+
Donald Trump spielt die Gefahr durch rechten Terror runter

USA

Donald Trump spielt die Gefahr durch rechten Terror herunter

  • schließen

Experten in der Regierung des US-Präsidenten versuchen seit einem Jahr, den Fokus der Sicherheitsbehörden auf Rechtsextremisten zu lenken. Doch Trump spielt die Gefahr runter.

Mehr als ein Jahr lang versuchte das amerikanische Heimatschutzministerium den Präsidenten davon zu überzeugen, mehr gegen die wachsende Gefahr des rassistisch motivierten Rechtsextremismus zu unternehmen. Vergeblich. Ein ums andere Mal wiesen Trumps Mitarbeiter die Anläufe der Sicherheitsexperten zurück, dem Kampf gegen den einheimischen Terrorismus endlich den Stellenwert einzuräumen, den er verdient.

Lesen Sie auch: Klimawandel? Die AfD in Hessen findet das „positiv“

Das Weiße Haus habe „die Realität des rapiden Anwachsens der Gewalt rassistischer Suprematisten ignoriert“, ventiliert ein hoher Mitarbeiter aus der Regierung nach dem Terroranschlag in El Paso seinen Unmut in den Medien. „Die haben Scheuklappen auf.“ Während die US-Regierung weiterhin die größte Bedrohung bei islamischen Terroristen sieht, haben laut einer Statistik der Organisation „New America“ einheimische Suprematisten seit dem 11. September 2001 mehr Menschen auf dem Gewissen als Dschihadisten.

Trump spielt die Gefahr öffentlich herunter

Experten weisen auf die ideologische Schnittmenge zwischen den Attentätern auf die schwarze Kirche in Charleston, die Synagogen in Pittsburg und Poway sowie den „mexikanischen Walmart“ unweit der Grenze in El Paso hin. Aus demselben Spektrum stammten auch die Teilnehmer des Fackelzugs von Charlottesville 2017.

Besorgter Anruf

Die Mutter des 21-jährigen mutmaßlichen Schützen von El Paso soll bei der Polizei Wochen vor der Bluttat angerufen und sich besorgt gezeigt haben, dass ihr Sohn in seinem Alter und ohne Waffenerfahrung ein Sturmgewehr vom Typ AK besitze, berichtete der US-Sender CNN unter Berufung auf die Anwälte der Familie. Der Polizeibeamte habe ihr gesagt, der Waffenbesitz ihres Sohnes sei legal, zitierte CNN die Anwälte weiter. (dpa)

FBI-Direktor Christopher Wray warnte die Gesetzgeber im Kongress noch im Juli vor der wachsenden Bedrohung durch einheimische Terroristen. US-Präsident Trump spielt die Gefahr öffentlich herunter. Wie in Charlottesville vor ziemlich genau zwei Jahren, als er „sehr schlechte Leute auf beiden Seiten“ ausmachte, bleibt es auch nach dem Terror von El Paso nur bei einem vom Teleprompter abgelesenen Lippenbekenntnis.

Seine Claqueure im Haussender Fox News verbreiten derweil den Mythos, die Warnung vor dem Erstarken weißer Rechtsextremisten sei eine Erfindung der Linken. „Das ist in Wirklichkeit kein echtes Problem in Amerika“, behauptet Moderator Tucker Carlson.

Die Opfer des Terrors erkennen die Parallelen in dem Manifest des Attentäters von El Paso zu der gleichlautenden Hetze Trumps vor seinen Anhängern.

El Paso zeigt Trump die kalte Schulter

Die Opfer des Terrors, deren Angehörige und die betroffenen Minderheiten erleben das anders. Sie erkennen die Parallelen in dem Manifest des Attentäters von El Paso, der seine Tat als Antwort auf eine „hispanische Invasion“ verstanden wissen will, zu der gleichlautenden Hetze Trumps vor seinen Anhängern.

„Das war das 9/11 der Latinos“, beschreibt der ehemalige Chefredakteur der „El Paso Times“ Bob Moore die Stimmung in der Grenzmetropole, die Trump bei dessen Besuch am Mittwoch in El Paso die kalte Schulter zeigte.

Lesen Sie auch: Republikanischer Gegenkandidat warnt vor Trumps „rassistischen Tiraden“

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International und mehrere Länder warnen angesichts der Kombination aus leicht verfügbaren Kriegswaffen und zunehmender Gewaltbereitschaft weißer Suprematisten vor Reisen in die USA. Besucher sollten einen Notfallplan haben, rät die Organisation auf ihrer Website. Niemand sei vor Waffengewalt sicher.

Lesen Sie auch:

Bürgermeisterin von Chicago wirft Ivanka Trump vor, „keine Ahnung zu haben“

Ivanka Trump will auf Waffengewalt aufmerksam machen. Oder ist es ein schäbiger Versuch, weißen Terror zu relativieren?

Donald Trump und die Angst der weißen Amerikaner

Donald Trumps Ansprache zu den Morden von El Paso und Dayton: Ein gespenstisches Foto, ein gespenstischer Auftritt. Die Feuilleton-Kolumne.

Kommentar: Donald Trumps Foto mit dem Baby markiert einen neuen Tiefpunkt.

Signal gegen Trump: US-Athleten Gwen Berry und Race Imboden protestieren

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion