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Donald J. Trump Mike Pence
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Donald Trump und sein Vize Mike Pence: Die Präsidentschafts-Chancen des ehemaligen Vizepräsidenten liegen in den Händen seines Ex-Chefs.

Republikaner in den USA

Nachfolger von Donald Trump: Früherer Vize Mike Pence steht in den Startlöchern

  • VonMirko Schmid
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Donald Trump lässt Mike Pence bei seiner Aufzählung der wichtigsten Republikaner links liegen. Will der Vize selbst ins Rennen um das Präsidentenamt einsteigen?

Washington D.C. - Die Beziehung zwischen Donald Trump und Mike Pence galt lange als symbiotisch. Auf der einen Seite der Showmaker Trump - laut, extrovertiert, launisch und exzessiv, auf der anderen Seite der stille und stets höfliche Stratege Pence. Was beide eint, das sind inhaltlich erz-konservative Motive. Der ehemalige Präsident setzt auf „America First“, Steuererleichterungen für Reiche und Jobs. Sein vormaliger Vize auf fundamental christliche Ansichten wie die Ablehnung von Abteibung und LGBT-Gleichberechtigung.

Mike Pence soll einmal gesagt haben: „Ich bin Christ, konservativ, Republikaner – in dieser Reihenfolge.“ Der ehemalige Gouverneur von Indiana ist ein Machtpolitiker der alten Schule in den USA, bestens vernetzt in alle innerparteilichen Strömungen der Republikaner, wirtschaftliche Kreise und selbst in die Reihen pragmatischer Demokraten. Darüber hinaus hat es Pence geschafft, sich im Anschluss an die US-Wahl aus der von Donald Trump angezettelten Wahlbetrug-Diskussion weitgehend herauszuhalten.

Donald Trump nahm Mike Pence verfassungsgemäßes Handeln übel

Übel stieß Donald Trump wohl auf, dass Mike Pence keinen Versuch unternehmen wollte, entgegen seiner verfassungsgemäßen Rolle als Vizepräsident die Auszählung der Stimmen der Wahlleute im Kongress zu stoppen. Trump wollte so auf den letzten Metern noch eine Amtsübergabe an Joe Biden verhindern, doch Pence stellte schnell klar, dass er keine Befugnis seinerseits sehe, dem Wunsch seines damaligen Noch-Chefs zu entsprechen.

Das brachte Mike Pence viele erbitterte Tweets von Donald Trump ein - auch noch, als dessen Fans bereits im Begriff waren, das US-Kapitol zu stürmen. Zum Teil „hängt Mike Pence“ skandierend wollten einige der von Trump persönlich aufgestachelten Randalierer ein Exempel am Vizepräsidenten statuieren. Viele politische Kommentatoren und auch Stimmen aus den Reihen der Republikaner, so etwa Senatorin Lisa Murkowski, zeigten sich entsetzt darüber, dass Trump seinen über die gesamte Zeit seiner präsidentschaft loyalen Mitstreiter der wütenden Meute zum Fraß vorwarf.

Donald Trump und sein Vize Mike Pence. (Archivfoto)

Im Anschluss sollen sich Trump und Pence ausgesprochen haben, so ganz scheint das Band zwischen beiden allerdings noch nicht wieder geknüpft. Das nämlich zeigen zwei Tatsachen. Die erste ist jene, dass Donald Trump Mike Pence allerdings unerwähnt ließ, als er gefragt wurde welche politischen Akteure er als Zukunft der republikanischen Partei erachte. Dafür nannte Trump stramme und schrille Unterstützer wie etwa Senator Ted Cruz und Ron DeSantis, seines Zeichens Gouverneur von Florida. Die andere ist, dass sich Mike Pence offenbar selbst in Stellung für eine etwaige Präsidentschaftskandidatur 2024 bringt.

Mike Pence muss Donald Trumps Anhängerschaft für sich zurückgewinnen

Der Unterschied zwischen Cruz und DeSantis auf der einen sowie Pence und Mike Pompeo, Außenminister unter Donald Trump, auf der anderen Seite: Weder Cruz noch DeSantis würden es sich wagen, Donald Trump öffentlich zu widersprechen oder gar vorbei am Starken Mann der Republikaner eigene Präsidentschaftsambitionen zu verfolgen. Während Pompeo bereits vorgeprescht war und seinen Hut für 2024 wenig subtil in den Ring warf, gibt sich Mike Pence noch bedeckt. Doch seine Handlungen lassen darauf schließen, dass auch er nach höherem als der Vizepräsidentschaft zum Abschluss seiner langen Politkarriere strebt.

