Kampagne mit knappen Mitteln

US-Wahl 2020: Donald Trump will Stimmen neu auszählen lassen - doch ihm geht das Geld aus

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Bis Mittwoch muss die Kampagne von Donald Trump eine Neuauszählung der Stimmen in Wisconsin beantragen - und die hohen Kosten im Voraus übernehmen.

Update vom Dienstag, 17.11.2020, 10.10 Uhr: Die vom amtierenden US-Präsidenten Donald Trump gewünschte Neuauszählung aller Stimmen im US-Bundesstaat Wisconsin würde nach Angaben der Behörden rund 7,9 Millionen Dollar (6,7 Millionen Euro) kosten. Das wären deutlich mehr als die 2 Millionen Dollar, die für eine Neuauszählung bei der US-Wahl 2016 fällig waren. Joe Biden führt derzeit mit 20.470 Stimmen vor Donald Trump, oder 0,62 Prozent. Weil der Vorsprung bei mehr als 0,25 Prozent liegt, müsste die Trump-Kampagne die Kosten selber tragen.

US-Wahl 2020: Corona macht die Neuauszählung teurer

Die in diesem Wahljahr höheren Kosten für eine Neuauszählung der Stimmen in Wisconsin seien unter anderem auf räumliche Abstände in der Corona-Pandemie, sowie erhöhte Sicherheitsvorkehrungen für Wahlhelfende zurückzuführen. Dazu kommt teure Ausstattung, die zum Scannen der Stimmzettel gemietet wird, sowie eine erschwerte zeitliche Planung mit einem Feiertag am 26. November (Thanksgiving).

Bislang gebe es noch keinen Antrag auf eine Neuauszählung, erklärte die Leiterin der Wahlbehörde von Wisconsin, Meagan Wolfe, am Montag (Ortszeit). Noch ausstehende Endergebnisse würden bis Dienstag erwartet, die Neuauszählung müsse daher bis Mittwoch beantragt und im Voraus bezahlt werden, erklärte sie. Bis spätestens 1. Dezember muss sie, dem Wahlgesetz Wisconsins nach, beendet sein.

Ob sich Donald Trump und seine Kampagne eine Neuauszählung überhaupt leisten können, ist fraglich. Auch nach der US-Wahl werden Unterstützer:innen des Amtsinhabers weiterhin um Spenden gebeten, die offiziell zur „Wahlverteidigung“, also zu Neuauszählungen und Gerichtskosten, beitragen sollen. Wohin das Geld wirklich fließt, ist nicht eindeutig.

Donald Trump erklärt sich erneut zum Sieger der US-Wahl

Update vom Montag, 16.11.2020, 16.30 Uhr: US-Präsident Donald Trump bleibt sich und seiner Linie treu. Dass er nicht als Sieger aus der US-Wahl hervorgeht, übersteigt noch immer die Vorstellungskraft des amtierenden US-Präsidenten. Auf seinem Lieblings-Kommunikationskanal Twitter jedenfalls bleibt Trump dabei: „Ich habe die Wahl gewonnen“.

Twitter versah die Behauptung des Präsidenten umgehend mit einem Warnhinweis: „Offizielle Quellen bewerten den Ausgang der Wahl anders.“

Kurz darauf legte Donald Trump sogar noch nach. „Die radikalen linken Demokraten, gemeinsam mit ihren Partnern versuchen, diese Wahl zu stehlen! Wir werden das nicht zulassen“, twitterte Trump. Auch dieser Tweet wurde mit einem Warnhinweis versehen.

Donald Trump spricht erstmals von Sieg Joe Bidens - und rudert zurück

Washington D.C. - Eine Woche ist es her, dass Medien den Triumph von Joe Biden über Donald Trump in der US-Wahl verkündeten. Spätestens seit Bekanntgabe seines Sieges in Georgia am Freitag (13.11.2020) steht Biden mit 306 Wahlleuten sicher als nächster Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika fest.

Seine Niederlage wollte Donald Trump jedoch nicht akzeptieren. Regelmäßig verbreitete er Theorien, dass es zu Wahlbetrug zugunsten der Demokraten und Joe Bidens gekommen sei. Dass Biden die US-Wahl gewonnen hat, hatte Trump nie zugegeben - bis ihm ein Tweet rausrutschte.

Donald Trump sieht sich nach wie vor als Sieger der Wahl.

US-Wahl 2020: Donald Trump spricht erstmals von Sieg von Joe Biden

In einem Tweet am Sonntagmorgen (Ortszeit) schrieb Donald Trump über Joe Biden: „Er hat gewonnen, weil die Wahl manipuliert war.“ Damit sprach der US-Präsident erstmals von einem Sieg seines Herausforderers, allerdings bekräftigte er dabei seine Anschuldigungen. Sein Tweet folgte als Antwort auf ein Video des konservativen Kommentators Jesse Watters von „Fox News“. Watters wunderte sich, wieso Biden trotz seiner „Verlierer-Kampagne“ in der Abstimmung vor Trump liegt.

„Etwas fühlt sich nicht richtig an“, so Watters. „Joe Biden hat es nicht verdient, er hat nicht einmal richtig Wahlkampf gemacht.“ Man habe es Biden anmerken können, dass er sich einer kommenden Niederlage bewusst war. Auch Trump äußert deshalb weiterhin Zweifel am Ausgang der US-Wahl. Keine Wahlbeobachtenden seien erlaubt gewesen. Die Auflistung der Stimmen habe das „linksradikale Unternehmen“ Dominion durchgeführt, das ohnehin unter einem schlechten Ruf leide und über „lausige Ausstattung“ verfüge. „Es konnte sich nicht einmal für Texas (das ich gewonnen habe) qualifizieren“, so Trump. Auch den „Fake-“ und „schweigenden Medien“ gab Donald Trump die Mitschuld. Seinen Post versah Twitter aufgrund potenziell irreführender Botschaften mit einem Warnhinweis.

US-Wahl 2020: Donald Trump sagt, dass Biden durch Betrug „gewonnen“ habe

Kurz darauf ruderte Donald Trump allerdings zurück und relativierte seinen Tweet, möglicherweise aus Befürchtung, er könne als Eingeständnis einer Niederlage in der US-Wahl verstanden werden. „Er hat nur in den Augen der Fake-News-Medien gewonnen. Ich räume überhaupt nichts ein. Wir haben immer noch einen weiten Weg vor uns. Das war eine manipulierte Wahl“, schrieb Trump eine Stunde später, erneut auf Twitter. „Manipulierte Wahl. Wir werden gewinnen“, hieß es Minuten zuvor.

Unterstützer:innen von Donald Trump hatten für Samstag (14.11.2020) zu einer Demonstration gegen den Ausgang der US-Wahl und vermeintlichen Wahlbetrug aufgerufen. Am als „Millionenmarsch“ angekündigten Protest nahmen zehntausende Leute teil, die mindestens „vier weitere Jahre“ für Trump im Weißen Haus fordern. Trump ließ sich kurz in seiner Limousine blicken, befand sich allerdings auf dem Weg zu einer Partie Golf. Joe Biden hat die US-Wahl mit 306 Wahlleuten gewonnen. Für einen Sieg wurden 270 benötigt. Donald Trump kam mit seinem Sieg in North Carolina letztlich auf 232 Wahlleute. (Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © SCOTT OLSON/AFP

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