US-Wahlkampf

Donald Trumps Anwalt Rudy Giuliani: „Wie die Nazis oder Kommunisten“

  • vonMirko Schmid
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Wenn es um dubiose Geschichten rund um Joe Biden geht, ist er nicht weit entfernt: Anwalt Rudy Giuliani. Auch bei der Kampagne gegen Hunter Biden hat Donald Trumps Vertrauter seine Hände im Spiel. Das FBI ermittelt.

  • Rudy Giuliani, der persönliche Anwalt von Donald Trump, will an brisante E-Mails von Hunter Biden gelangt sein.
  • Giuliani musste sich zuletzt dem Vorwurf stellen, Beweismittel gegen Joe Biden von einem russischen Spion gefälscht haben zu lassen.
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Update vom Mittwoch, 21.10.2020, 11:37 Uhr: Rudy Giuliani ist sauer. Nachdem Facebook, Twitter und YouTube die Verbreitung einer Story der New York Post eingeschränkt hatten, die im Verdacht steht, mit zumindest illegal erhaltenen wenn nicht sogar gefälschten Daten Joe Biden im Wahlkampf zu diskreditieren, äußerte sich der persönliche Anwalt von Donald Trump nun verärgert. Selbst wenn die Beweise nicht „korrekt“ seien, habe die Öffentlichkeit in den USA ein Recht darauf, davon zu erfahren.

Die New York Post habe er bewusst gewählt, um die vermeintlichen Beweise gegen Joe Biden und seinen Sohn Hunter zu veröffentlichen, schließlich würde die in Rupert Murdochs FOX-Universum angesiedelte Zeitung nicht „die ganze Zeit damit verbringen“, vor der Veröffentlichung Widersprüche zu suchen, so Giuliani. Auf das Entfernen der Donald Trump im Wahlkampf nützlichen Anschuldigungen gegen Joe Biden in den sozialen Medien reagierte Rudy Giuliani gereizt: „Das erinnert mich an die Kommunisten oder die Nazis.“

Rudy Giuliani: Der Anwalt von Donald Trump will bewusst Meldungen verbreiten, die nicht „exakt“ sind.

Update vom Montag, 19.10.2020, 21:00 Uhr: Die angebliche Affäre rund um den Computer von Hunter Biden und Rudy Giuliani, den persönlichen Anwalt von Donald Trump, dreht sich weiter. Nicht einmal der Autor selbst schien vollends überzeugt, dass an der Geschichte rund um geleakte Emails von Hunter Biden und angeblich belastendes Material über Joe Biden etwas dran sei.

Wie die „New York Times“ nun berichtet, war Bruce Golding, Autor der Geschichte der „New York Post“, nicht bereit, seinen Namen unter dem Artikel zu veröffentlichen. Neben ihm hätten sich zahlreiche andere Mitglieder der Belegschaft über mangelnde Überprüfung der Fakten bei der Geschichte beklagt.

Rudy Giuliani habe dieses Vorgehen bei der „New York Post“ wiederum bei der Wahl der Zeitung einkalkuliert. „Es hätte ohnehin kein anderer genommen, und wenn, dann hätten sie die ganze Zeit versucht, es zu widerlegen, bevor sie es veröffentlichen“, so Giuliani.

Update von Samstag, 17.10.2020, 16.00 Uhr: Nach dem Bericht der New York Post über angeblich geleakte E-Mails von Hunter Biden, Sohn des US-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden, hat sich nun offenbar das FBI eingeschaltet. Donald Trumps Anwalt Rudy Giuliani behauptet, die Mails stammten von einem PC aus einem Reparaturgeschäft, der dort nie abgeholt wurde, und seien ihm von dem Inhaber zugesendet worden.

Jetzt ermittelt allerdings das FBI, ob hinter der E-Mail-Affäre um Hunter Biden ausländische Einflüsse stecken, wie die Associated Press berichtet. Zuvor wurde Russland vorgeworfen, sich in die US-Präsidentschaftswahl 2016 eingemischt zu haben.

