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US-Präsident Donald Trump führt schnelle Wechsel mit harter Hand aus.

Tillerson-Entlassung

Donald Trump stellt sich niemand mehr in den Weg

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Donald Trump wechselt sein Team so schnell aus, dass die Zeit kaum für ein zivilisiertes Abschiedsgespräch reicht. Angesichts der autokratischen Anwandlungen des US-Präsidenten kann dem Rest der Welt unwohl werden. Unser Kommentar.

Langsam wird es unübersichtlich. Gerade erst hat Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn im Streit über die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium das Weiße Haus verlassen, da feuert der Präsident seinen Außenminister Rex Tillerson, mit dem er in der Iran- und der Nordkorea-Politik überkreuz lag. Man schafft es kaum, das Regierungs-Organigramm auf dem aktuellen Stand zu halten. Inzwischen wechselt Donald Trump seine Mannschaft so rasend schnell aus, dass die Zeit nicht einmal für ein halbwegs zivilisiertes Abschiedsgespräch reicht.

Die Umstände des Tillerson-Rauswurfs sagen viel aus über das Chaos, das derzeit in der Washingtoner Machtzentrale herrscht. Noch mehr aber müssen sie die Verbündeten im Ausland aus einem anderen Grund alarmieren: Zwar hatte Tillerson zuletzt durch mangelnde Visionen und eigene Schwächen in der Amtsführung bei weitem nicht jenen Einfluss auf den unsteten Präsidenten, den man sich in Berlin und anderswo erhoffte. Aber zusammen mit Sicherheitsberater Raymond McMaster, Verteidigungsminister James Mattis und Stabschef John Kelly bildete er ein Bündnis der rational denkenden „Erwachsenen“, das den twitternden Heißsporn im Zaum hielt.

Tillerson ist schon weg, Kelly fürchtet seine Ablösung

Nun ist Tillerson weg, McMaster angeblich auf dem Absprung, und auch Kelly muss nach einigen glücklosen Aktionen seine Ablösung fürchten. Der neue Außenminister Mike Pompeo wiederum hat nicht nur als rechter Hardliner von sich reden gemacht, sondern Trumps Sympathien vor allem durch freundliche Ergebenheitsadressen gewonnen. Der Präsident selbst aber fühlt sich als Feldherr eines Handelskrieges und imaginärer Mega-Dealmaker mit Nordkorea auf dem Höhepunkt seiner Macht. Zunehmend umgeben von Ja-Sagern folgt er alleine seinem populistischen Instinkt: Immer fest drauf auf die Mullahs im Iran, die Todesstrafe für Drogenhändler und Sanktionen für alle, die nicht bereit sind, mit ihm irgendwelche windigen Koppelgeschäfte zu tätigen.

Nicht ohne Grund hat Tillerson den Präsidenten schon im vergangenen Sommer einen „Schwachkopf“ genannt. Damals wollte Trump das Atomwaffenarsenal der USA verzehnfachen. Seither hat sich die Lage nicht verbessert. Im Gegenteil: Bei einem Wahlkampfauftritt in Pennsylvania am Wochenende wirkte Trump regelrecht wie entfesselt. Dass Trump dort einen renommierten Fernsehmoderator als „Hurensohn“ bezeichnete und offene Sympathien für Polizeistaatsmethoden in China zeigte, mag man noch als bizarre Folklore abtun. Aber der blonde Egomane ist tatsächlich davon überzeugt, dass er Amerika praktisch im Alleingang durch alle Krisen steuern kann. Von seinen Beratern erwartet er keine kritischen Fragen, sondern immer bedingungslosere Loyalität.

Angesichts der ebenso autokratischen wie sprunghaften Anwandlungen des Präsidenten kann dem Rest der Welt durchaus unwohl werden. Doch rund um das Weiße Haus ist niemand von Statur mehr zu sehen, der sich ihm in den Weg stellt. 

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