Persönlicher Anwalt des Präsidenten

Donald Trumps Mann fürs Grobe: Rudy Giuliani hat „Blankovollmacht“

  • vonMirko Schmid
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Im US-Wahlkampf ist Rudy Giuliani, der persönliche Anwalt von Donald Trump, der Mann fürs Grobe im Team des Präsidenten. Diese Rolle steht zunehmend in der Kritik.

  • Rudy Giuliani scheut im Wahlkampf für Donald Trump nicht davor zurück, besonders aggressive Mittel einzusetzen.
  • Zuletzt hatte Donald Trumps persönlicher Anwalt fragwürdige Anschuldigungen gegen Joe Biden verbreitet.
  • Alle Nachrichten und Informationen rund um den 45. Präsidenten der USA finden Sie in den Trump News.

USA - Die Vereinigten Staaten von Amerika stehen kurz vor der Präsidentschaftswahl. Am 3. November (und nicht unwahrscheinlich auch in den Tagen danach) geht es um nicht weniger als die Frage, ob Donald Trump weitere vier Jahre im Weißen Haus regieren darf oder ob sein demokratischer Herausforderer Joe Biden ins Oval Office einzieht. Wenig überraschend zieht der Wahlkampf wenige Tage vor der Wahl noch einmal an. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht immer mehr Rudy Giuliani, der persönliche Anwalt des Präsidenten.

Rudy Giuliani: Der Mann hinter dem schmutzigen Wahlkampf von Donald Trump

Donald Trumps Anwalt Rudy Giuliani steht im Verdacht, Beweismittel gegen Joe Biden gefälscht zu haben

Giuliani, der bereits seit Wochen im Verdacht steht, einen russischen Spion damit beauftragt zu haben, Beweismittel gegen Joe Biden zu fälschen, sieht sich erneut dem Vorwurf ausgesetzt, halbseidene Anschuldigungen gegen den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten in Umlauf gebracht zu haben. Erneut spielt dabei Hunter Biden, der Sohn des ehemaligen Vizepräsidenten, eine Rolle. Rudy Giuliani nämlich fütterte die New York Post, eine Zeitung aus dem Universum des FOX-Chefs und Medienmoguls Rupert Murdoch, mit angeblichen Beweisen an, die er direkt von Hunter Bidens Laptop haben will.

Dieser Laptop soll zur Reparatur abgegeben worden sein, der Inhaber des Computershops soll daraufhin eine Kopie der Festplatte angelegt und sie über einen Mittelsmann an Rudy Giuliani weitergegeben haben. Auf der Festplatte will Giuliani Beweise dafür gefunden haben, dass Joe Biden, Herausforderer seines Mandanten Donald Trump, in seiner Zeit als Vizepräsident unter Barack Obama Deals mit einem ukrainischen Energieunternehmen eingefädelt haben soll. Während Joe Biden alles abstreitet und die mediale Öffentlichkeit in den USA den Anschuldigungen skeptisch gegenübersteht, verteidigt Giuliani seinen Schachzug. Als „Nazis“ und „Kommunisten“ beschimpft der ehemalige Bürgermeister von New York beispielweise Facebook, Twitter und YouTube, die der Verbreitung des Berichts der New York Post zuletzt einen Riegel vorgeschoben hatten.

Im Umfeld von Donald Trump wird die Kritik an Rudy Giuliani zunehmend lauter

Doch langsam macht sich selbst im Umfeld von Donald Trump eine gewisse Unruhe breit, Kritik an Rudy Giuliani und den Methoden von Trumps engem Berater wird lauter. Brendan Buck, ein ehemaliger hochrangiger Berater der Republikaner spricht aus, was Berichten zufolge nicht wenige denken. Rudy Giuliani habe Donald Trump geraten, die Drogenvergangenheit von Joe Bidens Sohn Hunter zu thematisieren - was dieser unter anderem im ersten TV-Duell mit Joe Biden prompt tat - und was Biden mit liebevollen Worten über seinen inzwischen geläuterten Sohn konterte. Dies habe Trump geschadet, befindet Buck: „Giuliani scheint völlig in einem Fiebersumpf zu leben, ohne zu ahnen, wie viel Schaden er dem Präsidenten zufügt. Es mag den Hardcore-Trump-Wählern gefallen, aber es ist auch ein verdammt gutes Geschenk an Biden, Durchschnittsbürger daran zu erinnern, dass er ein liebevoller Vater ist.“

