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Hispanische Wählerschaft

„Schweinebucht-Preis“: Donald Trump prahlt mit einer Auszeichnung, die es nicht gibt

  • VonMirko Schmid
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Donald Trump versucht sich die Liebe der hispanischen Wählerschaft in den USA zu sichern, indem er sich damit rühmt, den „Schweinebucht-Preis“ bekommen zu haben. Nur: Diesen Preis gibt es gar nicht.

  • Präsident Donald Trump kämpft im US-Wahlkampf um die wichtigen Stimmen der hispanischen Wählerschaft.
  • Milliardär Michael Bloomberg investiert in Florida 100 Millionen US-Dollar in die Kampagne von Herausforderer Joe Biden.
  • Trump beschimpft Bloomberg und prahlt mit einer Auszeichnung von Exil-Kubanern, die nicht existiert.

Für US-Präsident Donald Trump gilt Florida mit seinen knapp 21,5 Millionen Einwohnern und 29 Wahlmännern als entscheidend, will er im November entgegen aller Umfragen wiedergewählt werden. Die Berater des Präsidenten sehen den größten „Swing State“ als „must win“ für den Amtsinhaber. Es gilt als ausgemacht, dass Donald Trump wenig Chancen auf einen Wahlsieg hat, verliert er den Staat an seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden. Da passt es gar nicht in Trumps Plan, dass der ehemalige New Yorker Bürgermeister und Medienmogul Michael Bloomberg Bidens Kampagne im Sonnenstaat mit 100 Millionen US-Dollar bezuschusst.

Also versucht sich der 45. Präsident der USA jetzt um jeden Preis die Stimmen der hispanischen Bevölkerung in Florida zu sichern. Wenig verwunderlich, machen die sogenannten Hispanics doch inzwischen rund ein Viertel der Bevölkerung des „Swing States“ aus. Dabei spielt Trump in die Karten, dass die „Latinos“ traditionell als den Republikanern gewogen gelten. So sehr gewogen, dass Trump jetzt seinen „Schweinebucht-Preis“ in die Arena des öffentlichen Diskurses wirft, um nachzuweisen, wie sehr ihn die Hispanics lieben. Diesen hätten ihm, so Trump, die „Miami Cubans“ als Auszeichnung für all die großen Taten verliehen, die er der „großartigen kubanischen Bevölkerung“ der USA hat angedeihen lassen.

Donald Trump „verleiht“ sich eine nicht existente Auszeichnung und Twitter lacht

Eine schöne Auszeichnung, ein Nachweis der Unterstützung aus Reihen der in Florida für einen Wahlsieg kaum verzichtbaren Wählergruppe der Hispanics. Nur ein verschwindend kleines Detail lässt Donald Trump dabei unerwähnt: Es gibt gar keinen „Schweinebucht-Preis“. Die Auszeichnung ist frei erfunden. Ärgerlich für Trump, dass die Internetgemeinde solche unbedeutenden Details in unseren modernen Zeiten relativ schnell ergänzt. Somit sieht sich der Präsident der USA jetzt einer gewissen Belustigung ausgesetzt - auch und gerade auf seiner favorisierten Plattform Twitter.

Und so verhallen Donald Trumps Twitter-Triaden auf Herausforderer Joe Biden nun vergleichsweise ungehört, zu laut ist das (virtuelle) Gelächter über den Präsidenten und seine Fake-Auszeichnung. Dabei hatte sich Trump seinen Angriff auf Biden so schön zurechtgelegt. Seit 47 Jahren sei Biden „schrecklich“ zur hispanischen Bevölkerung der USA. Und nun verließe er sich auch noch auf die Hilfe von Bernie Sanders, diesen „Castro-Liebhaber“. Das wird nicht funktionieren, ist sich der Präsident sicher. Die Punchline sitzt. Sie sitzt, bis Trump im direkten Anschluss von seiner Auszeichnung aus den Reihen der Exil-Kubaner fabuliert.

Trumps Auszeichnung aller Exil-Kubaner, die nur eine Empfehlung einiger weniger war

Es wäre allerdings unfair unerwähnt zu lassen, dass Trump tatsächlich im Zuge des vergangenen Wahlkampfes von 2016 eine Wahlempfehlung aus Reihen der sogenannten Schweinebucht-Veteranen-Vereinigung erhielt. Und weil Trump es nur schwer lassen kann, Lob und Ehre persönlich in Empfang zu nehmen, besuchte er die Veteranen auch umgehend. Diese überreichten ihm ein kleines Geschenk: eine handgemalte und hübsch eingerahmte Abbildung des Wappens der Brigade 2506. Natürlich ist Trumps Wahlkampfteam jedes Mittel Recht, um ihrem Präsidenten die Schmach der erfundenen Schweinebucht-Auszeichnung zu ersparen. Und so wird aus dem kleinen Gemälde eben der Schweinebucht-Preis - und Donald Trump sein erster Preisträger.

Selbstverständlich bleibt auch eine solche kühne Umdeutung der Wahrheit nicht lange für sich stehen und so war es CNN-Faktenchecker Daniel Dale, der das Kartenhäuschen der kleinen Schwindelei umgehend einstürzen ließ. Es sei üblich für Donald Trump, dass der Mann im Weißen Haus Vermerke und andere Nicht-Auszeichnungen in Auszeichnungen umdeute: „Die Sache ist, dass die Empfehlung 2016 laut lokaler Berichterstattung eine beispiellose Bestätigung der Veteranen der Schweinebucht war. Trump konnte sich also genau damit rühmen. Aber er scheint oft eine eigene Umdeutung der beeindruckend klingenden Korrektheit vorzuziehen - keine Wahrheit ist zu gut, um sie nicht zu verschönern.“

Dales Worte zwischen den Zeilen sind nur unschwer zu deuten: Eine Empfehlung klingt einfach nicht großartig genug für den großartigsten aller Präsidenten (Trump über Trump). Unter einer Auszeichnung macht er es einfach nicht. (Von Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Ethan Miller/afp

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