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Nach Ausschreitungen in Washington

Marine Le Pen eiferte Donald Trump nach – Doch jetzt wendet sie sich ab

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Der Trump-Effekt war jahrelang Mittel und Ziel der französischen Rechtspopulistin. Jetzt ist wohl Schluss damit. Und neue Orientierungshilfen werden gebraucht.

  • Die rechtspopulistische französische Politikerin Marine Le Pen wendet sich von ihrem Vorbild Donald Trump ab.
  • Der gewaltsame Sturm auf das Kapitol in der US-Hauptstadt Washington durch aufgewiegelte Trump-Anhänger am 06.01.2021 hat offenbar den Ausschlag gegeben.
  • Die Bilder vom Angriff auf den Sitz des US-Parlaments hätten Le Pen schockiert.

Paris – Marine Le Pen wechselt wieder einmal ihren Standpunkt. Nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington äußerte sich die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen „äußerst schockiert über die Bilder der Gewalt“. Bislang hatte die Anführerin der „Nationalen Sammlungsbewegung“ (RN), ehemals Front National, dem Vorgehen des US-Präsidenten Donald Trump und seiner Anhänger immer applaudiert. Im November zog sie das Ergebnis der US-Wahl 2020 in Zweifel. „Die Partie ist noch nicht zu Ende“, sagte sie vor zwei Monaten, Joe Biden habe „absolut nicht gewonnen“.

Marine Le Pen wendet sich nun von Donald Trump ab. (Archivfoto)

Sie eiferte Donald Trump nach – er ließ sie im Trump Tower abblitzen

Nach der endgültigen Wahlbestätigung vergangene Woche positionierte sie sich neu: Sie habe „keinerlei Mühe anzuerkennen, dass Joe Biden Präsident der USA ist“, sagt sie nun. Und findet sogar kritische Worte für Donald Trump: Der Noch-Präsident habe „zu wenig an die Wirkung seiner Worte auf die Leute gedacht“, sagte die 52-Jährige mit Blick auf die Szenen im Kapitol. Einmal mehr zeichnet sich Le Pen durch einen opportunistischen Schlingerkurs aus.

Vor vier Jahren hatte sie nach ihrem verlorenen Präsidentschaftsduell gegen Emmanuel Macron voll auf den Trump-Effekt gesetzt, um sich daran politisch wieder hochzuhangeln. Sie reiste sogar nach New York, um ihr neues Idol zu treffen; im Trump-Tower schaffte sie es allerdings nur in das Café, wo sie der Immobilienmagnat sitzen ließ. Wieder in Paris, eiferte Le Pen dennoch ihrem Vorbild nach und gab ihr wahlpolitisch motiviertes staatstragend-moderates Gehabe wieder auf: Wie Trump wetterte sie über die Eliten, die Linken und die Bürokraten im Land.

Sturm auf Kapitol in Washington freute manche Verbündete von Le Pen

Aber Frankreich ist nicht Amerika. Während Trumps Tiraden gegen den Staatsapparat („deep state“) in den USA vielfach ankommen, wollen die französischen Wähler im Gegenteil einen starken Staat, wie ihn de Gaulles Fünfte Republik bietet. Krawall und Chaos ist auch nicht nach dem Gusto aller RN-Wähler, die in Paris oft am lautesten nach Recht und Ordnung rufen.

Am Boden zerstört? Marine Le Pen.

Allerdings gibt es in Le Pens Partei auch Stimmen, die sich offen über den Sturm aufs Kapitol freuen. RN-Parteikader Aymeric Durox fragte, warum sich denn die Linke 1967 nicht beklagt habe, als die Black Panthers das kalifornische Parlament gestürmt hätten. Damals seien keine Schwarzen umgekommen, während nun vier Trumpisten das Leben gelassen hätten. „Ist das vielleicht ein weißes Privileg?“, giftete Durox.

Marien Le Pen: Unklar, wie staatstragend sie tatsächlich eingestellt ist

Le Pen deckt diese rechtsextremen Scharfmacher, die den harten Kern ihrer Partei bilden. Zugleich muss sie aber auch als Verfechterin der Rechtsordnung antreten, um bei der Präsidentschaftswahl 2022 eine Chance zu haben. Ähnlich ambivalent verhält sie sich in der Corona-Frage: Einerseits wirft sie der Regierung vor, die Bevölkerung nicht schnell genug zu impfen – andererseits weigert sie sich zu sagen, ob sie sich selbst impfen lassen würde.

Wie schon ihr Vater Jean-Marie Le Pen verweigert die RN-Chefin generell die Antwort auf die Frage, ob sie sich eigentlich innerhalb oder außerhalb der republikanischen Institutionen sieht. Schon 2018, als die „Gelbwesten“ in Paris republikanische Symbole wie den Arc de Triomphe verwüsteten, unterstützte Marien Le Pen die rabiaten „gilets jaunes“; gleichzeitig verteidigte sie die Polizeikräfte und die republikanischen Symbole wie den Triumphbogen.

Widersprüche in Le Pens Haltun zum System nicht mehr zu kaschieren

Der Kapitol-Sturm entlarvt erneut Le Pens ideologischen Widerspruch zwischen staatstragender und antirepublikanischer Haltung. Und auch den zwischen Antiamerikanismus und Trumpismus. Ihre potenziellen Wähler kommen da kaum mehr mit. (Stefan Brändle)

Rubriklistenbild: © Joel Saget/AFP

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