Dan Eberhart, Geschäftsmann und wichtiger Spender von Wahlkampfgeldern für Donald Trump, fällt laut einem Bericht des Internetmagazins Daily Beast ein ähnliches Urteil: „Was auch immer Hunter Biden 2014 getan hat, es wird Trump nicht reichen, um die Wahl zu gewinnen. Das Team Trump braucht Joe Bidens Fingerabdrücke auf einer Waffe oder sie müssen sich etwas anderes einfallen lassen.“ In eine ähnliche Kerbe schlägt Marc Thiessen, ein Kolumnist der Washington Post, der Donald Trump kürzlich interviewt hatte, auf FOX News. Er habe den Präsidenten gebeten, ihn nicht weiter auf die Geschichte rund um den ominösen Laptop des Sohns von Joe Biden anzusprechen. Die Wähler interessiere das Ganze schlicht nicht, vielmehr würden sich diese um die Lage der Wirtschaft sorgen und keine vier weiteren Jahre Chaos wollen.

Donald Trump greift auf Anraten seines Anwalts Rudy Giuliani Joe Bidens Sohn auf persönlicher Ebene an

Doch Rudy Giulianis Saat geht bereits auf im Handeln des Präsidenten. In einem Interview mit dem Daily Beast bekräftigt Giuliani, dass er Trump abgeraten habe, die Drogenvergangenheit von Hunter Biden weiter im Wahlkampf zu thematisieren. Auch habe er es abgelehnt, dem Präsidenten Fotografien vorzulegen, die Hunter Biden mit sexuell expliziten oder drogenbezogenen Inhalte in Verbindung bringen (und die Giuliani auf Bidens Laptop gefunden haben will). Die Message war gesetzt: Es gibt also Bilder, die Hunter Biden in Diskredit bringen. Und Donald Trump möchte „wahrscheinlich auch in Zukunft“ über die Drogenabhängigkeit des Sohns von Joe Biden reden, räumt Rudy Giuliani im Interview ein.

Obwohl die führenden sozialen Medien die Verbreitung der Anschuldigungen gegen Hunter und Joe Biden einzudämmen versuchen, finden diese weiter rege Verbreitung. Ein Tweet von Wayne Allyn Root, Aufwärmredner auf Donald Trumps Wahlkampftournee, in dem Root die Anschuldigungen erneuert, wurde mehr als 30.000 Mal geteilt. Es sei außerdem schwierig nachzuverfolgen, inwieweit die Anstrengungen von Facebook, Twitter und YouTube erfolgreich waren, das Streuen der unbewiesenen Anschuldigungen gegen Biden einzudämmen, sagt Dr. Joan Donovan, die im Bereich Medien und Politik an der Havard Universität forscht.

Donald Trump soll Rudy Giuliani de facto eine „Blankovollmacht“ für schmutzigen Wahlkampf ausgestellt haben

Ein weiterer führender Berater im Wahlkampfteam von Donald Trump sowie eine weitere Quelle aus dem nahen Umfeld des Präsidenten gaben gegenüber dem Daily Beast an, dass Rudy Giuliani Trump dazu animiert habe, die Drogenvergangenheit des Sohnes von Joe Biden im Wahlkampf zur anstehenden US-Wahl auszuschlachten. Sie seien sich einig darin, dass dies dem Präsidenten mehr schade als nutze und dass es sinnvoller sei, persönliche Angriffe aus den politischen Angriffen auf Joe und Hunter Biden herauszuhalten. Doch so einfach sei Trump das nicht beizubringen - Giuliani habe de facto eine Blankovollmacht des Präsidenten für schmutzigen Wahlkampf: „Rudy wird sein Ding machen und wir können nichts dagegen tun.“

Ein weiterer hochrangiger Funktionär im Wahlkampfteam von Donald Trump bringt es dem Daily Beast zufolge auf eine einfache Formel: „Überlassen Sie das Crack- und Sex-Zeug Rudy.“ Und Giuliani liefert weiter: Er habe den Strafverfolgungsbehörden in Delaware „Beweise“ vorgelegt, dass Hunter Biden sexuellen Kontakt zu einem „namenlosen 14-jährigen Mädchen“ gesucht und sexuell explizite Bilder von minderjährigen Mädchen besessen habe. Behauptungen, an deren Glaubwürdigkeit die Strafverfolgungsbehörden von Dalaware umgehend Zweifel anmeldeten und den Fall an das FBI weiterleiteten. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © JOSHUA ROBERTS/afp

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