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Donald und Melania Trump vor dem Lincoln Memorial.

Unabhängigkeitstag

Trumps große Party zum Unabhängigkeitstag stürzt Washington in eine finanzielle Krise

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Donald Trump feiert eine riesige Fete zum Unabhängigkeitstag. Die kostet natürlich Geld. Nun steht ein Spezialfonds der Stadt Washington kurz vor dem Bankrott.

  • Stadt Washington will Geld von Trump
  • Salute to America: Trump plant die „größte Versammlung in Geschichte“
  • Lastwagen transportieren Panzer in die Hauptstadt
  • Soldaten bekommen Standardantworten vom Pentagon angereicht


Update, 11. Juli, 13.25 Uhr: Donald Trumps große Fete zum Unabhängigkeitstag liegt nun eine Woche zurück. Zeit also, um Bilanz zu ziehen. Die fällt, vorsichtig formuliert, recht düster aus. Man könnte natürlich auch sagen: Es tun sich geradezu Abgründe auf. Wie die „Washington Post“ berichtet, rechnete Washingtons demokratische Bürgermeisterin Muriel Bowser dem Weißen Haus in einem Brief vor, dass die Feier des Präsidenten die Stadt knapp 1,7 Millionen Dollar gekostet habe. 

Das wirkt sich vor allem auf einen vom Bund finanzierten Notfall- und Sicherheitsfonds der Stadt aus. Laut Bowser wird das Defizit des Spezialfonds, der dem Schutz vor terroristischen Bedrohungen und der Gewährleistung der Sicherheit bei Veranstaltungen wie Kundgebungen und Staatsbegräbnissen dient, am Ende des laufenden Geschäftsjahres am 30. September schätzungsweise sechs Millionen US-Dollar betragen.

Irgendwer muss für die Kosten aufkommen, aber wer? Am besten wohl die Trump-Regierung. Die Bürgermeisterin forderte das Weiße Haus auf, das Geld für den vollständig zu erstatten. Sonst würden die Washingtoner in die beispiellose Lage versetzt, Bundesausgaben mit Steuergeld zu finanzieren.

Eine Stadt auf Kosten sitzen zu lassen, kommt bei Trump nicht selten vor. So hat El Paso dem Wahlkampfteam des Präsidenten mitgeteilt, dass eine Rechnung über knapp eine halbe Million Dollar für eine eine im Februar abgehaltene Kundgebung seit mehreren Monaten nicht bezahlt worden sei. 

Trumps große Party zum 4. Juli

Update, 05. Juli 13:55 Uhr: Donald Trump bekam zum Unabhängigkeitstag, was er sich schon seit zwei Jahren gewünscht hatte. Eine Militärparade inklusive Kampfbomber und Panzer, eine Rede vor dem Lincoln Memorial und ein Feuerwerk.

Zwar vermasselte das Wetter dem US-Präsidenten ein bisschen die Show - Leute in Washington DC sahen aufgrund der dichten Wolkendecke wenig bis gar nichts vom Feuerwerk. 

Feuerwerk am Lincoln Memorial zum Unabhängigkeitstag.

Dafür freuten sich gleich zwei große Feuerwerkshersteller über ein Einlenken des US-Präsidenten im Handelskrieg mit China: Phantom Fireworks und Grucci.

Beide hatten laut eines Berichts des Nachrichtensenders ABC kurz vor der Lockerung der Sanktionen durch die Trump-Regierung Feuerwerkskörper im Gesamtwert von rund einer Million US-Dollar für Trumps große Patrioten-Party mit dem Titel „Salute to America“ gespendet. Und sie bekamen, was sie wollten. Am selben Tag, an dem sie die Spende verkündeten, gab Trump bekannt, zunächst keine weiteren Zölle auf Produkte aus China zu erheben.

Donald Trump mit patriotischer Ansprache zum Unabhängigkeitstag

Update, 05. Juli 06:00 Uhr:  „Heute ist unsere Nation stärker als jemals zuvor“, sagte Trump am Donnerstag am Lincoln Memorial in Washington vor zehntausenden Zuhörern. „Für Amerikaner ist nichts unmöglich.“ Die oppositionellen Demokraten warfen Trump vor, sich am Unabhängigkeitstag in den Mittelpunkt der Feierlichkeiten zu stellen.

Rede hinter Panzerglas: Donald Trump, Präsident der USA, spricht am Unabhängigkeitstag vor dem Lincoln Memorial.

Trump ging in seiner Rede auf wichtige Momente der US-Geschichte ein, pries die US-Armee, militärische Erfolge, wissenschaftliche Entdeckungen, Pioniertaten in der Raumfahrt und technologische Errungenschaften. Er würdigte auch die Polizei, Einsatzkräfte bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und Vertreter der US-Einwanderungspolizei ICE, die in der Migrationskrise an der Grenze zu Mexiko in Kritik geraten ist.

Die USA seien die „außergewöhnlichste Nation in der Weltgeschichte“, sagte Trump. „Was für ein großartiges Land.“ Die Zuschauer riefen bei regnerischem Wetter immer wieder „USA! USA!“. Anders als von Kritikern vermutet nutzte Trump seine Rede aber nicht für Verbalattacken auf politische Gegner.