Giulianis Kontakte werfen Fragen auf: FBI ermittelt

Trumps Vertrauter Rudy Giuliani soll extra ins Ausland gereist sein, um kompromittierende Informationen über Joe Biden und dessen Sohn Hunter Biden zu sammeln. Dabei ging es offenbar hauptsächlich um Joe Bidens Rolle als Ukraine-Beauftragter unter der Präsidentschaft von Obama und Bidens Sohn Hunter, der zu diesem Zeitpunkt für eine ukrainische Gasfirma gearbeitet hat.

Offenbar soll es bei den Ermittlungen des FBI um eine Kontaktperson Rudy Giulianis in der Ukraine gehen, wie CBC berichtet. Andrii Derkach, ein ukrainischer Abgeordneter, soll im Zusammenhang einer gezielte Einflussnahme Russlands stehen. Derkach wurde wohl auch als „langjähriger, aktiver russischer Agent“ bezeichnet. Genaueres zu den Ermittlungen soll noch nicht bekannt sein. Giuliani hatte sich mehrfach mit Derkach auf dessen Social Media-Kanälen ablichten lassen.

Twitter-Ärger: Donald Trump fällt auf Satire-Website rein und blamiert sich

Update von Freitag, 16.10.2020, 17:12 Uhr: Immer wieder passiert es, dass Satirenachrichten für bare Münze genommen und geteilt werden, wenn sie gerade in die eigene politische Agenda passen. Meistens ist das ziemlich peinlich, in die „Satire-Falle“ möchte niemand gerne tappen. Donald Trump ist genau das jetzt passiert.

Die Satire-Website „Babylon Bee“ hatte behauptet, dass Twitter komplett abgeschaltet wurde. „Grund“ dafür soll gewesen sein, dass die mutmaßlich mit gefälschten Daten „untermauerte“ Story der „New York Post“, der zufolge kompromittierende Beweise gegen Joe Biden auf dem Laptop seines Sohnes Hunter gefunden wurden, auf Twitter fleißig geteilt wurde.

Donald Trump glaubt, was er liest, selbst wenn es Satire ist - solange es ihm passt

Das passt dem US-Präsidenten natürlich gar nicht. Er wettert auf Twitter: „Wow, das gab es noch nie in der Geschichte“, es solle doch gefälligst mehr Aufmerksamkeit auf Joe Biden und die großen Technologiekonzerne gelenkt werden. Was Trump ganz offensichtlich überlesen hat (oder nicht lesen wollte): Die Satire-Website hatte unter anderem geschrieben, dass Twitter-Chef Jack Dorsey höchstpersönlich versucht habe, die Server des Kurznachrichtendienstes mit einem Vorschlaghammer auszuschalten.

Erstmeldung von Donnerstag, 15.10.2020, 16:58 Uhr: Ein schauerlicher Vorwurf erschüttert gut zwei Wochen vor den US-Wahlen die politische Landschaft der USA. Rudy Giuliani, persönlicher Anwalt von Donald Trump, ehemaliger Bürgermeister von New York und einst sogar „Time Person of the Year“, soll an Daten gekommen sein, die Hunter Biden, den Sohn des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden, schwer belasten.

Hunter Biden soll laut den Daten ein Treffen zwischen einem leitenden Angestellten eines ukrainischen Energieunternehmens, für das er selbst tätig war, und seinem Vater, dem damaligen Vizepräsidenten unter Barack Obama, vereinbart haben.

