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Donald Trump
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Donald Trump im Oval Office. (Archivfoto)

Neues Enthüllungsbuch

Donald Trump nennt Angela Merkel einen „großen Fan“

  • VonMirko Schmid
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Michael Wolff bringt nach „Fire and Fury“ und „Siege“ sein drittes Enthüllungsbuch über die Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident heraus. Erste Details sickern durch.

New York – Michael Wolff hat es wieder getan. In „Landslide: The Final Days of the Trump Presidency“ widmet sich der Investigativ-Journalist wieder einmal Donald Trump. Dass nach der Amtszeit eines US-Präsidenten Bücher über den einst mächtigsten Politiker der Welt geschrieben werden, ist beinahe unausweichlich. Dass allerdings ein- und derselbe Autor gleich drei Bücher in nur vier Jahren über einen einzigen dieser Präsidenten schreibt, dazu zwei davon noch während dessen Amtszeit, ist alles andere als üblich.

Zumal, wenn dieser Autor im Grund kein einziges gutes Haar am Protagonisten seines Werks lässt. Noch seltener ist es, dass dieser Präsident den Autor zur Recherche seines dritten Buches zu sich einlädt und plaudert – nachdem er ihn zuvor als „lügenden Schmierfinken“ und „totalen Verlierer“ bezeichnet hat. Doch dass wenig normal, üblich oder eingespielten Traditionen folgend ist, sobald Donald Trump ins Spiel kommt, das gilt inzwischen als Gesetz. In seinem ersten Trump-Buch „Fire and Fury: Inside the Trump White House“ beleuchtete Wolff das erste Amtsjahr des Republikaners im Weißen Haus von innen heraus, für seinen zweiten Bestseller („Siege: Trump Under Fire“) nahm er sich Zeit für den ehemaligen Chefberater des Milliardärs, Steve Bannon, und zapfte dessen Frust über seinen ehemaligen Chef ausgiebig an. Eigentlich sollte, so sagt es Wolff selbst, damit Schluss sein. Er hatte sich nach eigener Ansicht genug abgearbeitet an dem Mann, den er als abgehobenen, weltfremden Egomanen zeichnet.

Donald Trump: Nach dem Sturm auf das Kapitol beschließt Michael Wolff ein drittes Enthüllungsbuch

Doch dann kam der 6. Januar und mit ihm ein Angriff auf die US-Demokratie, ihre Rituale und den Prozess der Bestätigung der Wahlniederlage von Donald Trump. Und dieser, so sah es eine Mehrheit beider parlamentarischen Kammern in den USA, hatte sich der Aufwiegelung derer schuldig gemacht, die mit ihren Ausschreitungen eine Gemengelage ausgelöst hatten, die mindestens fünf Menschenleben kostete und dem Ruf der USA als demokratische Weltmacht Schaden zufügte.

Donald Trump: Autor Michael Wolff nennt ihn „verrückt“.

Michael Wolff beschloss, noch einmal in die Welt des Donald Trump einzutauchen und in diversen Hintergrundgesprächen herauszufinden, wie es zur Attacke auf das US-Kapitol kommen konnte. Und wer die Strippen zog. Die Unterhaltungen fanden, wie für Wolffs Arbeit üblich, zum großen Teil unter der Versicherung der Anonymität seiner Quellen statt. So bestreitet der Autor nicht, dass selbst Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner mit ihm geredet haben. Solcherlei Gespräche dezidiert bestätigen oder gar wörtlich aus ihnen zitieren will er nicht.

Noch vor der Veröffentlichung seines neusten Machwerks reist Michael Wolff nun durch die Lande und heizt die Gerüchteküche an. Wird er, wie vor ihm beispielsweise Kollege Bob Woodward mit dessen Buch „Rage“, in dem er die Hilflosigkeit Trumps in den ersten Wochen der Corona-Pandemie offenlegte, Enthüllungen ans Licht bringen, die für ein weiteres mediales Erdbeben sorgen? Oder wird er lediglich derlei Ungeheuerlichkeiten nacherzählen, an die sich ein großer Teil der US-amerikanischen Öffentlichkeit inzwischen schulterzuckend gewöhnt hat?

