US-Wahlkampf

Rudy Giuliani und die Hunter Biden E-Mails: Trump-Anwalt verliert im Interview die Nerven

  • vonMirko Schmid
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Selbst im Interview mit Fox News muss sich Rudy Giuliani Kritik anhören. Der persönliche Freund und Anwalt Donald Trumps reagiert auf seine eigene Weise.

  • Rudy Giuliani, der persönliche Anwalt von Donald Trump, macht vor der US-Wahl mit vermeintlich brisanten E-Mails von Hunter Biden Stimmung gegen Joe Biden.
  • Giuliani gilt im Wahlkampfteam von Donald Trump als rabiater Scharfmacher gegen Joe Biden.
  • Alle News zu Donald Trump, dem 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, finden Sie hier.

USA - Um das Nervenkostüm von Rudy Giuliani, dem persönlichen Anwalt von Donald Trump, ist es wenige Tage vor der US-Wahl am 3. November nicht gut bestellt. In einem aktuellen Interview mit Fox News-Moderatorin Lisa Kennedy Montgomery platzte ihm jetzt der Kragen. Angesprochen darauf, dass ihn manche mit Christopher Steele vergleichen könnten, wurde Giuliani richtig sauer.

Trumps Anwalt Rudy Giuliani im Interview mit Fox News: „Entschuldigen Sie sich!“

Der ehemalige britische Geheimdienstmitarbeiter Steele nämlich hatte im Jahr 2016 ein Dossier veröffentlicht, demzufolge die russische Regierung den Wahlkampf unterstützt habe. Darüber hinaus gab Steele an, dass russische Behörden über kompromittierende Beweise gegen Donald Trump verfügten, die den Präsidenten erpressbar machten. Trump nannte Steele daraufhin einen „gescheiterten Spion“, Russlands Außenminister Sergei Lawrow bezeichnete Steele als „davongelaufenen Gangster“. Im Jahr 2020 stellte ein US-Gericht fest, dass die Behauptungen in Steeles Dossier „unbegründet waren oder gar gänzlich widerlegt wurden.“

Rudy Giuliani ist auf 180: Im Interview mit Fox-Moderatorin Lisa Kennedy Montgomery fordert der Anwalt von Donald Trump eine Entschuldigung

Republikaner Giuliani wiederum, der mit gefälschten oder „optimierten“ Beweismitteln gegen Joe Biden, den Herausforderer von Donald Trump, in Verbindung gebracht wird, hält wenig von diesem Vergleich. Der Mann fürs Grobe im Team Trump verschränkt die Arme und wettert los: „Sie wollen mich doch auf den Arm nehmen. Ich soll mich verhalten haben wie Christopher Steele?“ Montgomery bekräftigt: „So hört es sich an.“ Giuliani kam daraufhin vollends in Rage: „Sie entschuldigen sich besser! Sie entschuldigen sich besser dafür! Ich war beigeordneter Generalstaatsanwalt der USA, ich war Bürgermeister von New York City und ich habe mir nie etwas zuschulden kommen lassen. Und Sie werfen mir jetzt vor, ich sei Christopher Steele?“

Rudy Giuliani, der Mann fürs Grobe im Team Trump, fürchtet um seine „Reputation“

Montgomery konkretisierte, sie werfe dem persönlichen Anwalt von Donald Trump vor, „auf eine ähnliche Art und Weise wie Christopher Steele“ vorzugehen, kam aber nicht dazu, ihren Satz zu beenden, weil ihr Rudy Giuliani ins Wort fällt: „Was Sie sagen, ist eine empörende Diffamierung mir gegenüber. Gegenüber meiner Reputation.“

Giulianis gereizte Reaktion könnte daran liegen, dass seine geplante „Oktoberüberraschung“, ein verheerender Angriff auf den Demokraten Joe Biden, weitestgehend folgenlos blieb. Das vermutet der Guardian: „Als Rudy Giuliani vor Wochen den Inhalt von Hunter Bidens angeblichem Laptop zum ersten Mal online stellte, versprach er 10 Tage vor der Präsidentschaftswahl eine Menge noch schlimmerer Informationen. Doch in weniger als einer Woche bewegt sich Giuliani, der persönliche Anwalt von Präsident Donald Trump, immer noch in der konservativen Medien-Nahrungskette und sucht nach Abnehmern.“

Klassische Abnehmer von „Nachrichten“, welche Donald Trump im Wahlkampf gegen Joe Biden helfen könnten, wie Fox News, zweifelten an der Glaubwürdigkeit der angeblichen Beweise von Rudy Giuliani gegen Hunter Biden, vermutet der Guardian. Und selbst „ausdrücklichere Pro-Trump-Medien“ wie One American Network (OAN), Breitbart und Newsmax scheuten sich „größtenteils davor zurück, frischere, brutalere Anschuldigungen“ zu veröffentlichen. In der rechtskonservativen Blase habe sich der Spin außerdem weg von vermeintlichen Beweisen gegen Hunter Biden und hin zu Anschuldigungen gedreht, dass Mainstream-Medien und Social-Media-Unternehmen sich gegen Donald Trump verschworen hätten, indem sie die gesamte Geschichte klein halten würden. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © CHIP SOMODEVILLA/afp

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