Kontroverse Aussagen

Trump-Vertrauter: Schwarze können überall hin, aber nur wenn sie „konservativ und nicht liberal“ sind

  • Tim Vincent Dicke
    vonTim Vincent Dicke
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„Rassismus im Live-Fernsehen im Jahr 2020“: Der enge Trump-Verbündete Lindsey Graham sorgt mit einer Äußerung über Afroamerikaner für Aufruhr.

  • Der US-Senator Lindsey Graham sorgt mit einer kontroversen Aussage über Afroamerikaner für einen Aufschrei.
  • Ein aufgetauchtes Foto soll zudem zeigen, wie der Vertraute Donald Trumps mit einem Mitglied der rechtsextremen Gruppe „Proud Boys“ an einem Tisch sitzt.
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USA – US-Senator Lindsey Graham hat mit einer rassistischen und kontroversen Aussagen über Afroamerikaner einen Aufschrei ausgelöst. Der enge Trump-Vertraute sagte im Fernsehen, Schwarze könnten es in seinem Staat South Carolina überall hinschaffen. Mit einer Vorraussetzung: Sie müssten wie Graham konservative Werte vertreten.

Donald Trumps Verbündeter Graham in der Debatte mit demokratischem Gegner

Graham machte die Bemerkung in einer im Fernsehen übertragenen Debatte mit seinem politischen Rivalen, dem ehemaligen Vorsitzenden der Demokratischen Partei von South Carolina, Jaime Harrison. Harrison war der erste Afroamerikaner, der dieses Amt innehatte.

Während der Debatte hatte die Moderatorin Graham gebeten, über die Proteste der Black Lives Matter-Bewegung sowie über strukturellen Rassismus zu sprechen. Bei Demonstrationen gegen Polizeigewalt in den USA kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Ausschreitungen.

Trump-Vertrauter Lindsey Graham über Afroamerikaner: „Sie müssen nur konservativ und nicht liberal sein“

„Glaube ich, dass unsere Polizisten strukturell rassistisch sind? Nein. Glaube ich, dass South Carolina ein rassistischer Staat ist? Nein. Lassen Sie mich erklären, warum“, führte Graham aus. „Für junge Leute da draußen, junge Leute mit Hautfarbe, oder junge Einwanderer – Das ist ein großartiger Staat. Eine Sache kann ich ohne Zweifel sagen: Sie können Afroamerikaner sein und es sogar in den Senat schaffen, Sie müssen nur unsere Werte teilen.“

Im Anschluss sagte der Trump-Vertraute: „Wenn Sie ein junger Afroamerikaner, ein Einwanderer sind, können Sie überall in diesem Staat hinkommen. Sie müssen nur konservativ und nicht liberal sein.“

„Rassismus im Live-Fernsehen“: Lindsey Grahams Aussagen sorgen für scharfe Kritik

Die Äußerungen Grahams sorgten nach der Fernsehdebatte für scharfe Kritik. Aktivist Simran Jeet Singh schrieb auf Twitter: „Hört zu, wie Lindsey Graham erklärt, was Schwarze machen dürfen und was nicht. Das ist White Supremacy aus dem Lehrbuch.“ Eine Nutzerin kritisierte: „Er sagt ‚Afroamerikaner und Einwanderer‘ in einem Atemzug. Was soll das? Afroamerikaner SIND Amerikaner.“

Podcaster Jimmy Williams griff Lindsey Graham ebenfalls an: „Weiße können Schwarzen nicht mehr sagen, wie sie denken oder wählen sollen. Ihre Plantagen-Mentalität aus dem 19. Jahrhundert ist in South Carolina nicht willkommen. Diese Tage sind vorbei. Rassismus im Live-Fernsehen im Jahr 2020.“

Graham gegen Harrison in South Carolina bei der Wahl 2020: Ein wichtiges Duell

Zur US-Wahl am 3. November schaut die Welt zwar auf das Weiße Haus und auf den Kampf zwischen Donald Trump und Joe Biden. Zugleich wird jedoch auch der neue Senat gewählt. Ohne Mehrheiten im rund zweieinhalb Kilometer südöstlich gelegenen Kongress ist es für einen US-Präsidenten kaum möglich, seine politischen Ideen umzusetzen.

Senator Lindsey Graham und US-Präsident Donald Trump bei einer Rally in South Carolina. Die beiden sind enge Verbündete.

Das Duell Graham gegen Harrison in South Carolina ist sehr wichtig: Sollte es den Demokraten gelingen, Lindsey Graham aus dem Senat zu werfen, wäre die Wahlnacht für die Demokraten perfekt. Von Vorteil für die mögliche Regierungspolitik von Joe Biden wäre es dabei, dass Harrison bisher nicht als besonders progressiver Politiker aufgefallen ist – der gemäßigte Biden könnte mit ihm wohl leicht zusammenarbeiten.

Donald Trumps enger Verbündeter: Foto soll Lindsey Graham mit Mitglied der „Proud Boys“ zeigen

Erst vor Kurzem sorgte US-Präsident Donald Trump für Aufruhr. Während der TV-Debatte mit Herausforderer Joe Biden fragte ihn der Moderator, ob er bereit wäre, rechte Gruppen und Milizen zu verurteilen, zu deren Geisteshaltung White Supremacy gehört. Trump fragte daraufhin: „Wen soll ich verurteilen?“ Biden warf den Namen der rechtsextremen Männergruppe „Proud Boys“ in den Raum. Trump richtete sich mit den Worten „stand back and stand by“ (zurück- und bereithalten) an die Gruppe.

Lindsey Graham erklärte auf Twitter, er finde, dass der Präsident klarstellen müsse, dass „Proud Boys“ eine „rassistische Organisation sind, die im Gegensatz zu den amerikanischen Idealen steht“. Ein aufgetauchtes Foto soll jedoch zeigen, wie Graham mit Joe Biggs, einem Mitglied der rassistischen Gruppe, an einem Tisch im Restaurant sitzt. Wie das Bild entstanden ist, ist nicht bekannt. (Von Tim Vincent Dicke)

Rubriklistenbild: © SAUL LOEB / AFP

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