Seine in der allgemeinen US-amerikanischen Öffentlichkeit mit viel Respekt bedachte Weigerung, Trumps Machtspielchen in den letzten Tagen seiner Amtszeit mitzuspielen, könnte ihm allerdings im Wege stehen. Der Einfluss von Donald Trump an der Basis der Republikaner ist derzeit schlicht zu hoch, um ohne seinen Segen genügend Vorwahlen gewinnen zu können. Mike Pence steht vor der Quadratur des Kreises. Er muss den eingefleischten Trump-Fans gleichzeitig seine ungebrochene Loyalität für deren Idol vermitteln und doch erklären, warum er am 6. Januar doch weiter auszählen ließ. Lapidare Gründe wie die US-Verfassung lassen die mit alternativen Fakten angefütterten Trumpisten kaum gelten.

Und so bleibt Pence zunächst im Lauerstellung. Er lässt vermelden, dass sein Fokus einzig auf die Zwischenwahlen 2022 und die Rückeroberung zumindest einer der beiden Parlamentskammern der USA von den Demokraten gerichtet sei. Verbündete des ehemaligen Vizepräsidenten sprechen unter der Hand davon, dass Pence auf diese Weise Zeit gewinnen könnte, um den Ärger der Trump-Fans auskühlen zu lassen. Der republikanische Abgeordnete Jim Banks aus Indiana beispielsweise ist sich sicher: Sollte Mike Pence wieder in die vorderste Reihe rücken wollen, so werde er „eine starke Anziehungskraft unter den Republikanern im ganzen Land“ ausüben.

Mike Pence bringt sich bereits in Position für die Nachfolge von Donald Trump

Doch bleibt Mike Pence nicht untätig, während er das Gras über den folgenschweren 6. Januar wachsen lässt. Mit der einflussreichen konservativen Heritage Foundation soll er laut Informationen des „Independent“ eine strategische Partnerschaft geschlossen haben und selbst als deren Präsident im Gespräch gewesen sein. Seine erste politische Rede seit seinem Auszug aus dem Number One Observatory Circle, dem traditionellen Wohnhaus der Vizepräsidenten der USA, will er bereits im April bei der jährlichen Spendenaktion des Palmetto Family Council in South Carolina halten. Der Staat gilt als wichtig für republikanische Vorwahlen und die Präsidentschaftskandidatur.

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Laut seinen engsten Mitarbeitern ist er weiterhin im engen Austausch mit seinen Verbündeten der in den Kreisen der Republikaner äußerst einflussreichen evangelikalen Kirchen und plant einen Großteil der zwei Jahre bis zu den US-Zwischenwahlen damit zu verbringen, republikanischen Kandidat:innen zur Wahl in den Senat beziehungsweise das Repräsentantenhaus zu verhelfen.

Die republikanische Strategin Alice Stewart, Wahlkampfleiterin für Ted Cruz während dessen Vorwahl-Kampagne im Jahr 2016, weiß: „Mike Pence tut, was er tun muss, um die Grundlagen für den Fall zu schaffen, dass er ein Sondierungskomitee einrichten möchte.“ Schließlich müsse ein potenzieller Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur „Geld sammeln, die Grundlagen legen, die Unterstützung abschätzen und dann den Abzug betätigen.“

Die Zukunft von Mike Pence liegt in den Händen von Donald Trump

Doch letztlich liegt an Donald Trump, ob Mike Pence 2024 ins Rennen um das höchste Staatsamt gehen darf. Der gerade erst aus dem Weißen Haus gewählte Ex-Präsident hat sich noch nicht erklärt, kokettiert allerdings öffentlich bereits mit einem neuen Anlauf auf das Oval Office in vier Jahren. Viel wird für ihn davon abhängen, wie sich der Ausgang der vielen gegen ihn bereits laufenden und in den Startlöchern stehenden Strafermittlungen und Gerichtsverfahren gestaltet.

NameMichael Richard „Mike“ Pence
Alter61 Jahre (7. Juni 1959)
GeburtsortColumbus, Indiana
Höchste politische PositionenVizepräsident (2017-2021)
Gouverneur von Indiana (2013-2017)

Sollte Donald Trump verzichten (müssen), wäre der Weg frei für Mike Pence. Der langjährige republikanische Meinungsforscher Whit Ayres bekräftigt: „In vielerlei Hinsicht denke ich, dass seine Zukunft in Trumps Händen liegt.“ Sollte Trump Pence öffentlich als seinen loyalen Gehilfen loben, so Ayres, stünden ihm die Türen zur Kandidatur weit offen. Andernfalls, vor allem dann, wenn ihn Trumps Anhängerschaft weiter für den unrühmlichen Auszug ihres Idols aus dem Weißen Haus verantwortlich machen sollten, würde er „anecken“. Mit anderen Worten: Dann bliebe die Vizepräsidentschaft wohl bis auf Weiteres die höchste politische Weihe des Mike Pence. (Mirko Schmid)

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