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Frisch renoviert und seit kurzem auch rentabel: Trumps Turnberry-Golfressort in Schottland.

Turnberry/Doonbeg

Militär zu Gast in Trumps Luxusressort - Präsident will nichts davon gewusst haben

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US-Präsident Donald Trump dementiert jegliche Kenntnis von den Übernachtungen der Air Force Mitarbeiter in seinem Luxushotel. Das Militär leitet nun eine Untersuchung ein.

Update, 10. September, 9:15 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat jegliche Kenntnis von den Übernachtungen mehrerer Militärangestellter in Trumps Luxusressort in Turnberry, Schottland, abgestritten. Via Twitter teilte der US-Präsident mit: „Ich weiß nichts über das Air Force Flugzeug, das auf einem Flughafen in Schottland gelandet ist (den ich nicht besitze und mit dem ich nichts zu tun habe) nahe dem Turnberry Ressort (das ich besitze).“ 

Trump beglückwünschte die Crew außerdem zu ihrem „guten Geschmack“, den die Übernachtung in dem Luxusanwesen beweise, und endete den Tweet in Großbuchstaben und dem Satz: Hat nichts mit mir zu tun.

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Die US-Luftwaffe hat inzwischen vermeldet, den Vorgang untersuchen zu wollen. Brigadegeneral Edward Thomas sagte laut dem britischen „Independent“, dass US-Truppen häufiger Zwischenstopps in Schottland einlegen würden. Gewöhnlich würden sie dann aber in Hotels nahe dem Flughafen übernachten - nicht, wie im vorliegenden Fall, fast 50 Kilometer entfernt in einem Luxusressort.

Erstmeldung

Ein wenig tut er einem fast schon leid. Als Mike Pence gefragt wurde, warum er für ein Treffen, das in der irischen Hauptstadt Dublin stattfand, ausgerechnet in einem von Trumps Golfressorts im drei Stunden entfernten Doonbeg residierte, pausierte der US-Vizepräsident zunächst und stammelte dann in Richtung der Fernsehkameras: „Es ist wunderbar, wieder in Irland zu sein.“

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Mike Pence macht Zwischenstopp bei Donald Trump in Doonbeg

Das alleine hätte kaum Schlagzeilen gemacht. Doch Pence entschied sich, Trump nicht nur zu vertreten, sondern auch seinem Rat zu folgen, und am anderen Insel sein Quartier aufzuschlagen – in ebenjenem Golfressort in Doonbeg.

Trump selbst verneinte laut „Washington Post“ jegliche Verbindung zur Hotelwahl seines Vertreters. Pence erklärte seinen Aufenthalt in Doonbeg mit entfernten Verwandten dort. Familie sei ihm wichtig, er wollte dort „mindestens eine Nacht bleiben“ - er blieb zwei. Außerdem seien Trump-Ressorts einfach abzusichern – eine Behauptung, die auch von Trump immer wieder vorgebracht wird und der mehrere Sicherheitsexperten in der Vergangenheit bereits widersprachen. Dazu gehören unter anderem Mitarbeiter des Secret Service, also der Organisation, die seit 108 Jahren für den Schutz des Präsidenten und seines Vertreters zuständig ist, und die es deshalb wissen sollte.

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Weil die Begründungen also konstruiert sind, die Sache selbst aber zwielichtig bleibt, will der US-Kongress die Angelegenheit nun untersuchen. Elijah Cummings, Vorsitzender des Kontrollausschusses, ließ mitteilen, das Komitee glaube nicht, dass „das Geld der US-Steuerzahler dafür benutzt werden sollten, dass Präsident Donald Trump sich persönlich oder seine Familie daran bereichern“ können.

