Treffen in Washington D.C.

Donald Trump und Dom Pérignon: Was haben die Republikaner in Michigan vor?

  • vonMirko Schmid
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Hochrangige Politiker der Republikaner aus Michigan vergnügen sich im Trump International Hotel. Donald Trump will in dem Bundesstaat weiter die Beglaubigung der Wahlergebnisse verhindern.

  • Donald Trump trifft sich mit hochrangigen Abgeordneten der Republikaner aus dem Swing State Michigan.
  • Noch immer versucht Trump, die Zertifizierung der Wahlergebnisses in Michigan zu verhindern.
  • Trump News: Hier finden Sie alle Hintergrundinformationen und Neuigkeiten rund um den scheidenden Präsidenten.

Washington D.C. - Wieder einmal ist Donald Trump der Grund für allgemeine Empörung in den USA. Genauer gesagt diesmal in Michigan. Dort traf sich der abgewählte Präsident, der sich weiter entgegen jedweder Realität als Sieger der US-Wahl 2020 inszeniert, mit hochrangigen republikanischen Parlamentsabgeordneten des Bundesstaates. Was genau besprochen wurde, bleibt nach unterschiedlichen Aussagen unklar.

Lee Chatfield und Mike Shirkey: Was planen die Republikaner in Michigan nach Treffen mit Donald Trump?

Während in Michigan Corona wütet, trinken Abgeordnete Dom Pérignon im Hotel von Donald Trump

Klar aber ist: Im Anschluss ließen sich unter anderem Lee Chatfield, Sprecher des Repräsentantenhauses von Michigan, und sein Fraktionskollege Jim Lilly dabei ablichten, wie sie ohne Masken und Abstand im Trump International Hotel den hochpreisigen Champagner Dom Pérignon tranken. Eigentlich eine Randnotiz, aber in Zeiten, in denen in Michigan rund 10.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus vermeldet werden und die Republikaner um Donald Trump erschreckend wenig gegen die Pandemie unternehmen, sorgt das hedonistische Gelage für Entsetzen.

Eine Flasche des Perlweins kostet im Trump-Hotel 500 bis 950 Dollar. Sollte der Champagner ein Präsent von Donald Trump gewesen sein, wirft das Fragen auf. Die erste Frage: Von welchem Geld hat Trump den Dom Pérignon im eigenen Hotel bezahlt? Sollte ein Spesenkonto im Spiel sein, wären es Steuergelder, mit denen Trump sein eigenes Unternehmen um einige tausend Dollar reicher gemacht hat. Die zweite Frage: Wofür wurden die Abgeordneten belohnt?

Michigan: Nach seinem Treffen mit Donald Trump weicht Senator Mike Shirkey Fragen aus

Michigan ist einer der Staaten, die Donald Trump knapp an Joe Biden verloren hatte, nachdem er dort 2016 noch siegreich war. Wie im Zusammenhang mit allen Staaten, die knapp an Biden gingen, fabulieren Trump und sein manischer persönlicher Anwalt Rudy Giuliani von „Wahlbetrug“. Und auch wenn Parlamentssprecher Chatfield und Mike Shirkey, Anführer der Senatsmehrheit der Republikaner in Michigan, im Nachgang des Treffens mit Donald Trump öffentlich beteuerten, nicht in die laufenden Rechtsverfahren eingreifen und mit dem „normalen juristischen Ablauf fortfahren“ zu wollen, stehen sie jetzt unter besonderer Beobachtung.

Immerhin versucht Trump mit dem Argument des angeblichen Wahlbetrugs eine Zertifizierung der Wahlergebnisse in mehreren Bundesstaaten zu verhindern, so auch in Michigan. Das ist laut einem Bundesgesetz tatsächlich möglich. Das könnte im Extremfall dazu führen, dass ein von Trumps Republikanern kontrolliertes Landesparlament am Willen der Wählerinnen und Wähler vorbei einfach eigene Wahlleute bestimmen würde, die dann im Electoral College am 14. Dezember für Trump stimmen.

Donald Trump selbst heizte die Gerüchteküche weiter an, indem er sein Lieblingsspielzeug Twitter zur Hand nahm und kryptisch verlauten ließ, dass das Statement der Abgeordneten „wahr“ gewesen sei, die Medien allerdings nicht richtig darüber berichten würden. Staatssenator Mike Shirkey wurde im Anschluss an das Treffen mit Trump am Flughafen abgefangen und danach befragt, was der Inhalt seines Treffens mit dem 45. Präsidenten der USA gewesen sei. Statt inhaltlich zu antworten, wich er den Fragen der Journalistin („Hat Joe Biden die Wahl gewonnen?“, „Wird Donald Trump seine Niederlage eingestehen?“) zunächst aus. Dann begann er zu singen.

Donald Trump lässt die Porträts der Abgeordneten aus Michigan an sein Hotel projizieren

Donald Trump wäre nicht Donald Trump, würde er der gesamten Show nicht noch die Krone aufsetzen. An die Fassade seines Hotels in Washington D.C. ließ Trump die Porträts von Mike Shirkey und Lee Chatfield projizieren. Außer den Namen und Gesichtern der beiden Abgeordneten ließ Trump zwei Botschaften einblenden: „Die Welt schaut hin“ und „Die Wähler haben entschieden“.

Was wie eine Einsicht in die eigene Wahlniederlage gelesen werden könnte, bedeutet für Donald Trump natürlich das absolute Gegenteil. Auch wenn er landesweit rund sechs Millionen weniger Stimmen als Joe Biden erhalten und die Präsidentschaftswahl auch in fast allen wichtigen Swing States verloren hat, sieht er sich weiter als Sieger. Aus diesem Grund sieht Trump seine klare Wahlniederlage nicht ein und spinnt weiter an seinem Märchen vom „Wahlbetrug“. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Kathleen Gray via www.imago-images.de

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