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Donald Trump twittert am liebsten früh am Morgen und nutzt häufig negative Worte wie "verrückt", "schwach", "dumm" oder "tot".

Wahlkampf auf Twitter

Wie Donald Trump twittert - wenn er darf

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Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump nutzt Twitter, um zu wüten und seine Anhänger aufzustacheln. Seine Ausfälle sind der Grund, warum er nun angeblich nicht mehr twittern darf.

Der US-Wahlkampf tobt auf Twitter. In dem Medium, das Barack Obama während seiner zwei Präsidentschaftswahlkämpfe dominierte, hat in diesem Jahr der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump die Oberhand. Knapp 13 Millionen Nutzer folgen Trump, dessen Twitter-Account berühmt-berüchtigt ist: Dort setzt er gerne wilde Anschuldigungen in die Welt, startet Angriffe auf Konkurrenten, schimpft auf die "unehrlichen Medien" und stachelt seine Anhänger auf. Das dürfte der Grund sein, warum Trump nun nicht mehr twittern darf.

Wie die "New York Times" berichtet, hätten Berater Trump die Kontrolle über sein Twitter-Konto "entrissen", damit er seine Chancen bei der Wahl am Dienstag nicht mit ungefilterten Anfeindungen schmälert. Für den amtierenden Präsidenten Barack Obama eine Steilvorlage: "Sie hatten so wenig Vertrauen in seine Selbstbeherrschung, dass sie gesagt haben: Wir nehmen dir jetzt einfach Twitter weg", sagte Obama bei einem Wahlkampfauftritt in Florida und fügte hinzu: "Wenn jemand nicht mit einem Twitter-Konto umgehen kann, kann er nicht mit den Atomcodes umgehen."

Wer genauer hinschaute, als Trump noch twittern durfte, konnte das Gefühl bekommen, dass es zwei twitternde Donald Trumps gibt: Einer nutzt Hashtags, Bilder und Links, verweist auf die nächsten Wahlkampfveranstaltungen und bedankt sich bei den Besuchern eben dieser Veranstaltungen. Der andere twittert ohne Bilder, Links und Hashtags - und lehnt sich inhaltlich regelmäßig sehr weit aus dem Fenster.

Aufmerksamen Twitter-Nutzern ist bereits im August aufgefallen, dass die "seriösen" Tweets von einem iPhone verschickt werden, während der wütende Twitterer ein Android-Gerät nutzt. Diese Entdeckung brachte den Datenforscher David Robinson auf die Idee, sich den Twitter-Account von Donald Trump einmal genauer anzuschauen. Dabei fiel Robinson auf, dass die unterschiedlichen Smartphones zu unterschiedlichen Zeiten twittern: das Android-Gerät ist vor allem früh morgens aktiv, das iPhone twittert ab dem späten Vormittag bis in den Abend hinein. Die wichtigste Erkenntnis aber ist eine andere: "Die Android-Tweets sind wütender und negativer als die iPhone-Tweets", erklärt Robinson.

Every non-hyperbolic tweet is from iPhone (his staff).

Every hyperbolic tweet is from Android (from him). pic.twitter.com/GWr6D8h5ed

— Todd Vaziri (@tvaziri) 6. August 2016

Bei einer Analyse der Worte, die Donald Trumps Twitter-Account häufig verwendet, stellte sich heraus, dass in den Android-Tweets häufig emotional aufgeladene und negative Begriffe wie "verrückt" (crazy), "schwach" (weak), "dumm" (dumb) und "tot" (dead) verwendet werden. Daraus entstehen Tweets wie "Wow, Twitter, Google and Facebook are burying the FBI criminal investigation of Clinton. Very dishonest media!" ("Wow, Twitter, Google und Facebook begraben die FBI kriminelle Untersuchung von Clinton. Sehr unehrliche Medien!").

Auf Fotos ist Donald Trump des öfteren mit einem Samsung Galaxy zu sehen - die Android-Tweets stammen daher mit großer Wahrscheinlichkeit aus seiner Feder. Die Tweets, die von einem iPhone abgesendet werden, dürften dagegen von einem Mitglied seines Wahlkampfteams verfasst worden sein. Mittlerweile ist in Trumps Twitter-Timeline zwar nicht mehr ersichtlich, von welchem Gerät ein Tweet abgeschickt wurde. Die inhaltlichen Unterschiede konnte man jedoch weiterhin erkennen: Während Trump auf Twitter weiter im Angriffsmodus war, blieb sein Wahlkampfteam unaufgeregt. In den letzten Tagen fehlen die wütenden Trump-Tweets komplett - was den Bericht der "New York Times" zu bestätigen scheint.

Crooked Hillary should not be allowed to run for president. She deleted 33,000 e-mails AFTER getting a subpoena from U.S. Congress. RIGGED!

— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) 1. November 2016

Auf Twitter hat Donald Trump eine regelrechte Armee von Unterstützern aufgebaut, die jedes Wort, das Trump sagt oder twittert, gierig aufsaugt und schnell weiterverbreitet. Doch nicht hinter jedem Account, der Pro-Trump twittert oder Trump folgt, steckt ein Mensch aus Fleisch und Blut. Knapp 40 Prozent der Trump-Follower auf Twitter sind gefälschte Profile, zeigt das Tool "TwitterAudit". Bei Hillary Clinton, der 10,1 Millionen Nutzer auf Twitter folgen, sieht es ganz ähnlich aus.

Einen großen Unterschied zwischen den Anhängern der beiden Präsidentschaftskandidaten auf Twitter gibt es dennoch: Beim dritten und letzten TV-Duell vor der Präsidentschaftswahl war beinahe die Hälfte der Tweets (46,7%) Pro-Trump, nur 10,4 Prozent der Tweets favorisierten Hillary Clinton, während beinahe ein Drittel (30,8%) der Tweets neutral blieb. Ermittelt haben diese Zahlen Forscher, die für das Projekt "maschinelle Propaganda" der Universität Oxford Tweets untersuchen.

Die Forscher haben außerdem herausgefunden, dass automatisierte Pro-Trump-Profile im Untersuchungszeitraum rund um das dritte TV-Duell sieben Mal mehr twitterten als vergleichbare Pro-Clinton-Accounts. Insgesamt sorgten Twitter-Bots für ein Viertel aller Tweets zum TV-Duell. Doch es gibt auf Twitter auch noch echte Menschen, die selbst twittern, betonen die Forscher: Viele von ihnen hätten Twitter während des TV-Duells für relativ neutrale Tweets genutzt. Ob sie sich von den Trump-Tweets und der Armee von Twitter-Bots überzeugen lassen, wird der Wahlausgang zeigen.

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