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Mike Pence Lincoln-Reagan Dinner New Hampshire
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Mike Pence: Der ehemalige Vizepräsident distanziert sich punktuell von Donald Trump.

„Dunkler Tag“ in den USA

Sturm aufs Kapitol – ehemaliger Vizepräsident Pence widerspricht Trump

  • vonMirko Schmid
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Mike Pence gibt zu, in einer entscheidenden Frage anderer Meinung zu sein als Donald Trump. Die Erstürmung des Kapitols nennt Pence einen „dunklen Tag“.

Manchester, New Hampshire - Mike Pence ist während seiner Amtszeit unter Donald Trump nicht mit öffentlicher Kritik an seinem ehemaligen Vorgesetzten aufgefallen. Im Gegenteil nahm der ehemalige Vizepräsident seinen Boss stets in Schutz, egal wie laut kritische Stimmen wurden. Und auch im Anschluss an die Übernahme des Weißen Hauses durch Joe Biden hielt sich Pence bislang bedeckt.

Nun aber hat sich Mike Pence erstmals deutlich dazu bekannt, eine andere Meinung zur folgenreichen Erstürmung des US-Kapitols zu haben als Trump. Im Rahmen einer rund vierzigminütigen Rede vor den Gästen des traditionellen Lincoln-Reagan Dinners der Republikaner schwärmte Pence zunächst von seinem ehemaligen Chef.

Mike Pence distanziert sich in Kapitol-Frage von Donald Trump

Von Donald Trump („einige Leute denken, dass wir ein bisschen unterschiedlich sind“) nämlich, versicherte Pence, habe er eine Menge gelernt. Trump habe gezeigt, was „Republikaner erreichen können, wenn unsere politischen Anführer konsequent hinter konservativen Grundlagen“ stünden. Während ihrer gemeinsamen Amtszeit hätten Trump und er „vier Jahre Konsequenz, vier Jahre Ergebnisse, vier Jahre der Versprechen und eingehaltenen Versprechen“ abgeliefert.

Donald Trump und er hätten den USA die „niedrigste Arbeitslosigkeit, die höchsten Haushaltseinkommen und die größte Stromproduktion“ beschert, zählt Mike Pence auf. Gegen Corona, die laut Pence „schlimmste Pandemie seit einhundert Jahren“, habe man die stärkste Gesundheitsinfrastruktur errichtet und dafür gesorgt, „dass am letzten Tag unserer Amtszeit eine Million Amerikaner geimpft wurden“. Und auch nach diesem letzten Tag im Amt seien er und Donald Trump weiter in ständigem Kontakt, bekräftigte der ehemalige Gouverneur von Indiana: „Präsident Trump und ich haben oft miteinander gesprochen, seit wir aus dem Amt geschieden sind.“ Bezüglich der Einschätzung und der Schuldfrage der Erstürmung des US-Kapitols hätten diese Gespräche für Mike Pence die „Frage“ aufgeworfen, „ob wir diesen Tag je aus denselben Augen sehen werden“.

Denn Mike Pence selbst hält den 6. Januar 2021 ganz eindeutig für einen „dunklen Tag in der Geschichte des Kapitols“. Glücklicherweise hätten die Capitol Police und Bundesbehörden schnell eingegriffen und schlimmere Ausschreitungen verhindert. Während die Einsatzkräfte vor und im Kapitol gegen die wütende Meute ankämpften, hatte Donald Trump enttäuscht über Pence getwittert und seine Anhängerschaft lange Zeit nicht zum Ende der Krawalle aufgerufen.

Trotz punktueller Distanzierung von Donald Trump: Mike Pence will sich Erfolge nicht nehmen lassen

Mit der anschließenden Fortsetzung der Auszählung der Wahlleute-Stimmen habe der Kongress „im Dienste der Verfassung und der Gesetze der USA“ gehandelt. Donald Trump hatte Mike Pence, qua Amt als Vizepräsident Zeremonienmeister der Auszählung, zuvor mehrfach und öffentlich dazu aufgerufen, den verfassungsgemäßen Akt der Auszählung abzubrechen.

Trump argumentierte mit einer Reihe von landesweiten Wahlmanipulationen, für die auch mehr als ein halbes Jahr nach der Wahl noch keine Beweise aufgetaucht sind. Mike Pence jedoch hatte die Sitzung als Vizepräsident nach Protokoll geleitet, was bei einigen Randalierer:innen Tötungsphantasien („Hang Mike Pence!“) freisetzte.

NameMichael Richard „Mike“ Pence
ParteiRepublikaner
Vizepräsident der USA (2017-2021)
PositionenGouverneur von Indiana (2013 bis 2017)
Mitglied Repräsentantenhaus (2001-2013)
Alter61 Jahre (7. Juni 1959)
GeburtsortColumbus, Indiana

Und doch will sich Mike Pence den „Stolz auf das, was wir in den letzten vier Jahren für die Menschen in den USA getan haben“ nicht nehmen lassen. Und doch redet Mike Pence erstaunlich wenig von Donald Trump, erwähnt ihn nur ein halbes Dutzend mal. Doppelt so oft erwähnt Pence an diesem Abend seine Partei, spricht von Erfolgen und Pflichten der Republikaner. Pence spricht die Parteibasis direkt an. Er wirbt um die „Unterstützung, Anstrengungen und Mitarbeit“ der gesamten Partei, um Gesetzesvorhaben der Biden-Regierung zu bekämpfen.

Mike Pence kritisiert Joe Biden und Demokraten, Republikaner jubeln

Der neuen Administration im Weißen Haus um die Demokraten Joe Biden und Kamala Harris stellt Mike Pence ein schlechtes Zeugnis aus: „Offene Grenzen, höhere Steuern, Geldverschwendung, mehr Bürokratie, Streichung von Polizeizuschüssen, Einsatz für Abtreibung, Zensur der freien Rede – ich stehe heute hier, um zu sagen: genug ist genug.“ Nun sei es für „jeden patriotischen Amerikaner“, der „unsere Ideale und Werte teilt“ an der Zeit, aufzustehen und gegen die „radikale Agenda der Linken“ zu kämpfen.

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Für seine Ansprache als Hauptredner des Spendendinners erhielt Mike Pence lauten Applaus der Gäste. Unmutsbekundungen, wie sie zuletzt beispielsweise Senator und Trump-Kritiker Mitt Romney erdulden musste, blieben aus. Mike Pence verfolgt mit seinem Auftritt eine zumindest organisatorische Kampagne in eigener Sache, reist durch die USA und erhöht die Schlagzahl seiner öffentlichen Auftritte. Im politischen Washington D.C. nährt dieser Umstand Spekulationen, wonach Mike Pence selbst 2024, spätestens aber 2028 als Präsidentschaftskandidat der Republikaner ins Rennen gehen könnte. (Mirko Schmid)

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