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Facebook, Twitter und Co.

Twitter unterbindet „Tweets“ von Donald Trump durch die Hintertür und sperrt Accounts

  • VonMirko Schmid
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Donald Trump ist mit seinem Versuch, seine Botschaften quasi durch die Hintertür wieder auf Twitter zu verbreiten vorerst gescheitert. Erste Accounts wurden gesperrt.

Update vom Freitag, 7.5.2021, 16.32 Uhr: Twitter bleibt konsequent. Die Internetplattform hat damit angefangen, Accounts zu sperren, welche die Tweet-ähnlichen Kurznachrichten weiterverbreiten, die Donald Trump in seinem groß umworbenen Blog „From the Desk of Donald J. Trump“ absetzt. Besonders übel war Twitter ein Account namens „@DJTDesk“ aufgestoßen, der offensichtlich allein zu dem Zweck angelegt worden war, Trumps „Tweets“ zentral auf der Plattform zu verbreiten. Der Account ist inzwischen gesperrt, da half auch der Disclaimer „Es twittert nicht Donald J. Trump“ nichts.

In einem Statement gegenüber der Nachrichtenagentur AFP ließ ein Sprecher des Unternehmens wissen: „Wir werden Maßnahmen gegen Konten ergreifen, deren offensichtliche Absicht es ist, mit einem gesperrten Konto verbundene Inhalte zu verbreiten.“ Da ein Wort wie „ausschließlich“ fehlt, ist anzunehmen, dass die Ankündigung dieser Konsequenzen nicht nur für eigens angelegte Accounts zum Zweck der Weiterverbreitung der Trump-“Tweets“ gilt.

„From the Desk of Donald J. Trump“: Twitter verschließt die Hintertür für „Tweets“ von Donald Trump.

Donald Trump und die Sozialen Medien: Beziehungsstatus kompliziert

Erstmeldung vom Donnerstag, 6.5.2021, 16.14 Uhr: Palm Beach - Als am 6. Januar 2021 eine aufgebrachte und aggressive Meute das US-Kapitol erstürmte, was den Tod von mindestens fünf Menschen nach sich zog und vor den Augen der Weltöffentlichkeit die Demokratie in den USA diskreditierte, dämmerte es den Big Playern der Sozialen Medien, dass sie Donald Trump zu lange hatten gewähren lassen.

Von heute auf morgen akzeptierten die Einflussreichen hinter den medialen Marktplätzen, dass Trumps wiederholte Lügen, Falschbehauptungen, Halbwahrheiten und Tiraden eben nicht nur ein harmloser (und für sie die Klickzahlen und damit Einnahmen erhöhender) Spaß waren. Dass es mit ein paar halbherzigen Einblendungen und Einschränkungen nicht getan war. Dass die Worte des Einen zu den Taten der Anderen werden können. Und so kamen fast alle relevanten Netzwerke überein, dass es keine Alternative mehr dazu gab, Donald Trump den Stecker zu ziehen.

Twitter, Facebook, Instagram, YouTube und Co. verbannen Donald Trump auf die Tribüne

Twitter, Facebook, YouTube - eine führende Plattform nach der anderen sperrte oder löschte die Accounts des zu dieser Zeit noch amtierenden und doch bereits abgewählten US-Präsidenten. Der ursprüngliche Plan, Donald Trump zumindest bis zu dessen offiziellem Abschied aus dem Weißen Haus gewähren zu lassen - vielleicht zähneknirschend - war von Trump selbst und den durch ihn aufgehetzten Horden pulverisiert worden.

Was folgte, das war ein lautes Schweigen. Donald Trump selbst, um seine wichtigsten Sprachverstärker beraubt, machte es sich in der Schmollecke gemütlich und beschwerte sich über angebliche Zensur. Ungeachtet der Tatsache, dass die Inhaber der Plattformen frei sind in ihrer Entscheidung darüber, wer sie nutzt, ließ er seine Getreuen um Rudy Giuliani und seinen ältesten Sohn Donald Trump Jr. wortreich seine eigene Empörung in die Welt tragen.

Doch Donald Trump selbst blieb auf die Tribüne verbannt. Schnell machten Gerüchte die Runde. Plant der im Spiel mit den Medien und ihren Systematiken versierte Republikaner ein eigenes soziales Netzwerk? Vielleicht sogar einen eigenen TV-Sender, da ihm Fox News zu kritisch wurde und die ihm treu ergebenen Nischensender OAN und Newsmax aus eben diesen Nischen nicht über einige Achtungserfolge herauskamen?

Donald Trump „twittert“ jetzt allein - Blog erntet beißenden Spott

Zunächst einmal passierte dann aber: nichts. Donald Trump spielte in seinem Luxus-Golfressort und bastelte an dem Umbau der Republikaner zur Trump-Partei. Bei rechtsextremen beliebte Netzwerke wie Parler und Gab machten ihm Avancen, hielten ihm Accounts bereit, luden ihn fast flehentlich zu sich ein. Trump ließ die Anfragen (zumindest offiziell) unbeantwortet. Stattdessen begann das Idol der Neuen Rechten in den USA, Pressemitteilungen zu verschicken. Die meisten von ihnen hatten weniger als 280 Zeichen – Trump „twitterte“ also mit Briefkopf.