Mitte September kam heraus, dass ein russischer Spion für Donald Trump Beweismittel gegen Joe Biden gefälscht hatte

Wer verstehen will, wie wenig Substanz diese groß aufgemachte Sensationsmeldung der New York Post beinhaltet, muss ein paar Wochen in die Vergangenheit dieses denkwürdigen Wahlkampfes schauen. Mitte September 2020 war herausgekommen, dass ein enger Vertrauter von Donald Trumps Anwalt Rudy Giuliani nicht nur ein russischer Spion mit besten Verbindungen in den Kreml und damit zu Wladimir Putin war. Vielmehr war der russische Geheimdienstagent Andriy Derkach dabei erwischt worden, wie er Tonbänder manipuliert hatte, um Beweise gegen Joe Biden und dessen Familie zu fälschen.

Das US-Finanzministerium deckte die Machenschaften seinerzeit auf und hinderte Derkach daran, seinen Plan, den er in enger Absprache mit dem Team von Donald Trump ausgeheckt haben soll, umzusetzen. Gegen Joe Biden sollte mit falschen Beweisen eine bis zu den Wahlen andauernde Ermittlung im US-Kongress geführt werden, welche ihren Höhepunkt wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl zum US-Präsidenten finden sollte. Der republikanische Senator Ron Johnson nahm die gefälschten Beweise dankbar an und leitete die Ermittlungen ein, diese fanden jedoch nach der Enttarnung des russischen Spions ein jähes Ende.

Donald Trump und Rudy Giuliani: Wieder geht es um gefälschte Beweise gegen Joe Biden.

Wieder geht es um den privaten Anwalt von Donald Trump, Rudy Giuliani, und um gefälschte Beweise

Rudy Giuliani distanzierte sich genau wie Senator Ron Johnson schnellstmöglich von Spion Derkach und den gefälschten Beweisen, der Schaden, sowohl für die Glaubwürdigkeit Giulianis als auch für die Kampagne um Joe Biden, die durch Ermittlungen beschmutzt wurde, die auf gefälschten Beweisen aufgebaut war, war bereits angerichtet.

Ungeachtet dieser Tatsache versucht die „New York Post“, eine Zeitung aus dem Reich des langjährigen Weggefährten von Donald Trump, Fox-Chef und Multimilliardär Rupert Murdoch, jetzt im Wahlkampf erneut Joe Biden und seine Familie zu diskreditieren, indem sie sich aus dem Umfeld von Rudy Giuliani mit angeblichen Beweisen beliefern lässt.

Diesmal steht ein Laptop im Mittelpunkt, den Hunter Biden nur wenige Wochen vor der Wahl gutgläubig in einem Computergeschäft in Delaware zur Reparatur gegeben haben soll. Ein Mitarbeiter des Geschäfts soll in vorauseilendem Gehorsam eine Sicherheitskopie von Bidens Festplatte angefertigt und sie dem Anwalt von Trumps Anwalt Giuliani, Robert Costello, übergeben haben. Und ebenjene Festplatte soll Beweise enthalten haben, dass Joe Biden sich während seiner Amtszeit als Vizepräsident konspirativ mit ukrainischen Energieunternehmern habe treffen wollen.

Der Inhaber des Computershops, in dem Hunter Biden seinen Laptop abgegeben haben soll, verstrickt sich in Widersprüche

Am Mittwochnachmittag (14.10.2020) trafen Journalisten verschiedener US-Medien, darunter „The Daily Beast“, den in Wilmington, Delaware lebenden Besitzer des Computershops, John Paul Mac Isaac. Das aufgezeichnete Gespräch, fast eine Stunde lang, ist schon jetzt ein Dokument der Widersprüchlichkeit. Isaac, der das ganze Gespräch über sehr nervös wirkt, sagt unter anderem, dass er Angst um sein Leben und das Leben derer habe, die er liebt.

Mehrfach kommt er in der Zeitleiste der Abläufe durcheinander, behauptet aber, die versuchte Amtsenthebung gegen Donald Trump in der Ukraineaffäre sei eine „Täuschung“ gewesen. Seine Aktivitäten in den sozialen Medien lassen vermuten, dass er ein großer Anhänger des aktuellen US-Präsidenten ist, den er 2016 gewählt haben will. An dem besagten Tag, als Hunter Biden den Laptop abgegeben haben soll, will Isaac krank gewesen sein. Aber ein Aufkleber auf dem Laptop der Beau Biden Foundation sei für ihn Beweis genug gewesen, dass der Laptop nur von Hunter Biden abgegeben worden sein konnte.

