Präsident Donald Trump lässt sich nur selten im Westflügel im Weißen Haus blicken.
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Präsident Donald Trump lässt sich nur selten im Westflügel im Weißen Haus blicken.

Westflügel

Donald Trump glänzt durch Abwesenheit - mit Folgen

  • Teresa Toth
    vonTeresa Toth
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Dass Donald Trump regelmäßig Falschinformationen in die Öffentlichkeit trägt, soll nicht zuletzt daran liegen, dass er nur selten im Westflügel auftaucht.

  • In seinen Büros im Westflügel im Weißen Haus soll sich der Präsident nur selten aufhalten.
  • Dies spiegelt sich in Pressekonferenzen wider, bei denen Donald Trump keine Ahnung zu haben scheint, wovon er redet.
  • Vor allem während der Corona-Pandemie hat das fatale Auswirkungen.
  • Trump News: Alle Infos zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika

Washington - Er selbst zeigt sich gerne als hart arbeitender Präsident. Doch in Wahrheit soll sich Donald Trump fast nie im Westflügel aufhalten, wo sich seine offiziellen Büros befinden. Diese ständige Abwesenheit des Präsidenten führt zu mangelndem Wissen seinerseits, Untätigkeit und falscher oder lückenhafter Informationsvermittlung.

US-Medienberichten zufolge erscheint der Wachmann, der Trump im Weißen Haus stets begleitet, fast nie vor Mittag im Westflügel. Nachmittags sehe man ihn kaum. Stehen Pressekonferenzen an, soll der Präsident sogar direkt von der Residenz in den Besprechungsraum kommen, ohne davor in seinem Büro gewesen zu sein. Da der Wachmann auch nach Konferenzen oftmals nicht vor dem Büro des Rechtspopulisten zu sehen ist, gehe man davon aus, dass er auch nach Besprechungen oftmals wieder direkt in seine Residenz verschwindet.

Donald Trump im Weißen Haus: Nachmittags ist der Präsident selten im Westflügel

Trumps Abwesenheit im Weißen Haus und sein mangelndes Engagement führen dazu, dass er oft uniformiert ist und bei Briefings von Notizen ablesen muss – und das teilweise auch noch falsch. Auf Nachfragen während Pressekonferenzen geht er meist kaum ein oder ignoriert sie sogar. Verstrickt er sich in Widersprüche, gibt er zu, die vorbereiteten Unterlagen zum ersten Mal zu lesen, um die Verantwortung für die Inhalte der Unterlagen nicht übernehmen zu müssen. Dass sein lückenhaftes Wissen zu allerlei Fehlinterpretationen führen kann, zeigte unter anderem eine Pressekonferenz vom 16.09.2020.

Dort verwendete der US-Präsident Grafiken, welche die Corona-Todesrate in den USA zeigten. Doch anstatt zu erklären, dass die USA bislang die meisten Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19 verzeichnete, faselte Trump von lebensrettenden Therapien, die die Todesrate seit April massiv gesenkt haben sollen. Dass solche Falschinformationen fatale Auswirkungen haben können, liegt auf der Hand: Sie wiegen die Menschen in falscher Sicherheit, was zu fehlendem Einhalten der Hygienemaßnahmen führen könnte.

In derselben Pressekonferenz spricht eine Reporterin Donald Trump auf positive Corona-Fälle im Weißen Haus an, über die die Pressesprecherin des Weißen Haus, Kayleigh McEnany, die Journalist*innen zuvor informierte. Auf die Frage reagiert der Präsident sichtlich irritiert und es scheint, als hätte er zum ersten Mal von diesen Corona-Fällen gehört. Er gerät ins Stocken, sagt zunächst, er hätte erst die Nacht zuvor davon erfahren und dass es sich nur um wenige Fälle handeln würde – „vielleicht sind es nicht mal Fälle“.

Donald Trump im Weißen Haus: Durch seine Abwesenheit ist der Präsident vollkommen uninformiert

Außerdem betonte der Präsident, dass keiner der positiv getesteten Personen in seiner Nähe gewesen ist. Später stellte sich jedoch heraus, dass eine Person, die positiv auf das Virus getestet wurde, an einer Veranstaltung des Präsidenten in Philadelphia teilgenommen hatte. Diese Verwirrung sollte jedoch nicht der letzte Fehltritt des Präsidenten während der Corona-Pandemie sein. Auch in Sachen Impfstoff verstrickt sich Trump immer wieder in Widersprüche.

So behauptete er, dass der Impfstoff gegen das Coronavirus bereits dieses Jahr verfügbar sein soll. Der US-amerikanischer Virologe Robert Ray Redfield, der sich im selben Raum mit dem Präsidenten befand, widersprach ihm daraufhin und betonte, der Impfstoff sei frühestens im Januar 2021 erhältlich. Dennoch scheint Trump wenig Wert auf faktenbasiertes Wissen zu legen: So widersprach er auch der Aussage des Virologen, dass Masken wirksamer seien als ein Impfstoff, und behauptete, sie seien „keineswegs wirksamer als ein Impfstoff“ – natürlich ohne dies anhand von Zahlen beweisen zu können.

Vor allem die Corona-Krise und sein mangelndes Engagement zeigen somit verstärkt, dass Trump nicht nur ein pathologischer Lügner ist, sondern sein Amt als Präsident kaum bis gar nicht ernst zu nehmen scheint – wovon durch die Verbreitung von Falschinformationen letztlich die gesamte Nation betroffen ist. Eine Wiederwahl Trumps im November würde an dieser Unfähigkeit wohl nichts ändern. (Teresa Toth)

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