Name des NetzwerksTrump-Follower (gerundet)
Twitter88 Millionen
Facebook35 Millionen
Instagram24 Millionen
YouTube3 Millionen

Doch dieser Umweg über die althergebrachten Medien, von Donald Trump einst verachtet, scheint dem ehemaligen Präsidenten als lästiges Übel aufgestoßen zu sein – seit Kurzem „twittert“ er im Blogbereich seiner Homepage. Das groß angekündigte Projekt, manche sprachen von einer Revolution der Sozialen Medien, ist bisher nicht viel mehr als das Werk „eines Bloggers, der nicht mehr auf die Reihe bekommt als 280 Zeichen“, wie es in verschiedenen Varianten auf Twitter heißt.

Trump erntet beißenden Spott für seinen Twitter-Clon namens „From The Desk of Donald J. Trump“, der genau einen aktiven Benutzer hat: sich selbst. Der ehemalige Republikaner Carl C. Crowley schreibt auf Twitter: „Es ist großartig zu sehen, dass alle Trumpers ganz begeistert sind, dass ihr Kultheld über die Intelligenz und die Spitzentechnologie verfügt, um damit... einen Blog zu starten.“

Donald Trump fehlt in den Sozialen Medien aktuell der große Hebel

Realistisch gesehen ist es zum jetzigen Stand schwer abschätzbar, welche Durchschlagskraft Trumps Kurznachrichtenblog haben wird. Das erste Ziel scheint durch: Per Share-Funktion sollen seine Beiträge durch die Hintertür wieder auf Twitter und Facebook erscheinen, er will zurück in den Diskurs, ihn wieder vor sich hertreiben. Und das könnte klappen. Die Share-Buttons funktionieren. Mit nur zwei Klicks kann jetzt jeder Trumps Gedanken zurück dorthin tragen, von wo der Exzentriker eigentlich vertrieben worden war.

Doch einen Unterschied gibt es: Es fehlt der zentrale Verteiler. Trumps eigener Account mit seinen über 88 Millionen Followern funktionierte wie ein perfekter Katalysator, spülte seine Inhalte in Sekundenschnelle in die Timelines einer riesigen Blase, von der aus sie rasant weiterverteilt wurden. Nun läuft die Verbreitung seiner „Tweets“ dezentral. Und ob sich nun jemand findet, der de facto zum Zentralorgan der Weltsicht des Donald Trump wird, muss die Zeit zeigen.

Der einfachste Weg für Donald Trump hingegen eine ähnlich herausragende mediale Hebelwirkung zu erreichen, wie vor seiner Sperren – das wäre die Rehabilitierung durch die Großkonzerne, die ihn unsanft auf die digitale Straße gesetzt hatten. Doch einige haben bereits erklärt, dass der Abflug aus dem Reich der unbegrenzten digitalen Möglichkeiten für Trump eine Reise ohne Rückflugticket bedeutet.

Twitter und Snapchat verbannen Donald Trump für immer, Facebook und Instagram auf Zeit

Vorneweg Twitter. Trumps einstiges Lieblingsspielzeug bleibt ihm wohl auf ewig verwehrt. Twitter, das Trumps Bann zunächst noch als provisorisch bezeichnet hatte, hat klargestellt, dass Donald Trump auch zukünftig nicht willkommen ist. Seine Sperrung dort ist permanent. Snapchat, hier hatte Trump 1,5 Millionen Follower, hat sich gleichermaßen konsequent ausgesprochen - auch hier gibt es keinen Rückweg mehr für den Ex-Präsidenten.

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Ein wenig anders verhält es sich mit Facebook, YouTube und Twitch. Facebook (und damit auch die Konzerntochter Instagram) hatte Donald Trump nach der Erstürmung des Kapitols „auf unbestimmte Zeit“ suspendiert. Dafür holten sich die Entscheidungstragenden nun einen Rüffel des hauseigenen Oversight Boards ab. Dieses Gremium, zuständig für Moderation von Inhalten, ließ zwar wissen, dass die Sperre vorerst Bestand haben dürfe. Allerdings müsse die „willkürliche“ Entscheidung erneut „geprüft“ werden.

YouTube will Donald Trump wieder aufnehmen, sobald von ihm keine Gefahr mehr ausgeht

YouTube, hier hat Donald Trump rund 3 Millionen Abonnenten, hält es derzeit ähnlich. Auch hier ist Trump „auf unbestimmte Zeit gesperrt“. Allerdings grenzte CEO Susan Wojcicki diese Unbegrenztheit dann doch ein. Trumps Konto, so ließ es die Top-Managerin verlauten, werde „wiederhergestellt“, sobald das „Risiko von Gewalt gesunken“ sei.

Was auch immer das heißen mag, eine genauere Definition liefert YouTube (bisher) nicht. Das gerade bei jüngeren Menschen beliebte Streamingportal Twitch hält es ähnlich - auch hier verbleibt Trump vorerst auf „unbestimmte Zeit“ außen vor.

Rechte Plattformer Paler und Gab werben um Donald Trump, TikTok schweigt

Und dann wären da noch Parler, Gab und TikTok. Während die beiden ersteren weiter um Trumps Gunst werben und wohl zu jeglichem Entgegenkommen bereit wären – zumindest Gab-Chef Andrew Torba lässt kaum eine Gelegenheit verstreichen, dies zu betonen – ist die Beziehung zu TikTok weitaus komplizierter.

Zwar sprach der chinesische Entwickler ByteDance Donald Trump gegenüber bisher kein Hausverbot aus. Dass dieser aber ausgerechnet das Medium zu seinem neuen Sprachrohr machen würde, das er während seiner Präsidentschaft bitter bekämpfte und in den USA sogar gänzlich sperren lassen wollte, erscheint eher unwahrscheinlich. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © OLIVIER DOULIERY/afp

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