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Marianne Williamson spricht zu ihren Fans.

US-Vorwahlkampf

Mit Liebe gegen Trump: Auf spirituellem Pfad ins Weiße Haus

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Marianne Williamson ist Autorin von Selbsthilfebüchern, befreundet mit Kim Kardashian und bietet hübsche Seminare an. Zudem will sie Donald Trump im Weißen Haus ablösen. 

Über Donald Trump haben damals auch alle gelacht. Die Zahl derer, die seine Bewerbung um die US-Präsidentschaft zu Beginn wirklich ernst genommen haben, dürfte jedenfalls gegen null gehen. Was am Ende dabei herausgekommen ist, weiß inzwischen die ganze Welt.

Vier Jahre später geht nun auch aufseiten der Demokraten eine spleenige Kandidatin ins Rennen ums Weiße Haus. Wenn es eine Präsidentschaftsanwärterin gibt, die am ehesten an Trump erinnert, dann wohl Marianne Williamson. Wer sonst bringt denn der modernen Frau von heute bei, die neue Aphrodite zu sein? Das Online-Seminar mit dem Titel „The Aphrodite Training: On the Convergence of Woman, Goddess, and Lover“ dauert insgesamt drei Tage und kostet gerade einmal 149 US-Dollar.

Geld verdient Williamson aber auch mit ihren zahlreichen Selbsthilfebüchern, die sich fast alle verkaufen wie geschnitten Brot. Damit tritt allerdings auch ein deutlicher Unterschied zu Trump zutage, der nach allem was wir wissen, kaum je ein Buch gelesen hat. Williamsons Machwerke sind übrigens auch auf Deutsch erhältlich. darunter sind so schöne wie „Die Wiederentdeckung des Weiblichen“ (1995), „Lebensmitte – Zeit für Wunder“ (2010), „Das Gesetz des göttlichen Ausgleichs“ (2014) oder „Du bist stärker als dein Schmerz“ (2017). 

Marianne Williamson plant eine von Liebe geprägte politische Revolution 

Nur ihr jüngstes Buch ist noch nicht übersetzt worden. Das ist schade, denn in „A Politics of Love“ (2019) redet sie einer von Liebe geprägten politischen Revolution das Wort. Das wollen doch sicher alle. Ihr Hauptwerk ist aber ganz sicher „Rückkehr zur Liebe“, 1993 im Goldmann-Verlag erschienen, in dem sie laut Klappentext „spirituelle Grundprinzipien wie Vertrauen, Hingabe, Vergebung und Furchtlosigkeit“ lehrt. Inspiriert wurde Williamson dabei von dem in den 70ern anonym erschienenen Buch „A Course in Miracles“, das von Jesus selbst geschrieben worden sein soll.

Es braucht sich also niemand zu wundern, dass die 67-Jährige jetzt auch im parteiinternen Vorwahlkampf der Demokraten viel Aufmerksamkeit bekommt. Das Wahlvolk ist jedenfalls sehr an ihr interessiert, wie auch ein Blick auf die Google-Suchzahlen nach der zweiten TV-Debatte am 30. Juli beweist. Ihr Name wurde nämlich deutlich häufiger gesucht als der aller anderen Kandidaten, in 49 von 50 Bundesstaaten war sie die Nummer eins.

Marianne Williamson ist mit Oprah Winfrey und Kim Kardashian befreundet

Wer genauer sucht, erfährt dann auch, dass Williamson beste Kontakte zu Berühmtheiten pflegt - auch das hat sie mit Trump gemein. So etwas kann ja nie schaden, vor allem wenn es sich um Oprah Winfrey und Kim Kardashian handelt. Eine solche Kandidatin sollte doch echte Chancen auf die Nominierung haben, oder etwa nicht? Nun, die Umfragen ergeben ein anderes Bild. Dort liegen nach wie vor die etablierten Kandidaten wie Joe Biden, Bernie Sanders, Elizabeth Warren oder Kamala Harris vorne.

Das ist aber vielleicht auch ganz gut so. Williamsons spirituelle Erleuchtung stört zwar kaum jemanden, doch ihr Hang zur Quacksalberei bereitet nun wirklich keine Freude. So behauptet sie in dem bereits erwähnten Buch „Rückkehr zur Liebe“ ernsthaft, Krankheit sei eine Illusion und existiere gar nicht. Und was sagt sie zu Krebs und AIDS? Seien nur „physische Manifestationen eines psychischen Schreis“.

Das alles erinnert doch stark an die obskuren Lehren der Christlichen Wissenschaft. Dass Williamson zudem dem Impfen eher zwiespältig gegenübersteht (ganz so wie Trump), obligatorische Impfungen als „orwellianisch“ und „drakonisch“ bezeichnet, spricht ebenfalls nicht für sie.

Marianne Williamson kennt das Rezept, um Donald Trump zu schlagen

Entscheidend für die Demokraten ist aber einzig die Frage, wie sie Trump schlagen können. Auch hierauf hat Williamson eine Antwort. Und die hat wohl mit schwarzer Magie und einem psychischen Kampf zu tun. Man müsse den Schild der Tugend und das Schwert der Wahrheit benutzen.

Ah, jetzt wissen die Demokraten endlich, wie sie Trump aus dem Amt treiben können. Fragt sich nur, wie Williamson dazu beitragen kann? Präsidentin wird sie natürlich nicht werden, doch auch als Vize könnte sie ja zur Trump-Gegnerin avancieren. Nicht möglich? Na ja, auch Sarah Palin war einst mal im Rennen – und das sagt wohl alles.

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