Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Republikaner wittern Hochverrat

„Vollidioten-General“ - Donald Trump ruft zum Kampf auf

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
    schließen

Donald Trump fordert seine engsten Verbündeten auf, Stimmung gegen General Mark Milley zu machen. Er beschimpft ihn als „Vollidioten-General“.

Washington, DC – Donald Trump ist seit dem 20. Januar 2021 nicht mehr an der Macht. Doch noch immer sorgt seine Präsidentschaft für großen Wirbel in den USA. Jetzt wurde bekannt, dass auch der Generalstabschef dem früheren Präsidenten in den Januartagen 2021 offenbar das Vertrauen entzogen hat. Das bringt Trump auf die Palme.

Als er am Dienstag (14.09.2021) seinem alten Pressesprecher Sean Spicer im TV-Sender Newsmax ein Interview gab, redete sich Trump jedenfalls ordentlich in Rage. Dass der oberste US-Militär Vorkehrungen getroffen haben soll, um seine rechtmäßige Befehlsgewalt über Atomwaffen einzuschränken, bezeichnete Trump glattweg als „Verrat“.

Kampf gegen General Milley: Donald Trump setzt Verbündete in Marsch

Die Idee, er würde China angreifen, sei „völlig lächerlich“, sagte Trump, der auch den Grund für Milleys Verhalten zu kennen meinte: „Er versucht doch nur, von seinem inkompetenten Rückzug aus Afghanistan abzulenken – das Dümmste, was man je gesehen hat.“ Allerdings scheint Trump da etwas durcheinanderzubringen, denn Milleys Anrufe bei Chinas Top-General Li Zuocheng, auf die sich Trump hier bezog, sind auf den 30. Oktober 2020 und den 8. Januar datiert. Der Abzug der US- und Nato-Truppen aus Afghanistan begann aber erst Ende April. Später am Abend veröffentlichte Trump über sein Büro dann noch eine schriftliche Erklärung, in der er Milley einen „Vollidioten“ („Dumbass“) nannte.

Generalstabschef Mark Milley während einer Besprechung im Pentagon in Washington. (Archivbild)

Doch Trump wollte seinen Kampf gegen Milley, der inzwischen dem demokratischen Präsidenten Joe Biden als oberster Militärberater dient, nicht alleine führen. Nach Angaben des US-Nachrichtenportals The Daily Beast startete er noch am Dienstag einen großen Rundruf und brachte seine engsten Verbündeten auf Linie. Trump bat seine Vertrauten, öffentlich zu erklären, dass Milley „inhaftiert“ werden sollte.

Donald Trump: Privatfehde gegen Mark Milley

Und die Trumpisten folgten auch dem Wunsch ihres Herrn. Pflichtbewusst wiederholten prominente Republikaner Trumps Klage in den sozialen Medien oder im Fernsehen. Zu nennen ist hier zum Beispiel Charlie Kirk, der vor allem die Millennials für Trump zu gewinnen sucht. Auf Twitter lief der 27-Jährige dann auch zur Hochform auf, indem er nämlich in ein und demselben Tweet den unliebsamen General und die Rapperin Nicki Minaj miteinander verband.

Mark Alexander Milley
Geboren20. Juni 1958
GeburtsortWinchester, Massachusetts
AmtVorsitzender der Joint Chiefs of Staff der USA

Kirk wendete sich also an seine rund 1,7 Millionen Follower und forderte sie auf, sich bloß nicht durch das Twitter-Verbot für Nicki Minaj (sic!) davon ablenken zu lassen, dass Milley „von seinem Posten entfernt und sofort vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollte“. Rund 8200 „Gefällt mir“-Klicks (Stand: 16.09.2021, 11.45 Uhr) sind ja immerhin etwas. Das Konto von Nicki Minaj, die derzeit mehr durch ihr Geschwurbel über Corona-Impfstoffe auffällt als durch ihre Musik, wurde übrigens nicht gesperrt.

Sean Hannity springt Donald Tump bei: Milley „ist ein Verräter“

Auch Trumps Spezi Sean Hannity stieß ins gleiche Horn. „Wenn das wahr ist, wäre General Milley ein Verräter und sollte sofort gefeuert und wegen Hochverrats angeklagt werden“, verkündete der Moderator in seiner Sendung auf dem TV-Kanal Fox News ganz aufgebracht ins Mikrofon.

Republikanische Politiker machten das Spiel ebenfalls mit. Falls die Berichte zuträfen, sagte Senator Marc Rubio in Hannitys Sender Fox News, entspräche das „einem Militärputsch“. Der von Trump unterstützte Senatskandidat Josh Mandel aus Ohio nutzte derweil sein Twitterkonto, um Milley zunächst ebenfalls des Hochverrats zu bezichtigen, bevor er ihn dann „den wahren Aufständischen“ nannte. Damit wollte er wohl auch andeuten, dass die Rowdys, die wie zum Beispiel der QAnon-Schamane am 6. Januar das Kapitol gestürmt hatten, damals eigentlich nur eine harmlose Party feiern wollten. Der wirkliche Bösewicht aber sei Mark Milley.

Mark Milley gegen Donald Trump: Buch löst Kontroverse aus

Auslöser der Aufregung ist das neue Buch von Bob Woodward. In „Peril“ (Gefahr) legt der Watergate-Enthüller zusammen mit Robert Costa von der Washington Post dar, dass Milley am 8. Januar ein geheimes Kommandotreffen einberufen habe, um sicherzustellen, dass es keinen militärischen Offensivschlag ohne seine Zustimmung geben könne.

Alle wichtigen News zur US-Politik direkt in Ihr Mail-Postfach

Mit unserem USA-Newsletter sind Sie immer top informiert

Den Autoren des Buchs, das am 21. September auf den Markt kommt, lag auch eine Mitschrift eines Telefonats von Milley und Nancy Pelosi vor. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses hielt demnach mit ihrer Meinung über Trump nicht hinterm Berg: „Sie wissen, dass er verrückt ist. Er ist seit langer Zeit verrückt.“ Milleys Antwort fiel ebenfalls recht eindeutig aus: „Ich stimme Ihnen in allen Punkten zu.“

Am 28. September 2021 muss sich Mark Milley das nächste Mal einer Anhörung im Senat stellen. Donald Trump dürfte seine Verbündeten in den Tagen bis dahin sicher noch weiter aufstacheln. Für Mark Milley könnte es ein unangenehmer Tag werden. (Christian Stör)

Rubriklistenbild: © Susan Walsh/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare