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Sturm auf US-Kapitol

Donald Trump: Fans verbreiten weiter Gerücht um Antifa-Beteiligung bei Sturm aufs Kapitol

  • VonMirko Schmid
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Die Blase um Donald Trump verbreitet weiter das Gerücht, wonach die Antifa den Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar inszeniert haben soll. Dabei ist das lange widerlegt.

  • Donald Trump und seine Fanbase verbreiten das Gerücht einer Beteiligung der Antifa am Sturm auf das Kapitol.
  • Mehr als die Hälfte von Trumps Anhängerschaft glaubt dem Gerücht.
  • Alle Informationen über den 45. Präsidenten der USA finden Sie in den Trump News.

Palm Beach/Washington D.C. - Der Sturm auf das US-Kapitol vom 6. Januar 2021 war das Werk aufgebrachter Teile der Gefolgschaft des abgewählten Präsidenten Donald Trump. Dies gilt als gesichert, alle Untersuchungen und Erkenntnisse der ermittelnden Justizbehörden stützen diesen Fakt. Eine Mehrheit sowohl des Repräsentantenhauses als auch des Senats der USA hält Donald Trump für verantwortlich an dem Angriff, inzwischen wurden mehr als einhundert seiner an den Ausschreitungen beteiligte Fans identifiziert und festgenommen.

Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar: Donald Trump und seine Gefolgschaft suchen Schuld bei Antifa.

Donald Trump streut Gerücht: Antifa angeblich am Sturm auf das Kapitol beteiligt

Doch das alles hält weder Donald Trump selbst noch seinen engsten Unterstützerkreis davon ab, weiter zu behaupten, dass in Wirklichkeit „die Antifa“ den Sturm auf das Kapitol angezettelt haben soll, um Trump und seine Gefolgschaft in Misskredit zu bringen. Bereits am frühen Nachmittag des 6. Januar verbreitete der rechte Radiomoderatoren Michael D. Brown auf Twitter die Idee, dass sich verkleidete Linke und Black Lives Matter-Aktivist:innen unter die Menge auf dem Capitol Hill gemischt haben könnten.

Er twitterte im Konjunktiv und stellte vermeintlich nur eine Möglichkeit in den Raum, dennoch war das Narrativ gesetzt. Schon kurz darauf übernahm es Todd Herman als Gast-Moderator der Radioshow des am 17. Februar verstorbenen Rush Limbaugh. Was dann geschah, „verdeutlichte“ laut der „New York Times“ „die Geschwindigkeit und das Ausmaß einer rechten Desinformationsmaschine, die darauf ausgerichtet ist, Lügen aufzugreifen, die ihren politischen Interessen dienen, um sie schnell als Wahrheit an ein aufnahmefähiges Publikum weiterzugeben.“

Die Gefolgschaft von Donald Trump nimmt das Gerücht der Antifa-Beteiligung auf

Und Donald Trumps Fans, von ihrem Idol persönlich über Monate mit Verschwörungsgeschichten versorgt, waren bereit, auch diese Lüge für bare Münze zu nehmen und weiterzuverbreiten. Obwohl die Ermittlungsbehörden mehrfach klargestellt hatten, dass keinerlei Hinweise dafür vorliegen, dass auch nur eine Person am Sturm auf das Kapitol gewesen wäre, die der Antifa, einem losen Kollektiv antifaschistischer Aktivist:innen, zuzuordnen sei.

Und obwohl die Livebilder des Angriffs vom 6. Janaur in die meisten amerikanischen Wohnzimmer übertragen wurde und die Menschen eine Menge mit roten „MAGA“-Kappen, US-Flaggen und Trump-Merch sahen, wuchs das Gerücht einer vermeintlichen Antifa-Beteiligung heran. Laura Ingraham und Sarah Palin verbreiteten die Erzählung auf Fox News, der Trump-treue Abgeordnete Matt Gaetz im Plenarsaal des Repräsentantenhauses. Aus der „Frage“ eines Radiomoderators entstand somit eine zum quasi-Fakt erhobene Erzählung, die in den Mainstream der US-Rechten einfloss.

Die Mehrheit der Fans von Donald Trump glaubt an Beteiligung der Antifa am Sturm auf das Kapitol

Eine Umfrage der Suffolk University (Boston) für „USA Today“ ergab, dass eine Mehrheit der Anhängerschaft des ehemaligen Präsidenten Donald Trump davon überzeugt ist, dass es sich beim Angriff auf das US-Kapitol um einen „größtenteils von Antifa inspirierten Angriff“ gehandelt habe. Und das Narrativ macht auch vor dem Senat nicht halt. Im Laufe der Anhörungen zu Sicherheitslücken in der Verteidigung des Kapitols behauptete der republikanische Senator Ron Johnson (Wisconsin), dass „falsche Trump-Demonstranten“ die Gewalt geschürt haben sollen.

Die Verschwörung gewann neuen Schwung, nachdem die rechtsgerichtete Zeitung Washington Times einen Online-Artikel veröffentlicht hatte, in dem behauptet wird, dass eine Gesichtserkennungsfirma Antifa-Aktivisten in der Menge vor dem Kapitol identifiziert habe. Auch wenn die Zeitung den Artikel knapp 24 Stunden später zurückrufen musste, nachdem sich dieser als Falschmeldung herausgestellt hatte, war die Geschichte längst weit verbreitet. Alleine auf Facebook wurde er in kürzester Zeit mehr als 350.000 Mal geteilt, zumeist innerhalb der Fanbase von Donald Trump.

Das Gerücht der Antifa-Beteiligung am Sturm auf das Kapitol verbreitet sich rasant

Die auf Media Insights spezialisierte Agentur Zignal Labs konnte nachweisen, dass vermeintliche Antifa-Beteiligung am Sturm auf das Weiße Haus alleine am 6. Januar von 16 bis 17 Uhr etwa 8.700 Mal in Kabelfernsehen, den Sozialen Medien sowie in Online-Nachrichten erwähnt wurde. Und obwohl inzwischen diverse der festgenommenen Randalierer laut der „New York Times“ vorliegenden Gerichtsakten klargestellt haben, dass sie keinerlei Antifa-Nähe aufweisen und „patriotische Gründe“ im Dienste von Donald Trump als ihr Motiv angaben.

Doch das schreckt viele der treuen Trump-Fans nicht davon ab, der Antifa-Erzählung weiter zu glauben. Die „New York Times“ zitiert Jason Franzen, einen 46-jährigen Trump-Anhänger: „Ich möchte auf niemanden mit dem Finger zeigen, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass einige führende Demokraten das Ganze angestiftet haben.“ Der Tischler, der erzählt, dass er seine Nachrichten von Facebook und dem rechten TV-Sender One America News bezieht. „Mein Bauchgefühl lag oft richtig, also werde ich einfach wieder darauf hören.“ (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Probal Rashid via www.imago-images.de

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