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Rechter TV-Sender OAN

TV-Sender OAN: Ohne Donald Trump ein „seltsamer, leerer MAGA-Tempel“

  • vonMirko Schmid
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Der TV-Sender OAN hat sich voll und ganz der Meinungsmache für Donald Trump verschrieben. Ohne mediale Präsenz des Ex-Präsidenten fehlt dem Sender nun die Existenzgrundlage.

  • One America News Network (OAN) ist der neue Lieblingssender der Trump-Fans.
  • Ohne Donald Trump und seine Präsenz in den Sozialen Medien fehlt dem Sender der wichtigste Star.
  • Trump News: Alle Informationen rund um den 45. Präsidenten der USA.

San Diego - Dem US-Nachrichtensender OAN geht es schlecht. Die im letzten Quartal 2020 phänomenalen Quoten sind eingebrochen, beim Sender herrscht Ratlosigkeit und Verzweiflung. Grund für das Desinteresse der TV-Kundschaft ist ausgerechnet Donald Trump. Der Mann also, dem sich der Sender loyal bis zur Unterwürfigkeit verschrieben hat und dessen „Wahrheiten“ OAN gebetsmühlenartig verbreitet.

Donald Trump schwor Fox News in der Wahlnacht ab und schaltete auf OAN um

Im November und Dezember 2020 sah das noch ganz anders aus. Fox News, Trumps ehemaliger „Haussender“, vermeldete den Sieg des Demokraten Joe Biden in Arizona - einst eine Hochburg der Republikaner - noch vor den als liberaler bekannten Nachrichtenkanälen wie CNN, MSNBC und CBS. Donald Trump tobte, brüllte seine Berater an und zwang Jared Kushner, bei Fox-Chef Rupert Murdoch höchstpersönlich anzurufen, um die Erklärung Bidens als Sieger in Arizona zu annullieren.

Doch Fox News hielt stand und rief Joe Biden dann auch wenig später im Chor mit den anderen großen Nachrichtensendern zum Wahlsieger und kommenden Präsidenten aus. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war das Tischtuch zwischen Donald Trump und Fox News zerschnitten, in wilden Tiraden zog der abgewählte Mann im Weißen Haus über seine ehemaligen Lieblingssender her. Vergessen war, dass Fox News vier Jahre zuvor bereits rund um die Vorwahlen der Republikaner alles getan hatte, um Trump erst zum Kandidaten zu machen und ihn später medial auf den Stuhl des US-Präsidenten zu begleiten.

Seiner Anhängerschaft empfahl Donald Trump, ebenfalls OAN zu schauen

Von nun an bläute Donald Trump seiner Anhängerschaft ein, dass Fox News kein Sender mehr für wahre Patrioten sei und diese von nun an doch gefälligst One America News (OAN) einschalten sollten. Und Trumps Anhängerschaft folgte der Aufforderung ihres politischen Idols und kehrte in Scharen beim Bezahlsender ein. Das ging so weit, dass OAN es schaffte, in der Prime Time vereinzelt höhere Einschaltquoten zu haben als Fox News - bis dahin und seit knapp 20 Jahren alleiniger Quotenkönig und Pflichtprogramm der US-amerikanischen Rechten.

TV-Sender OAN: Stramm rechts, verschwörungsgläubig und Donald Trump loyal ergeben.

Doch mit dem Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 - besser: mit der anschließenden Sperre der Social Media-Accounts von Donald Trump - begann der Stern zu sinken. Während sich der abgewählte Präsident immer mehr abschottete und der medialen Bühne fern blieb, fehlte dem Sender schlicht der Stichwortgeber. Schlimmer noch: Die von Trumps „Legal Team“ um Rudy Giuliani aufgeschnappten und hernach am laufenden Band wiederholten Behauptungen, Wahlmaschinen seien manipuliert gewesen, brachten OAN (gemeinsam Fox News und Newsmax) die Androhung einer Milliardenklage des Herstellers Smartmatic ein.

Seit Donald Trump medial nicht mehr stattfindet, schwindet das Interesse an OAN

Während Fox News diese Klage bereits auf dem Tisch liegen hat, versucht OAN, die Thematik so gut es geht zu umschiffen und begeht damit eine Wanderung auf dem Drahtseil. Auf der einen Seite droht die Klage, auf der anderen Seite die Entrüstung der Kundschaft, die OAN doch gerade deswegen eingeschaltet hatte, da der Sender kein Blatt vor den Mund nahm und ohne jegliche Beweise standhaft behauptete und bis heute behauptet, Donald Trump sei der wahre Sieger der Präsidentschaftswahl.

Ohne Donald Trump droht OAN somit, in der Versenkung zu landen. Die „Politico“-Redakteurin Tina Nguyen, die sich im Rahmen eines Selbstexperimentes auferlegte, einen gesamten Tag lang, von morgens bis spät abends, OAN zu schauen, spricht von einem „seltsamen, leeren Tempel der MAGA-Kultur, dessen Akolythen und Propheten die Lücken seines Schweigens mit ihren Fantasien füllen - oft unlogisch, häufig toxisch. Sie berichten in einer Sammlung von Memes das, wovon sie denken, dass ihr Anführer wollen würde, dass sie es sagen.“

OAN hält sein Publikum mit „QAnon“-gläubiger Abgeordneten Greene bei der Stange

Um das Publikum bei der Stange zu halten, wird Marjorie Taylor Greene, republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus, Trump-Anhängerin und Verfechterin des rechtsextremen Verschwörungskultes „QAnon“ zum neuen Star aufgebauscht und als solcher verkauft. „Im sicheren Raum eines OAN-Skype-Interviews weigerte sie sich, sich vor dem „liberalen Mob“ und den „radikalen blutrünstigen Medien“ zurückzuziehen“, fasst Nguyen zusammen.

Die Gelegenheit, Greene auf ihre Behauptung anzusprechen, wonach ein „jüdischer Weltraum-Laser“ die Waldbrände in Kalifornien im letzten Jahr ausgelöst hätte, lässt OAN ungenutzt. Denn Greene überbringt Nachrichten von Donald Trump. Es gehe ihm wirklich gut im Mar-a-Lago, sie freue sich darauf ihn bald zu besuchen und wieder mit ihm zu telefonieren und die gute Nachricht sei, dass er sie zu einhundert Prozent unterstütze. Trump sei immer für die Menschen da und stehle sich nicht aus der Verantwortung.

Ohne Donald Trump fehlt OAN „der wichtigste Spieler“

Nguyen nennt das aktuelle Sendeschema des Senders einen „komfortablen Groove, in dem Joe Biden, Nancy Pelosi, Chuck Schumer, verschiedene Medien, bestimmte Hedgefonds, Ted Cruz, Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens und Obdachlose, die in Washington ein Hotel besetzen in einer stetigen, zuverlässigen Strömung des Hasses in keiner bestimmten Reihenfolge abgearbeitet werden.“ Doch ohne Donald Trump, sagt die Journalistin, fehle dem Sender schlicht der „wichtigste Spieler“. Dessen Tweets, die ganze Nachrichtenzyklen ausgelöst hatten, waren die stetige Quelle der OAN-Beiträge, nun ist sie verebbt.

In den Werbepausen versuchen Unternehmen, ihren Gewinn mit den Trump-Fans zu machen, die noch nicht abgeschaltet haben. Eine Reihe illustrierte Bücher für Kinder werden beworben, darunter „Der Kinder-Leitfaden zu Donald Trump“ und „Feiere unsere Freiheit“. Dazu gibt es einen Link für eine kostenlose Videolektion im Internet. Ihr Name: „Great Again“. Donald Trump selbst plant unterdessen sein Comeback in den Sozialen Medien. OAN wird es wahrscheinlich nicht schaden. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Drew Angerer/afp

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