US-Wahl 2020

Donald Trump und seine „Proud Boys“: Republikaner distanzieren sich vom US-Präsidenten

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Nach Donald Trumps Aufruf an die rechtsextremen „Proud Boys“, sich „bereitzuhalten“, gehen selbst Republikaner auf Distanz zum US-Präsidenten. Trump selber macht eine Kehrtwende.

  • Republikaner gehen nach Äußerungen an die ultrarechten „Proud Boys“ auf Distanz zu Donald Trump.
  • Die Neonazis feiern Donald Trumps Bemerkung als Unterstützung.
  • Donald Trump News: Alle Neuigkeiten zum US-Präsidenten und zur US-Wahl im Überblick.

Washington D.C. - Nach dem ersten TV-Duell zur Präsidentschaftswahl kommt es in der Republikanischen Partei zur Unruhe. Viele Republikaner distanzieren sich aufgrund der Bemerkungen von Donald Trump über die Neonazi-Gruppierung „Proud Boys“ vom US-Präsidenten - und das in den kritischen Wochen vor der Wahl am 3. November.

In der TV-Debatte am Dienstagabend (29.09.2020) in Cleveland fragte Moderator Chris Wallace von Fox News fragte Donald Trump, was er den „Proud Boys“ zu sagen habe. „Macht einen Schritt zurück und haltet euch bereit“, antwortete der US-Präsident. Die Gruppe selber feierte diesen Satz als faktische Unterstützung. Trump lenkte jedoch konstant ab, bezeichnete stattdessen die Antifa als „ein echtes Problem“ und „eine gefährliche radikale Bewegung“.

„Proud Boys“: Republikaner distanzieren sich nach Bemerkungen von Donald Trump

Donald Trumps Aufruf an die „Proud Boys“ sorgt bei einigen Republikanern für Unmut.

Die Republikaner gingen am Folgetag allerdings auf Distanz. „Es ist inakzeptabel, ‚white supremacists‘ nicht zu verurteilen“, erklärte Mitch McConnell, Mehrheitsführer im Senat. Beim Namen nannte er den US-Präsidenten allerdings nicht, wie die „New York Times“ berichtet.

South Carolinas Senator Lindsey Graham forderte den Präsidenten auf, klarzustellen, dass die „Proud Boys“ eine rassistische Organisation sei, die im Gegensatz zu „amerikanischen Idealen“ stehe. Auch der Kongressabgeordnete Tom Cole forderte Donald Trump auf, diese und andere extremistische Gruppierungen klar zu denunzieren. Tim Scott, ebenfalls Senator für South Carolina deutete an, dass Trump sich versprochen haben könnte und bat den US-Präsidenten, seinen Fehler zu korrigieren. „Wenn er sich nicht berichtigt, hat er sich wohl nicht versprochen“, fügte er auch hinzu.

„Proud Boys“: Donald Trump betreibt nach Äußerungen Schadensbegrenzung

Donald Trump selber betrieb am Mittwoch Schadensbegrenzung - und legte dabei eine fast vollständige Kehrtwende ein. „Ich weiß nicht, wer die ‚Proud Boys‘ sind. Sie werden mir eine Definition geben müssen“, teilte er Reportern mit. „Wer auch immer sie sind, sie müssen sich zurückhalten und die Strafverfolgungsbehörden ihre Arbeit machen lassen.“

Bereits vor der Präsidentschaftswahl 2016 unternahm Trump einen Versuch der Distanzierung vom rassistisch-gewalttätigen Ku-Klux-Klan. Als ihr ehemaliger Anführer David Duke seine Kandidatur offen unterstützte, behauptete Trump, dass er ihn überhaupt nicht kenne.

Doch ob Republikaner ihre Unterstützung für Donald Trump vollständig einstellen werden, ist höchst unwahrscheinlich. Trotz der Distanzierungen griff den Präsidenten keiner direkt an, auch aus Sorge, Wählerstimmen zu verlieren und öffentlich von Trump zurechtgewiesen zu werden.

Rubriklistenbild: © Nathan Howard

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