Donald Trump will persönlich mit Enthüllungs-Autor Michael Wolff sprechen

Angesichts des Erfolges der ersten beiden Trump-Bücher aus dem Hause Wolff sind die Erwartungen hoch. Der TV-Nachrichtensender CNN etwa kündigt eine „Bombe“ an. Das liegt vor allem daran, dass Michael Wolff diesmal einen Protagonisten interviewen durfte, der bisher nicht für ihn zugänglich war: Donald Trump. War es zuvor üblich, dass Michael Wolff im West Wing des Weißen Hauses kampierte, um dort den Flurfunk zu scannen, bekam der Autor diesmal eine Privataudienz und durfte Trump in dessen Golfclub Mar-a-Lago, dem „Weißen Haus des Südens“, befragen.

Ein Gespräch, das unverhofft zustande kam. Wolff erzählt in diesen Tagen, dass er eigentlich nur mit Personen aus Trumps Umfeld Kontakt aufgenommen habe, um sie zu Wort kommen zu lassen. Auf einmal jedoch klingelte sein Telefon, dran war das Team Trump und übermittelte frohe Kunde: Der sich um seine Wiederwahl betrogen fühlende Altpräsident würde gerne selbst mit ihm sprechen. Wolff hat dafür nur eine Erklärung: Seine vorherigen Trump-Bücher hätten Auflage und Quoten erzielt und wenn Donald Trump von etwas angezogen wird, dann genau davon.

Da spiele es auch keine Rolle, ob Donald Trump in der Berichterstattung positiv oder negativ wegkomme – hauptsache dessen ständiger Durst nach medialer Präsenz werde gestillt. Dementsprechend gut behandelt fühlte sich Wolff. Es sei ihm unangenehm gewesen, von Trump wie ein langjähriger Freund empfangen zu werden, ließ der Autor unlängst im Livegespräch mit CNN wissen.

Autor Michael Wolff fühlt sich als „Requisite“ für Monologe von Donald Trump

Zur „Requisite“, so erzählt es Wolff in einem aktuellen Interview mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel, habe er sich degradiert gefühlt. Als „tollsten Journalisten der Welt“ habe der Golfclub-Besitzer ihn vor versammelter Menge bezeichnet, um dann zu seinem seiner Monologe im Kreise seiner Bewunderer anzusetzen. Im Grunde sei es egal, „mit“ wem Trump gerade spreche, findet Wolff: „Seine Tage bestehen nur daraus, dass ihn Leute umschmeicheln. Manchmal schmeichelt er zurück, aber im Grunde geht es ihm nur darum, sich selbst reden zu hören. Er redet und redet und redet.“

Und doch ist es Michael Wolff wohl gelungen, ein paar O-Töne aus Donald Trumps ausschweifenden Einlassungen zu extrahieren, obwohl der Republikaner kaum einen Satz sinnvoll zu Ende bringe. So glaube Donald Trump tatsächlich bis heute, dass er um eine zweite Amtszeit betrogen wurde – im Gegensatz zu „100 Prozent“ der Menschen in seinem eigenen Umfeld. Und natürlich habe er nicht mit der Masse, aus der sich eine wütende Meute herausschälte, zum Kapitol marschieren wollen. Das habe er doch nicht ernst gemeint.

Auch in Trumps Stab sei das Entsetzen groß gewesen, erzählt Wolff. Will der Mann, der nirgends zu Fuß hingeht, wirklich mit seiner Anhängerschaft von Weißen Haus zum historischen Parlamentsgebäude pilgern? Er wollte nicht. Wolff gegenüber habe Donald Trump seine randalierenden Fans als „große Ungewaschene“ bezeichnet und sich mit dem Satz „wer waren diese Leute?“ von ihnen distanziert.

Nur Rudy Giuliani glaubt an Donald Trumps Narrativ vom Wahlbetrug

Außer Donald Trump selbst gibt es, so erzählt es Michael Wolff, genau eine Person, die dessen Wahlbetrugsvorwürfe tatsächlich teilt. Dabei handelt es sich um Rudy Giuliani. Der ehemalige Bürgermeister von New York City und genauso ehemalige persönliche Anwalt Trumps sei eine „tragische Figur“. Selbstzerstörerisch, ein starker Trinker, über den selbst Trump lästert. Und doch brauche er Giuliani als denjenigen, der ihm zuverlässig das erzähle, was er hören und glauben wolle. Dafür sei Trump bereit gewesen, seinen loyalen Frontkämpfer zu begnadigen, was dieser abgelehnt habe, um ein Schuldeingeständnis zu vermeiden.

NameMichael Wolff
BerufAutor, Essayist und Journalist
WerkeThe Man Who Owns the News (2008)
Fire and Fury (2018)
Siege (2019)
Landslide (2021)

Einen bedeutend größeren Einfluss auf Donald Trump soll während dessen Amtszeit im Weißen Haus Jared Kushner ausgeübt haben. Nur der Ehemann von Trumps Lieblingstochter habe es vermocht, den erratischen Präsidenten zu „bewegen“ und gewusst, wann es besser war, sich aus dem Blickfeld seines Schwiegervaters zu entfernen. So habe er es als eine von wenigen „Figuren“ im Weißen Haus geschafft, ein „sehr dysfunktionales Weißes Haus“ auf „niedrigstem Niveau“ zusammenzuhalten.

Michael Wolff: Donald Trump hält Angela Merkel für „einen großen Fan“

Politisch seien alle tatsächlich umgesetzten Punkte der republikanischen Agenda während Trumps Amtszeit alleine MitchMcConnell, damals Mehrheits- und aktuell Minderheitsführer der Republikaner im Senat, zuzuschreiben. In gewisser Weise, so Wolff, habe McConnell die USA regiert – zumindest bis die Mehrheit im Repräsentantenhaus mit der Zwischenwahl 2018 an die Demokraten fiel. Die Exekutive hingegen sei die meiste Zeit damit beschäftigt gewesen, „den Präsidenten von seinen schlimmsten Impulsen abzulenken“.

Irgendjemand aus dem Kreis dieser Einflüsterer muss Donald Trump wohl, zumindest will Michael Wolff das erfahren haben, mit der Falschinformation versorgt haben, dass Angela Merkel, Emmanuel Macron und Boris Johnson seine Wahlanfechtung unterstützen würden. Trump soll das allen anderslautenden offiziellen Aussagen der Staatenlenker für bare Münze genommen haben und Merkel als „großen Fan“ seiner selbst sehen.

Donald Trump plant Memoiren: „Das Buch aller Bücher, das größte Buch von allen“

Für Michael Wolff soll es mit dem dritten teil seiner De facto-Trilogie über das Weiße Haus in der Hand von Donald Trump gewesen sein. Gegenüber dem Spiegel nennt er es ein „Versprechen“. Das Schreiben weiterer Trump-Bücher werden andere übernehmen, das scheint klar. Ein besonders prominenter Autor könnte sich hervorheben: Donald J. Trump, 45. Präsident der USA. Der nämlich hat angekündigt, „das Buch aller Bücher“ schreiben zu wollen. Bereits jetzt schreibe er „wie verrückt“.

Zwar hätten ihm bereits wichtige Verlage einen Korb gegeben. Allerdings, so mutmaßt es der ehemalige US-Präsident, würden die sich zukünftig nicht mehr verweigern, wenn „mein Buch das größte von allen sein wird“. Denn: „Glaubt wirklich jemand, dass die nicht darauf aus sind, das große Geld zu verdienen?“ Das, so scheint es, wollen die Verlage zunächst einmal mit anderen machen.

Jared Kushner hat bereits einen Vertrag für eine „endgültige Darstellung“ der Trump-Präsidentschaft in der Tasche. Und Mike Pence, unter Donald Trump Vizepräsident, konnte bereits einen siebenstelligen Deal für zwei Bücher über seine Zeit im Weißen Haus eintüten. Für Lesestoff sollte also auch in Zukunft gesorgt sein – auch ohne Michael Wolff. (Mirko Schmid)

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