Während der Zeremonie flogen immer wieder Militärflugzeuge und Kampfhubschrauber über die National Mall im Zentrum von Washington. Zu sehen waren unter anderem der Tarnkappenbomber B2 und die Kunstflugstaffel Blue Angels. Auch die Präsidentenmaschine Air Force One flog über das Lincoln Memorial. Außerdem wurden Panzer aufgestellt. Am Abend gab es dann ein großes Feuerwerk.

Trumps Rede ist ein Bruch mit den politischen Gepflogenheiten: Der 4. Juli, an dem an die Gründung der Vereinigten Staaten im Jahr 1776 erinnert wird, ist für gewöhnlich ein unpolitischer Feiertag. Hunderttausende pilgern für ein Picknick auf die Wiesen der National Mall. Normalerweise steht der US-Präsident nicht im Mittelpunkt und hält auch keine Rede.

Update, 04. Juli, 18:45 Uhr: Bevor die Militärparade am Abend die Bewohner erfreut, bemühen sich darum jede Menge Blaskapellen auf der offiziellen Parade zum Unabhängigkeitstag der USA. Bislang noch ohne Panzer, dafür mit riesigen aufblasbaren Flaggen.

Update, 04. Juli, 16:10 Uhr: Teuer wird der Spaß ganz sicher. Immerhin sollen Tarnkappenbomber, Jagdflugzeuge, Panzerschwadrone und wer-weiß-was-noch-alles mitmachen. Doch wie viel Geld genau die Militärparade und die Feierlichkeiten zum 04. Juli die Steuerzahler kosten wird, das weiß bislang niemand. Nicht mal Schätzungen lägen dem zuständigen Ausschuss für die Bereitstellung finanzieller Mittel vor, sagt Ausschussmitglied und Senator Tom Udall (New Mexiko) gegenüber dem US-Sender MSNBC.

Udall sagte weiterhin, er werde eine Untersuchung beim US-Rechnungshof beantragen. Es sei illegal, Steuergelder für Wahlkampfkampagnen auszugeben. 

Sollte der Rechnungshof tatsächlich zu dem Ergebnis kommen, dass es sich bei der Veranstaltung um eine politische Kampagne handelt, würde die Rechnung wohl an Trumps Wahlkampfteam gehen.

Update, 04. Juli, 15:20 Uhr: US-Präsident Donald Trump gibt per Twitter den Zeitplan für seine ganz persönliche Feier zum Unabhängigkeitstag bekannt. Um 18 Uhr Ortszeit (24:00 Uhr MEZ) beginnt die Show namens „Salute to America“ mit Flügen der „modernsten Flugzeuge der Welt.“ Eventuell macht sogar die Air Force One mit, aber da scheint sich Trump selbst nicht ganz sicher zu sein. 

Weder, ob die präsidentielle Boeing 747 Teil der Flugshow ist, noch, wie sie heißt: Air Force One (korrekte Bezeichnung) oder Aircraft One (Trumps Bezeichnung).

Update, 04. Juli, 14:00 Uhr: Offenbar ist sich auch das Pentagon der Kontroverse bewusst, die eine Militärparade samt Panzer, Bomber und Soldaten in der Hauptstadt auslöst. Das US-Verteidigungsministerium hat deshalb den Soldaten einen Zettel mit Benimmregeln ausgehändigt. Dort steht auch, wie sie sich verhalten sollen und was sie in welcher Situation zu sagen haben.

Der Zettel mit den Standardantworten liegt dem US-Nachrichtenportal “Mother Jones“ vor. Unter anderem sollen Soldaten, falls sie angesprochen werden, sagen: „Ich bin stolz auf meinen Panzer“. Außerdem sollen sie „lächeln und Spaß haben“.

Eine weitere Sektion beschäftigt sich damit, was die Soldaten alle nicht tun sollen. Dazu gehört „Raten, Lügen und Spekulieren“ genauso wie vertrauliche Aussagen geben, denn, wie der Zettel sie erinnert: „Das Mikrophon ist immer angeschaltet!“

Panzer zum Unabhängigkeitstag in der Hauptstadt, fahren dürfen sie aber nicht

Update, 04. Juli, 12:40 Uhr: Die von Donald Trump persönlich bestellten Panzer sind in Washington DC angekommen. Nur durch die Stadt fahren, das dürfen sie wohl nicht. Die städtischen Behörden legten kurzerhand ihr Veto ein, weil die Ketten der Panzer gepaart mit ihrem Gewicht ein zu großes Risiko für die Straßen bedeutet hätten.

Update, 03. Juli 2019, 16:15 Uhr: Die Vorbereitungen zum Unabhängigkeitstag der USA laufen auf Hochtouren - und die Panzer rollen in die Stadt. Auf Twitter tauchen die ersten Videos auf, wie große Lastzüge das Kriegsgerät in die Hauptstadt transportieren. Begleitet werden die Konvois von zahlreichen Polizeiwagen und -motorrädern.

