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"Verräter" schimpfen Demonstranten ihren wankelmütigen Präsidenten.

US-Präsident

Donald Trump übt den präsidialen Eiertanz

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Im Tagesrhythmus ändert Donald Trump seine Erklärungen zum Verlauf des Helsinki-Gipfels mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Das trägt dem US-Präsidenten Hohn und Spott ein.

Der erste Versuch brachte ihm viel Hohn und Spott ein. Er habe irrtümlich ein „nicht“ verschluckt, als er Moskau von der Einmischung in den US-Wahlkampf freisprach, erklärte Donald Trump am Montag. Am Dienstag sagte er dann einmal zu viel „Nein“. Er war gefragt worden, ob Russland die USA immer noch im Visier habe. Dieses Mal sollte die Verneinung angeblich nur den lästigen Journalisten abwimmeln. Am Mittwoch behauptete er schließlich, er habe die russischen Hackerangriffe offensiv bei Präsident Wladimir Putin moniert: „Ich habe ihn wissen lassen, dass wir das nicht dulden können.“

Seit fast einer Woche versucht US-Präsident Trump, seinen desaströsen Auftritt nach dem amerikanisch-russischen Gipfeltreffen in Helsinki zu bereinigen. Doch seine Pirouetten werden immer aberwitziger, seine Erklärungen sind mit den Gesetzen der Logik kaum noch in Einklang zu bringen. Am Donnerstag verzichtete die „New York Times“ komplett auf einen Leitartikel und druckte stattdessen die wichtigsten Wortlautauszüge der Pressekonferenz von Helsinki. Der ganze Duktus schließt aus, dass sich der Präsident einfach nur versprochen hat.

Dabei ist der Sachverhalt eigentlich einfach: Schon zwei Wochen vor seiner Amtseinführung wurde Trump im Januar 2017 von den versammelten Leitern seiner Geheimdienste und des FBI informiert, dass Russland versucht hatte, die US-Wahl zu beeinflussen. Nach einem Bericht der „New York Times“ wurden sogar Belege für eine direkte Verwicklung Putins vorgelegt. Zudem sollen britische, niederländische und amerikanische Geheimdienste E-Mails aus der Hillary-Clinton-Kampagne in geheimen russischen Militärnetzen gefunden und Absprachen zwischen dem russischen Militärgeheimdienst und WikiLeaks über deren Veröffentlichung sichergestellt haben.

Im Februar dieses Jahres erhob Sonderermittler Robert Mueller Anklage gegen 13 russische Staatsbürger. Die Anklageschrift zeichnet bis ins Detail nach, wie diese Personen von St. Petersburg aus mit falschen Identitäten in den sozialen Netzwerken Anti-Hillary-Kampagnen initiiert und selbst reale Demonstrationen in Florida organisiert haben sollen.

Vergangene Woche schob Mueller zwölf weitere Anklagen gegen russische Geheimdienstoffiziere nach, die 2016 den Computer der Demokraten und der Clinton-Kampagne gehackt und E-Mails entwendet haben sollen.

Trotzdem führt der Präsident seit Tagen einen politischen Eiertanz auf. In Helsinki hatte ihm ein Journalist entgegengehalten, Putin behaupte, die Russen stünden nicht hinter den Hackerattacken. Darauf antwortete Trump: „Ich sehe keinen Grund, warum sie es sollten.“ Nachdem bei den Republikanern in Washington eine regelrechte Empörungswelle ausgebrochen war und selbst sein rechter Lieblingssender Fox protestierte, behauptete Trump mit 24-stündiger Verzögerung, er habe eigentlich sagen wollen: “… warum sie es nicht sollten.“

Sonderlich überzeugend wirkt das nicht. Schließlich hat Trump in derselben Pressekonferenz erklärt, hinter den Cyberattacken könnten alle möglichen Kräfte stecken und gewettert, die Mueller-Ermittlung sei „ein Desaster für unser Land“. Nachdem Trump am Dienstag wieder ins Fettnäpfchen getreten war und eine aktuelle Bedrohung durch russische Spione verneinte, musste seine Sprecherin Sarah Sanders ausputzen: Das „Nein“ habe nur dem Gesprächswunsch des Journalisten gegolten.

Offenbar bemerkte das Weiße Haus selbst die Schwächen dieser Defensivstrategie. Am Mittwochabend also trat Trump beim Sender CBS vors Fernsehvolk und verurteilte die russische Einmischung plötzlich scharf: „Wir werden es nicht dulden. Und so wird es sein.“ Das habe er auch Putin gesagt. Auf die Frage, ob er die Erkenntnisse seiner Geheimdienste glaube, antwortete er: „Ich würde sagen, dass das wahr ist.“ Sein letzter Satz dürfte das aber kaum gewesen sein.

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