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Rede von Rudy Giuliani am WEißen Haus in Washington, D.C.
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Rudy Giuliani kämpft für Donald Trump.

„Sag einfach, wir haben gewonnen“

Lügen für den Wahlsieg: Rudy Giuliani stachelte Donald Trump auf

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Gewinnt Donald Trump oder Joe Biden die US-Wahl? Diese Frage war lange umstritten. Bereits in der Wahlnacht drängte Rudy Giuliani darauf, Nägel mit Köpfen zu machen – egal wie.

Washington, D.C. - Es war genau das Szenario, das viele vorher befürchtet hatten. Donald Trump lag bei der Präsidentschaftswahl in den USA zunächst vorne und sah schon fast wie der sichere Sieger aus. Doch in Wirklichkeit war das alles nur eine Fata Morgana. Denn schon vorher hatten Fachleute immer wieder darauf hingewiesen, dass Trumps demokratischer Herausforderer Joe Biden in dem Corona-Jahr 2020 überproportional viele Briefwahlstimmen auf sich vereinigen würde. Doch diese werden in den meisten Bundesstaaten eben erst ganz am Schluss ausgezählt. Es war also von vornherein klar, dass der Vorsprung von Donald Trump nach und nach zusammenschrumpfen würde.

Das wussten natürlich auch die Republikaner. Was also war zu tun? Einfach zusehen und abwarten, bis Joe Biden plötzlich in Schlüsselstaaten wie Michigan oder Pennsylvania die Führung übernehmen würde? Für Trumps damaligen Berater und Anwalt Rudy Giuliani kam das offenbar nicht infrage. Vielmehr soll er Trump in der Wahlnacht wiederholt dazu aufgefordert haben, „einfach zu sagen, dass wir gewonnen haben“ - selbst dann noch, als sich allmählich Donald Trumps Niederlage abzeichnete.

Rudy Giuliani reagiert irritiert auf Entwicklung in der Wahlnacht

Dies zumindest behaupten Carol Leonnig und Philip Rucker von der Washington Post in ihrem neuen Buch „I Alone Can Fix It: Donald J. Trump’s Catastrophic Final Year“ (auf Deutsch etwa: Nur ich kann es instand setzen: Donald J. Trumps katastrophales letztes Jahr). In einem Auszug, den die Zeitung jetzt vorab veröffentlichte, wird auch ein Gespräch zwischen Giuliani und einigen engen Trump-Vertrauten wiedergegeben.

„Was passiert in Michigan?“, wandte sich Giuliani demnach irritiert an Kampagnenmanager Bill Stepien, Stabschef Mark Meadows und Berater Jason Miller. Doch diese wiesen ihn zurück und bedeuteten ihm, es sei noch zu früh, um genauer darüber Bescheid zu wissen. Giuliani daraufhin: „Sagt doch einfach, dass wir gewonnen haben.“ Als sich die Lage in Pennsylvania ähnlich wie in Michigan entwickelte, kam von Giuliani die gleiche Botschaft: „Sagt doch einfach, dass wir gewonnen haben.“ Doch was zu viel ist, ist zu viel. Meadows soll jedenfalls sehr verärgert auf Giulianis ständige Einreden reagiert haben: „Das können wir nicht tun. Das geht nicht.“

Rudolph William Louis „Rudy“ Giuliani III
Geboren28. Mai 1944
GeburtsortEast Flatbush, New York City
EhepartnerinJudith Giuliani (verh. 2003–2019), Donna Hanover (verh. 1984–2002), Regina Peruggi (verh. 1968–1982)
KinderAndrew Giuliani, Caroline Giuliani

Arizona bringt das Fass für Rudy Giuliani zum Überlaufen

Tatsächlich hielt sich Trump zunächst noch zurück. Doch dann kam der GAU. Ausgerechnet Trumps Haus- und Hofsender Fox News lehnte sich weit aus dem Fenster und verkündete wesentlich früher als die Konkurrenz Joa Biden als Sieger des Bundesstaates Arizona. Hier konnte Giuliani endgültig nicht mehr an sich halten. „Ruf dich jetzt einfach zum Sieger aus“, sagte Giuliani angeblich zu einem wütenden Trump. „Du musst dich jetzt zum Sieger erklären.“

Trump ließ sich nun nicht mehr zweimal bitten. Um 2 Uhr morgens wandte er sich an die Öffentlichkeit und beanspruchte den Sieg für sich. „Wir sind dabei, diese Wahl zu gewinnen. Ehrlich gesagt, wir haben die Wahl gewonnen. Wir haben diese Wahl gewonnen“, sagte Trump in einer Rede im East Room des Weißen Hauses. Trump sprach darin vom „Betrug an der Nation“, nannte die Auszählung eine „Schande für das Land.“ und kündigte an, juristische Schritte einzuleiten: „Wir werden vor den Supreme Court ziehen. Wir wollen, dass alles Wählen endet.“

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Rudy Giuliani kämpft für Donald Trump

Genutzt hat es allerdings nichts. Trotz aller Versuche von Trump und Giuliani wurde Joe Biden später als 46. Präsident der USA vereidigt. Dabei hatte Trump Mitte November 2020 Giuliani extra noch mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt. Stets behauptete Giuliani ohne jeden Beweis, dass Trump nur aufgrund des massiven Wahlbetrugs verloren habe. Mehrere Klagen der Trump-Anwälte in verschiedenen Bundesstaaten scheiterten wegen fehlender Belege.

Seien Loyalität zu Trump kam Giuliani später teuer zu stehen. Im Juni 2021 verlor er vorläufig wegen seiner Äußerungen zum Wahlbetrug seine Anwaltslizenz in New York. Trump selbst gab Giuliani anschließend Rückendeckung. Giuliani sei ein „großer amerikanischer Patriot“, hieß es in einer Mitteilung, New York sei „außer Kontrolle“. Schließlich verfiel Trump wieder auf sein Lieblingswort. Die Entscheidung des Gerichts gegen Giuliani sei eine „Hexenjagd“. (Christian Stör)

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