ - heute berät sie ihn juristisch

  • vonMirko Schmid
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Jenna Ellis ist Mitglied des „Legal Teams“ um Donald Trump. Die Rechtsberaterin beleidigte ihn noch 2016 öffentlich und nannte ihn einen „Tyrannen“, dem man nicht vertrauen könne. Heute berät sie ihn.

  • Donald Trump kämpft mit einem Team aus Anwälten, dem „Legal Team“ um Rudy Giuliani, gegen das Ergebnis der US-Wahl 2020.
  • Die stellvertretende Leiterin des Anwaltsteams, Jenna Ellis, sprach noch vor wenigen Jahren sehr schlecht über Trump.
  • Trump News: Hier finden Sie alle Infos zum abgewählten Präsidenten der USA.

Washington D.C. - Dass nicht alle im Umfeld von Donald Trump von ihm überzeugt sind, hat sich in Kreisen der US-Politik schon rumgesprochen.

Dass ihn eine aktuelle Mitarbeiterin und Beraterin noch vor wenigen Jahren wüst beleidigt hatte ‒ und das öffentlich ‒ hat allerdings eine bisher selten erlebte Qualität. Jenna Ellis, stellvertretende Leiterin des „Legal Teams“, der kleinen Armee aus Anwältinnen und Anwälten rund um Donald Trump, ist sich nicht zu schade, für einen Mann zu arbeiten, den sie offensichtlich noch vor einigen Jahren verachtete.

Jenna Ellis im Wahlkampf für Donald Trump: Wenige Jahre zuvor nannte sie den abgewählten US-Präsidenten noch „Idiot“ und „Tyrann“.

Jena Ellis bezeichnete Donald Trump 2016 „ekelhaft“, „Tyrann“ und „kein echter Christ“

Die Anwältin und ehemalige Juraprofessorin Jenna Ellis aus Colorado gilt als eine der vehementesten Verteidigerinnen von Donald Trump und dessen völlig aus der Luft geholten Vorwürfen eines angeblichen „Wahlbetrugs“. „CNN KFile“, ein Team aus online recherchierenden Investigativ-Journalisten des Nachrichtensenders „CNN“, konnte im Rahmen einer Überprüfung von Ellis‘ Online-Aktivitäten und verschiedener Radio-Interviews nachweisen, dass Trumps Verteidigerin noch im Jahr 2016 brachial über den scheidenden US-Präsidenten hergezogen war.

So nannte Jenna Ellis Donald Trump unter anderem einen „groben und arroganten Idioten“ und einen „Drecksack“. Außerdem sei Trump ein „Tyrann“, dessen Worte sachlich nicht zutreffend seien, weswegen man diesen nicht vertrauen könne. Trumps Kommentare über Frauen („grab her by the pussy“) nannte Ellis „ekelhaft“ und bezeichnete Trump als „keinen echten Christen“. Am 1. März 2016 teilte Trumps heutige Rechtsberaterin einen Artikel, in dem Donald Trump als „amerikanischer Faschist“ bezeichnet wird. Ihr Urteil: „Trumps Werte sind nicht konservativ und nicht amerikanisch.“

Donald Trump: Früher verabscheut, heute verteidigt - Jenna Ellis

Doch damit nicht genug. An anderer Stelle schrieb Jenna Ellis: „Donald Trump kann mit Kritik nicht umgehen. Das ist wahnsinnig gefährlich für die grundlegenden amerikanischen Werte und das unveräußerliche Recht auf freie Meinungsäußerung.“ Starke Worte. Trump sei, so die heutige Rechtsberaterin des „Tyrannen“, „eine der größten Bedrohungen für unsere Freiheit“. Eine Bedrohung, für die sie jetzt, nur wenige Jahre später, mit Verve kämpft.

Wie schnell Jenna Ellis ihre Meinung ändern kann, bewies sie im Oktober 2016 - nur wenige Monate, nachdem sie gesagt hatte, dass Donald Trump „auf keinen Fall“ der Kandidat der Republikaner zur Präsidentschaftswahl im selben Jahr werden dürfe. Eine Nominierung Trumps durch die republikanische Partei später klang Ellis dann nämlich ganz anders. Nachdem Trump Hillary Clinton im Rahmen des zweiten TV-Duells, einer sogenannten „Townhall-Debate“, zwischen den damaligen Präsidentschaftskandidaten verfolgt hatte wie ein Raubtier seine Beute, zeigte Ellis keine Rücksicht für die Forderung von Frauenrechtsbewegungen, Trump solle als Kandidat abtreten.

Kaum war Donald Trump Präsidentschaftskandidat, stand Jenna Ellis auf dessen Seite

Eine Wahl für Donald Trump mit einer Zustimmung für sexuelle Übergriffe auf Frauen gleichzusetzen sei „mehr als verrückt“, schrieb die in kürzester Zeit gewendete Jenna Ellis am 10. Oktober 2016 auf Facebook. Es gehe schließlich nur darum, ob Trump oder Hillary Clinton auf Barack Obama folgen würde. Außerdem sei sie eine Christin, für die „Sünde Sünde ist“ und sie erfülle „meine Pflicht, mein Land so gut ich kann zu schützen, was ich persönlich kann beinhaltet den Schutz des Lebens und unserer unveräußerlichen Rechte“.

Die Abtreibungsgegnerin Ellis nannte Donald Trump außerdem den Kandidaten, der gegen das Recht auf Abtreibung und für eine erzkonservative Besetzung des Supreme Courts stehe. Außerdem habe sich Trump ja schließlich für seine frauenfeindlichen „Worte und Handlungen entschuldigt“. Die „ekelhaften“ Kommentare des „unechten Christen“ waren vergessen. In Rekordzeit.

Jenna Ellis stützt die „Wahlbetrug“-Lüge von Donald Trump

Inzwischen steht Jenna Ellis kompromisslos und loyal hinter Donald Trump. Seine Märchen von einem „Wahlbetrug“ verteidigt Ellis wie kaum jemand sonst öffentlich, aggressiv und lautstark. Am Tag nach der US-Wahl 2020 twitterte Ellis: „Präsident Trump hat absolut das Recht, sich alle rechtlichen Optionen bezüglich der Bewertung der Ergebnisse offen zu halten. Er setzt sich für den Schutz der Wahlintegrität und die Verteidigung der Verfassung ein. Wir sind eine Nation von Regeln, keine Herrscher.“ Man kann gespannt sein, wie lange Ellis diesmal zu ihren eigenen Worten steht. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Trevor Gass via www.imago-images.de

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