Computershopbesitzer Mac Isaac will Kontakt mit dem FBI gehabt haben

Mehrfach widerspricht sich der Geschätfsbesitzer selbst. Gibt Isaac zunächst an, er habe die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet, als er auf die Daten auf dem Laptop gestoßen sei, die Hunter Biden vermeintlich diskreditieren (so sie denn existieren), behauptet er später, das FBI habe ihn von sich aus kontaktiert. Er will auch mit „jemandem“ vom FBI E-Mails ausgetauscht haben. Später behauptet er, ein „Spezialagent“ aus dem Büro des FBI in Baltimore habe ihn kontaktiert, nachdem er das FBI auf die Existenz des Gerätes in seinem Laden aufmerksam gemacht hätte. Und wieder zu einem anderen Zeitpunkt des Interviews gibt er an, das FBI habe ihn um Zusammenarbeit gebeten.

Später beruft sich Mac Isaac auf eine in den USA berüchtigte Verschwörungstheorie um den Tod des ehemaligen Mitarbeiters der Demokraten Seth Rich. Dieser war im Rahmen eines aus dem Ruder gelaufenen Raubüberfalls getötet worden. Verschwörungstheorien der politischen Rechten in den USA besagen allerdings, Rich sei vom Team um Hillary Clinton getötet worden, da er E-Mails geleakt haben sollte. Er habe deswegen große Angst, nun selbst Opfer eines Mordanschlages zu werden. Deswegen habe er die Kopie der Festplatte zum eigenen Schutz hergestellt: „Sie wussten wahrscheinlich, dass ich im Besitz einer Kopie der Festplatte war, weil ich ziemlichen Lärm darum gemacht habe, weil ich nicht ermordet werden wollte.“

Rudy Giuliani - der „Rettungsschwimmer“ von Isaac? „Kein Kommtentar“

Manche Fragen will Mac Isaac gar nicht beantworten. Zum Beispiel die, ob er, bevor er die Daten an Rudy Giuliani weitergeben ließ, jemals zuvor Kontakt zu dem persönlichen Anwalt von Donald Trump hatte. Als die Journalisten nachhaken und ihn weiter nach seiner Beziehung zu Giuliani befragen, sagt Isaac: „Wenn Sie Angst haben und nichts über die Tiefe des Wassers wissen, in dem Sie schwimmen, wollen Sie einen Rettungsschwimmer finden.“ Als er bemerkt, dass er eventuell zu viel gesagt hat, sagt Isaac „Oh, Scheiße.“ Auf die Nachfrage, ob Giuliani also sein „Rettungsschwimmer“ gewesen sei, sagt der Computershopinhaber nur: „Kein Kommentar!“

Facebook und Twitter haben die „Nachricht“ der New York Post inzwischen gesperrt, was im republikanischen Lager für Verärgerung sorgt. Senator Ted Cruz spricht von einem „offensichtlichen Eingriff in den Wahlkampf“. Der Vorsitzende des Justizausschusses des Senats möchte die „großen Medien“ dafür zur Verantwortung ziehen. Wen er zur Verantwortung ziehen möchte, wenn sich die „Beweise“ gegen Hunter Biden als tatsächlich gefälscht erweisen sollten, sagt Cruz nicht. (Von Mirko Schmid)

Sehr geehrte Leser*innen, in einer früheren Version dieses Artikels war ein Tweet von Richard Spencer eingebunden. Spencer ist Faschist, Antisemit und ein zentraler Akteur der „Alt Right“ in den USA. Das war ein Fehler und wir bitten, dies zu entschuldigen.

Rubriklistenbild: © CHIP SOMODEVILLA/afp

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