Air Force auf dem Weg nach Kuwait

Doch der Trip nach Irland ist nicht der einzige Fall, in dem der Kontrollausschuss sich mit Übernachtungen in Trump-Ressorts beschäftigen muss. Laut einem Bericht des US-Magazins „Politico“ legte eine Air-Force-Crew im vergangenen Frühling einen „seltsamen Zwischenstopp“ im schottischen Turnberry ein. Die Soldaten waren eigentlich auf dem Routinetrip nach Kuwait. Sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg waren sie zu Gast im Luxushotel. Normalerweise landen US-Offizielle bei solchen Gelegenheiten auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein oder auf einer Marinestation in Rota, Spanien. Dass man in Glasgow zwischenlandete, das habe es noch nie gegeben, sagte einer der Männer der siebenköpfigen Crew dem US-Magazin „Politico“. Ein anderer war so überrascht über die Wahl des Hotels, dass er einem Freund Fotos schickte und ihm schrieb, dass die Verpflegungspauschale der Männer nicht ausreichen würde für die Preise, die in dem Luxushotel aufgerufen werden würden.

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Das Pentagon widersprach diesem Eindruck und verwies darauf, dass Hotels nach strengen Vorgaben ausgewählt werden würden, und „die am nächsten verfügbare und günstigste Alternative“ gebucht werden würde. So sei man auch in diesem Fall vorgegangen.

Pentagon sitzt auf Unterlagen über Pence-Aufenthalt im Trump-Ressort

Doch der Kongressausschuss folgt dieser Logik nicht und setzte besagte Untersuchung an. Das Pentagon weigere sich bislang, die entsprechenden Unterlagen herauszugeben.

Donald Trump beim Golf spielen in Turnberry.

Es ist nicht das erste Mal, dass in den USA der Vorwurf laut wird, Trump würde sich in seinem Amt als Präsident vor allem persönlich bereichern. Auch sein Vorschlag, den nächsten G7-Gipfel in seinem Ressort in Florida* abzuhalten, löste Unverständnis bei seinen Kritikern aus. Sollte aber nun auch das Militär in derlei Machenschaften verwickelt sein, würde es die Debatte um persönliche Bereicherungen im Amt „auf ein anderes Level“ haben, wie „Politico“ schreibt.

Donald Trump, Turnberry und der „Prestwick Airport“

Der Ausschuss will außerdem untersuchen, warum die Maschine der Air Force auf dem nahe dem Trump-Ressort gelegenen Flughafen namens „Prestwick Airport“ für elf Millionen US-Dollar auftankte, statt – wie üblich – auf einem Militärflughafen, wo der Sprit deutlich billiger gewesen wäre. Den Betreibern des Flughafens dürfte die Aktion gerade recht gekommen sein, haben sie doch derzeit mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Flughafen gehört seit 2013 dem schottischen Staat, der ihn vor fünf Jahren für einen Pfund gekauft hatte. Seit einigen Monaten sucht Schottland nun einen neuen Besitzer, doch - wie bei den meisten regionalen Kleinflughäfen - gestaltet sich die Airportsuche schwierig. Für das Golf Ressort ist der nahe gelegene Flughafen essenziell. Luxusgäste reisen nicht nach Schottland zum Golfen, wenn die Entfernung zwischen Abschlagpunkt und Gangway zu groß ist.

Trump hat sich als Präsident nie von seinen Geschäften distanziert 

Gut gelegen kommt der Besuch der Airforce-Mitarbeiter auch dem finanziell angeschlagenen Golfressort. Im Jahr 2017 steckte das Hotel tief in den roten Zahlen und erwirtschaftete einen Verlust von 4,5 Millionen Dollar. 2018, im ersten Jahr der Trump‘schen Präsidentschaft, erwirtschaftete Turnberry auf einmal einen Gewinn von drei Millionen US-Dollar.

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Im Gegensatz zu seinen Vorgängern im Amt hatte Trump, selbst passionierter Golfer,* sich nach seiner Wahl nicht von seinen Geschäften distanziert, geschweige denn seine Steuererklärung veröffentlicht. Es bleibt also ein Geheimnis, inwieweit das finanziell arg gebeutelte Trump-Imperium von einer Trump-Präsidentschaft profitiert.

Der Präsident der USA twittert außerdem sehr gerne und leidenschaftlich über Politik. Dooch er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass Internetnutzer anhand eines Satellitenfotos Details über einen streng geheimen Spionage-Satelliten der USA herausfinden können.

*fr.de und merkur.de sind Teile des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

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