Washington - Er steht kurz bevor, der wichtigste nationale Feiertag der Vereinigten Staaten von Amerika: der vierte Juli. An diesem Tag erklärten im Jahr 1776 dreizehn Kolonien ihre Unabhängigkeit von Großbritannien und seitdem feiert die ganze USA an jedem vierten Juli ihren Unabhängigkeitstag – dank Will Smith und Roland Emmerich besser bekannt als „Independence Day“.

Alle haben frei, es wird gefeiert, Feuerwerke abgefeuert und Paraden gehalten – nicht nur, aber vor allem in Washington DC, der Hauptstadt des Landes. Eine besondere Rolle kommt da selbstredend dem Staatsoberhaupt zu, momentan Donald Trump. Und der möchte seinen zweiten 4. Juli endlich so feiern, wie er sich das vorstellt: umgeben von seinen Anhängern, mit Panzern auf den Straßen und Helikoptern in der Luft.

Donald Trump kündigt die „größte Versammlung in der Geschichte“ an

Angefangen hatte alles im Februar dieses Jahres, als Trump via Twitter ankündigte, man werde zum vierten Juli „die größte Versammlung in der Geschichte Washingtons“ abhalten. „HOLD THE DATE“, schrie der Führer der freien Welt förmlich in seinen Feed und verkündete damit de facto seinen Plan, einen nationalen Feiertag in eine politische Wahlkampfveranstaltung zu verwandeln.

Die Terminankündigung erfolgte kurz nachdem Trump bekanntgegeben hatte, doch auf seine Militärparade verzichten zu wollen, die den Steuerzahler unglaubliche 92 Millionen Dollar gekostet hätte, und viele sahen einen Zusammenhang zwischen dem Verzicht auf der einen und der Ankündigung auf der anderen Seite.

Vor kurzem berichtete dann die Washington Post, dass Trump die Organisation der Feierlichkeiten in die eigene Hand genommen habe, ähnlich wie er das schon bei dem Problem mit den Obdachlosen gemacht habe. Infolgedessen stünden gleich mehrere Änderungen an.

Das Feuerwerk zum vierten Juli soll woanders abgefeuert werden

Zunächst soll das traditionelle Großfeuerwerk nicht mehr an dem Ort explodieren, an dem es das seit über einem halben Jahrhundert tut, sondern etwa eine Meile entfernt, und damit näher am Lincoln Memorial.

Anti-Trump Demonstranten posieren vor den angelieferten Panzern in Washington DC.

Der Grund dafür liegt wohl in einer anderen Änderung, die Trump plant: Genau dort, auf den Treppen des Lincoln Memorials, will er eine Rede halten. Die soll überparteilich sein, keine Wahlkampfveranstaltung. Seine Kritiker bezweifeln das bereits jetzt.

Donald Trump plant den Unabhängigkeitstag als VIP-Only-Party

Bis auf ein paar wenige Auserwählte wird die Menschheit die Rede ohnehin nur vorm Fernseher verfolgen können. Denn – und damit sind wir bei der nächsten Änderung – Trump wird die Fläche vor dem Lincoln Memorial eine „VIP-Only-Area“ verwandeln. Wie die „Washington Post“ schreibt, seien die Plätze reserviert für „Freunde, Würdenträger und Familie“. Andere Medien berichten darüber, dass die republikanische Partei bereits begonnen habe, Tickets an Großspender zu verteilen. Die Führer der demokratischen Partei hätten demnach keine Einladungen aussprechen dürfen. Überparteilichkeit sieht anders aus.

Doch das ist nicht alles, was der Egomane im Weißen Haus plant, um die USA, und wohl vor allem sich selbst zu feiern. Laut eines Berichts der Internetseite „McClatchy“ und der „Washington Post“ habe Trump persönlich angeordnet, dass Tarnkappenbomber und Helikopter der neuesten Bauweise an der Militärparade teilnehmen sollen. Kostenpunkt: Egal!

Donald Trump will Panzer auf den Straßen und Bomber in der Luft

Und Trumps Gäste wissen offenbar, wie der Hase läuft. Die Internetseite „Daily Beast“ zitierte einen Großspender der republikanischen Partei mit den Worten: „Trump will eine Militärparade, wie er sie aus China oder Russland kennt“. Auch Panzer sollen teilnehmen an der Show, selbst wenn das die Infrastruktur der Stadt Washington stark beschädigen soll. „Er wird Panzer rollen lassen, das wird richtig cool“, soll ein anderer geladener Gast gesagt haben.

Auch die „Proud Boys“ wollen mit dabei sein

Was sonst noch passieren wird rund um den 4. Juli? Die „Proud Boys“ werden nach Washington kommen. Die rechtsradikale Jugendorganisation, deren Protagonisten vor kurzem von sozialen Medien verbannt wurden, plant laut „Daily Beast“ eine Großveranstaltung am 6. Juli in der Hauptstadt. Eingeladen ist dazu alles, was in der Alt-Right-Szene der USA Rang und Namen hat: von Jacob Wohl über Laura Loomer bis zu Milo Yiannopoulos. Gegenproteste haben sich bereits angekündigt. Der Hauptstadt der tief gespaltenen Staaten stehen also gleichsam zerstörerische wie kostspielige Tage bevor.

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